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Drucker, Korbflechter und Hutmacher
Die museumspädagogische Woche des Landschaftsverbandes vermittelte im Jahr 2012 alte Handwerkstechniken im Handwerksmuseum Bad Bederkesa

 

Die 17. museumspädagogische Woche des Landschaftsverbandes fand im Handwerksmuseum in Bad Bederkesa statt. Ziel dieser jährlichen Wochen ist es, den normalerweise als „Einzelkämpfern“ arbeitenden Museumspädagogen aus dem Elbe-Weser-Dreieck die Gelegenheit zur Zusammenarbeit und zur Entwicklung neuer Ideen zu geben. Auch sollen Museen neue Ansätze zur Museumspädagogik in ihrem Hause vermittelt werden. Nicht zuletzt sollen Schüler lernen, dass Museum Spaß machen kann.

Das Museum des Handwerks in Bederkesa wurde vor mehr als zwanzig Jahren von der Kreishandwerkerschaft Bremerhaven-Wesermünde gegründet und wird noch immer von ihr betrieben. Es zeigt in seiner Dauerausstellung vierzehn verschiedene Handwerke und Berufe. Aus diesem umfangreichen Angebot an Berufen suchten wir uns, entsprechend unserer diesjährigen Personalstärke, vier Stationen aus: Drucken, aufgeteilt in Hoch- und Tiefdruck, Hutmacher, Schneider und Korbflechter. Eine Station „Dokumentation“ ist immer dabei.

 

Eine Schule und begeisterte Kinder fanden wir in der Oberschule an der Mühle und in der 6. Klasse von Frau Wierwille. Mit diesen ca. 30 Schülerinnen und Schülern wollten wir eine Woche lang „arbeiten“. Dabei blieben die Schüler die ganze Woche lang an einer Station, es gab damit genug Zeit, ihnen verschiedene Aspekte der entsprechenden Berufe darzustellen. Jeden Tag erhielt eine der vier Gruppen zudem vom Museumsleiter, Herrn Holzer, eine halbstündige Führung durch das Handwerksmuseum.

Korbflechten im Museum

In der professionellen Korbflechterei gibt es strenge Grenzen zwischen Menschen, die mit dem Material Weide arbeiten und solchen, die Peddigrohr einsetzen. Für unsere museumspädagogische Woche aber nahmen wir es nicht so genau mit den eingesetzten Materialien. Wichtig war uns, daß die Schüler die Bewegungsabläufe erfahren und verstehen konnten und daß sie, wenn sie eines Tages Weidenkörbe oder auch Gegenstände aus Peddigrohr sehen würden, sich daran erinnerten, dass sie so etwas damals im Museum in Bederkesa schon einmal selbst hergestellt hatten. Wir begannen damit, mit Peddigrohr einen runden „Untersetzer“ herzustellen. Der Anfang ist immer das Schwierigste, das merkten die Kinder auch ziemlich schnell. Aber mit Geduld und gelegentlichem „Eingreifen“ der Stationsleiter stellte sich bald eine Art Routine ein. Stellenweise hatte diese Station sogar etwas Meditatives. In dieser konzentrierten Atmosphäre konnten den Kindern dann während des Flechtens Geschichten über die dreijährige Ausbildung der Korbmacher, über die Geschichte der Korbmacherei, die weit bis in die Steinzeit zurückreicht, und über ihren Niedergang bei Einführung von Plastikkörben und der Abschaffung von Stückgut in der Schifffahrt zu berichten. Erstaunlich für uns als Teamer war der zweite Morgen: die Kinder kamen voller Elan an die Station, warfen ihre Taschen in die Ecke und begannen ohne weitere Erläuterungen oder Aufforderungen, Wasser zu holen und dann ihre Arbeit vom Vortag weiter aufzunehmen, gerade so als wären sie wirklich Lehrlinge in einer Korbmacherwerkstatt. An diesem zweiten Tag wurde die Aufgabe, die es zu bewältigen galt, schwieriger: Es sollte ein kleiner Korb aus verschieden farbigem Peddigrohr hergestellt werden. Auch diese Aufgabe erledigten die Kinder mit Bravour, so daß sie am dritten Tag mit echter Weide arbeiten konnten. Die Verwendung von Weide beim Korbflechten unterscheidet sich vom Peddigrohr besonders dadurch, daß ständig neue Weidenzweige „angestückelt“ werden müssen. Am Ende jedenfalls, am Freitag, konnte jeder der neu angelernten „Korbmacher“ voller Stolz vier Produkte vorweisen, die er oder sie in der Woche hergestellt hatten.

Korbflechten erfordert auch Konzentraition

Genauso beeindruckend ging es in der Druckerei zu: An der Station von Jean-Loup Ringot lernten die Schüler den Tiefdruck mit einfachsten Mitteln: Sie ritzten zuerst Bilder in CDs. Die CDs beschichteten sie dann mit Druckerfarbe und wischten diese von der Oberfläche wieder ab, so daß sich nur noch Farbe in den eingeritzten Vertiefungen befand. Diese Bilder druckten sie dann in einer Handpresse auf Papier. Schon bei der Arbeit mit den CDs zeigten sich die ersten Künstler. Am zweiten Tag wurde dann in Kupferblech geritzt, eine Methode, wie sie wirklich in der Druckerei angewandt wurde. Auch hier waren die Ergebnisse verblüffend professionell. Diese Station dauerte zwei Tage, dann wechselten die Schüler den Platz mit der Hochdruckstation von Hans-Georg Ehlers, dem stellvertretenden Direktor des Schwedenspeicher-Museums in Stade und zugleich dem Leiter der dortigen museumspädagogischen Abteilung.

Druckspatzen?
Druckspatzen?

 

Drucker1An dessen Station „Hochdruck“ lernten die Kinder, mit scharfen Klingen Bilder in Linolplatten zu schnitzen, tunlichst ohne sich zu verletzen. Sie mußten auch das spiegelverkehrte Einsetzen von Bleibuchstaben in den Druckstock lernen. Ein kleiner Handspiegel erwies sich dabei als sehr hilfreich. Am Freitag wurden der Linolschnitt und die gesetzten Adressen zusammengeführt: Eingespannt von Fachleuten aus dem Museum entstanden in der großen, schwarzen Druckmaschine des Museums unter lautem Getöse die von den Schülern selbst erstellten Visitenkarten. Die Jungen und Mädchen, die sich für diese Werkstatt entschieden hatten, konnte man immer gut an ihren schwarzen Fingern erkennen.

 

 

 

Linoldruck1

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Am ‚saubersten‘ waren dagegen die Filzhuthersteller. Karla Lütjen, museumspädagogische Leiterin der Museumsanlage Osterholz-Scharmbeck, zeigte den Kindern, wie man mit viel Seifenlauge und farbiger Wolle unter Zuhilfenahme von Plastikfolie Hüte in jeder Form und Farbgebung herstellen kann. Und das wurde auch getan: nachdem anfänglich eher biedere Modelle in Angriff genommen worden waren, zeigte sich im Verlauf immer mehr Fantasie in den Kreationen. Die täglichen Modenschauen waren immer wieder eine Überraschung. Die Schüler dieser Station konnte man noch nach Abschluss der Aktion in der Innenstadt von Bad Bederkesa wiedererkennen: Die hergestellten Hüte fielen auf und wurden auch von den Passanten interessiert beachtet. Aber was wären Hüte ohne Verzierung? Hutbänder weben, Schnüre flechten, häkeln und knüpfen, Troddel wickeln, gehäkelte Schnüre filzen, als diese Fertigkeiten lernten die Schülerinnen und Schüler bei Birgit Weiden, Leiterin des Handwerkermuseums Sittensen. An an dieser Station waren Jungen zu sehen, die hochkonzentriert versuchten, Bänder zu häkeln. Auch dies war sicher für Beobachter wie für die Protagonisten eine Erfahrung, die noch lange im Gedächtnis haften wird. Erstaunlich war, daß diese Handarbeiten nahezu bei keinem Schüler, bei keiner Schülerin parat waren und daß sozusagen alle ‚bei null‘ anfangen mußten. Dennoch bekamen die Hüte an dieser Station ihren letzten Schliff durch Bänder und andere Applikationen.

Filzhuete

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Am besten von allen Gruppen hatten es aber die drei Schüler der Dokumentationsgruppe: Sie sollten Stellwände zu den einzelnen Stationen herstellen, mit denen am Freitag, dem Präsentationstag, den Besuchern das geschildert werden sollte, was an diesen Stationen im Verlauf der Woche geschehen war. Dazu sollten sie Interviews führen, Fotos machen, sie konnten auch an einzelnen Stationen mitmachen, einziges Ziel war die Herstellung einer aussagekräftigen Stellwand. Auch diese Aufgabe wurde mit Bravour erfüllt.

Der Freitag war „Präsentationstag“, an dem die Mitschüler, Eltern, Freunde und Bekannten nachmittags eingeladen waren, sich von den Schülern im Museum zeigen zu lassen, was sie gelernt hatten. Das Museum organisierte einen Schmied, der auf dem Hof Eisennägel schmiedete, der Vorsitzende zeigte den Besuchern, wie man farbige Muster auf Tapeten spachteln kann, Claudia Reuter, eine professionelle Weidenkünstlerin zeigte ihre Kunst, die Museumscrew verkaufte Kaffee und Kuchen und die Besucher konnten an allen Stationen etwas herstellen, was sie auch hinterher mit nachhause nehmen konnten. Dieses Abschlußfest war das Tüpfelchen auf dem i der diesjährigen museumspädagogischen Woche des Landschaftsverbandes. Es zeigte, daß die Kinder gern wiedergekommen waren, daß auch ihre Eltern interessiert waren, etwas aus Filz herzustellen oder einen kleinen Korb zu flechten. Selbst die Museumscrew war überrascht von dem bunten Treiben in ihrem Haus. Alle hatten Spaß, alle haben etwas gelernt, das Museum hat die Besucher von morgen kennen gelernt. Einige der für diese Veranstaltung geplanten museumspädagogischen Stationen sollen im Schwedenspeicher-Museum in Stade wie auch in der Museumsanlage Osterholz-Scharmbeck weitergeführt werden.

Filzapplikationen