L A N D S C H A F T S V E R B A N D     S T A D E :   T E X T E D E R M U S P Ä D W O C H E


Landschaftsverband Stade: Dies ist einer von drei Texten, die bei der Museumspädagogischen Woche 2006 in Otterndorf von Schülern als Ergebnis der einwöchigen Aktion entworfen wurden.

Ein Tag im Leben der Anna Margarethe Korns

Anna Margarethe Korns erzählte ihren Enkelkindern im Winter 1915 von einem Tag in ihrem Leben im Frühjahr 1896 in Hüll.

“ An diesem Morgen wachte ich durch die Sonnenstrahlen, die durch das Fenster auf mein Gesicht fielen, auf. Da Hein, mein damals noch recht junger Ehemann, und euer jetziger Großvater, noch schlief, schlich ich mich leise aus der Schlafstube und lies ihn in unserem gemeinsamen Bett ruhig weiter schlafen. Meine Kinder Willy und Metha schlummerten ebenfalls noch in ihren kleinen Bettchen. Ich wusch mich vor der Tür mit eiskaltem Wasser und benutzte das Plumpsklo, bevor ich in die Küche ging, den großen Ofen anmachte und heißes Wasser aufsetzte, mit dem ich dann das harte kleingeschnittene Schwarzbrot übergoss. Dann weckte ich den Rest der Familie, die ungern aus ihren Betten hinauskrochen. Wir frühstückten gemeinsam im Wohnzimmer. Wir beeilelten uns mit dem Frühstücken, weil Hein zeitig auf das Feld musste um es zu pflügen. Ich musste ebenfalls schnell in den Stall, um die Kühe zu melken und die Hühner, Schweine und das Pferd zu füttern. Willy versuchte auch schon mir zu helfen, während Metha mit dem Kalb schmuste. Als ich fertig war, musste ich schnell wieder in die Küche um das zweite Frühstück vorzubereiten. Ich schmierte die selbstgemachte Butter, Käse, Honig und Marmelade auf Brote und schickte meine Kinder damit auf das Feld zu Hein. Ich war noch nicht ganz wach weshalb ich mir erst mal einen Kaffee kochte. Weil wir uns keine Kaffeebohnen leisten konnten, musste ich den Kaffee aus Zichoriepflanzen herstellen, die ich in meinem Kräutergarten anpflanzte. Nachdem ich ausgetrunken hatte, musste ich schon wieder an die Arbeit: Geschirr abspülen, die Küche aufräumen und wahrscheinlich noch irgendetwas sauber machen, was die Kinder gerade verschüttet hatten. Die Beiden gingen damals noch nicht zur Schule, da sie erst drei und fünf Jahre alt waren. Willy half mir schon oft im Haushalt und mit den Tieren. Metha verbrachte ihren Tag damit, im Garten oder im Haus mit den Tieren oder ihrem Bruder zu spielen. Zum Glück nervten sie mich nicht ganz so viel. So konnte ich ganz in Ruhe die Wolle spinnen, aus der ich später einen Pullover für Hein stricken wollte. Ansonsten webte ich auf unserem großen Webstuhl, der in der diele stand, den Stoff für unsere Kleidung. An diesem Webstuhl verbrachte ich im Winter viel Zeit, da es dort wegen der Tiere, die dort in den Ställen standen, angenehm warm war. Nachdem ich ein ganzes Stück Wolle gesponnen hatte, ging ich in den Garten, um Gemüse und Kräuter für das Mittagessen zu holen. Solche Sachen bauten wir in einem Gemüsebeet neben dem Haus an. Ich wollte einen Gemüseeintopf kochen, für den ich Kohlrabi und Bärlauch erntete. Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln, Porree und rote Beete hatte ich noch gelagert. Ich putzte und schälte alles und gab es in einen großen Metalltopf und stellte ihn aus den Herd. Zuvor musste ich allerdings noch Holz nachlegen.

Ich ließ den Eintopf- es war sehr viel, für die nächsten zwei Tage mit- 11/2 Stunden kochen und holte dann meine Familie um zwölf in das Wohnzimmer. Willy sprach das Tischgebet und wir falteten die Hände, dachten aber schon an das Essen, das im großen Topf und kleinen vor uns stand. Wir hauten alle ganz schön rein, da es ein anstrengender Nachmittag werden sollte. Hein musste wieder auf das Feld den Acker pflügen und ich musste putzen. Das tat ich mit dem selbstgeflochtenen Besen, während die Kinder schon ins Bett gingen. Als ich das fertig hatte, arbeitete ich noch ein bisschen im Garten. Ich säte Lein- Flachs, Kopfsalat und Bohnen. Dann jätete ich noch das Unkraut zwischen den Blumen. Bald würde wieder Kaffeezeit sein und ich musste Brote für Hein und die Kinder schmieren. Das erste Mal probierte ich Kaffee mit richtigen Kaffeebohnen zu kochen. Die hatte Hein gekauft und mir mittags gegeben. Ich röstete die Bohnen in der Röstpfanne, mahlte sie und goss sie mit Wasser auf. Der Kaffee war köstlich. Die Brote und den Kaffee nahm ich mit auf das Feld, wo wir uns unter die große, dicke Eiche setzten und die Kaffeepause genossen. Hein war von dessen echten auch sehr begeistert und fand, dass dieser viel besser war als der Ersatzkaffee aus Zichorie. Doch dann mussten wir wieder auf das Feld und weiterarbeiten. Euer Großvater pflügte weiter und säte Hafer bis um halb sieben zum Abendessen machen. An diesem Tag wollte ich Hafergrütz- Suppe mit Milch kochen. Um sieben Uhr kam dann die hungrige Familie in die Küche. Willy deckte den Tisch in der warmen Stube und wir aßen alle zusammen.

Ich war schon ziemlich geschafft und wünschte mir, dass wir doch einen Knecht oder eine Magd hätten, die uns helfen könnten. Doch dafür hatten wir kein Geld und so mussten mein Mann und ich nach dem Abwaschen noch die Tiere versorgen. Unglücklicherweise war noch ein Kalb krank geworden. Wir mussten es mit Kamillentee pflegen. Eigentlich wollte ich noch sticken, doch ich war so müde, dass ich im Wohnzimmer auf dem Sofa einschlief.”




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