L A N D S C H A F T S V E R B A N D     S T A D E :   S C H R I F T E N R E I H E



330 Jahre Verdener Geschichte in einem Buch

Das „Urkundenbuch des Stiftes St. Andreas zu Verden“ ist erschienen

In den Schriftenreihen des Landschaftsverbandes Stade und der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen ist das „Urkundenbuch des Stiftes St. Andreas zu Verden“ erschienen, das von Dr. Walter Jarecki erarbeitet worden ist. Es enthält die Texte aller Urkunden und schriftlichen Dokumente über das Verdener Andreasstift von der Gründung des Stiftes durch den Verdener Bischof Iso von Wölpe (1220) bis zum Tod von (Erz-) Bischof Christoph von Braunschweig-Wolfenbüttel (1558), der ein halbes Jahrhundert lang den Verdener und den Bremer Bischofsstuhl in Personalunion inne­gehabt hatte. Das neue Buch deckt somit einen Zeitraum von mehr als 330 Jahren ab. Für die mittelalterliche Geschichte Verdens und des Elbe-Weser-Raumes ist das Andreasstift von besonderer Rele­vanz, denn mit seiner Gründung festigte Bischof Iso seine Landes­herrschaft im Hochstift und seine geistliche Stellung in der Diözese Verden. Zudem festigte er damit auch seine Stellung in der Stadt Verden selbst.

Das Verdener St. Andreasstift war keine ungewöhnlich reiche Stiftung, aber es war von großer Bedeutung für die kirchliche und die weltliche Herrschaft der Verdener Bischöfe. Sie besetzten die zwölf Kanonikerstellen dieses Stifts mit Angehörigen des ländlichen Adels, aber auch mit Verdener Stadtbürgern und konnten so sehr viel leichter Personal- und Territorialpolitik gemäß ihren Interessen betreiben. Dem St. Andreasstift unterstanden vier Pfarrkirchen im Alten Land (Borstel, Estebrügge, Jork, Mittelnkirchen), im 16. Jahrhundert auch die Pfarre in Sittensen, der Stiftspropst war zugleich Archidiakon in Hollenstedt, und schließlich bezog das Stift Einkünfte aus der Lüneburger Saline. Seine Wirkung reichte daher weit über Verden und dessen unmittelbares Umfeld hinaus, und so hatte es als geistliches Institut auch eine strategische Funktion sowohl für die Integration des Verdener Kirchenstaates als auch für dessen Behauptung gegenüber den benachbarten Landesherr-schaften, ins­besondere gegenüber dem weit größeren Erzstift Bremen. Auch in der Reformationsepoche des 16. Jahrhunderts war das St. Andreas­stift unter wechselnden Konstellationen „eine Stütze für den Bi­schof“ (so Walter Jarecki), zunächst in der Abwehr der luthe­rischen Lehre unter Bischof Christoph, später aber in der Einführung und im Vollzug der Reformation durch Bischof Eberhard von Holle ab 1567. Die 1648 als Ergebnis des 30jährigen Krieges installierte schwedi­sche Landesherrschaft über die nun zu Herzogtümern säkularisier­ten vormaligen geistlichen Fürstentümer Bremen und Ver­den hob das St. Andreasstift 1651 auf. Die eindrucksvolle Messing­grabplatte Isos in der Verdener Andreaskirche aber blieb erhalten und erinnert noch heute an das von diesem Bischof gegründete geistliche Insti­tut, das mehr als drei Jahrhunderte lang von großer Bedeutung für die Verdener Geschichte war.

Urkundenbuch des Stiftes St. Andreas zu Verden, bearbeitet von Walter Jarecki, Wallstein-Verlag 2016 (Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden Band 46 / Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nie­dersachsen und Bremen 285). 438 Seiten, 22 Abbildungen. 39,90 Euro, erhältlich im Buchhandel, ISBN 978-3-8353-1854-0.




NÄHERES:  Landschaftsverband Stade, Im Johanniskloster, 21682 Stade, Telefon (04141)46300, Fax: (04141)47163, ( www.landschaftsverband-stade.de ),
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