L A N D S C H A F T S V E R B A N D     S T A D E :   F A L T B L A T T     4 1


Landschaftsverband Stade: Hier folgen Text, Bilder und (am Ende) ein Tourenplan des Faltblattes Nr. 41 aus unserer Reihe „Wege in die Kulturlandschaft zwischen Elbe und Weser“:

MARITIME DENKMÄLER AN DER ELBMÜNDUNG UND MEHR



Cuxhavens exponierte Lage an der Mündung der Elbe verband die Stadt und die vorher hier lebenden Menschen seit frühesten Anfängen mit der See. Weit spannt sich der Bogen von den ersten Fischern, die nach der Aussage des römischen Schriftstellers und Germanien-Reisenden Plinius um die Zeitenwende „in elenden Hütten lebten, errichtet auf Erdhügeln, aufgeworfen nach Maßgabe der höchsten Flut und mit dem ablaufenden Wasser den Fischen nachjagten.“
Sächsische England-Auswanderer, Wikingereinfälle, die mächtige Hanse, Übersee-Großsegler, Dampfschiffe, Fahrwassersicherung, Deichbau, Hochseefischerei und mehr hinterließen ihre Spuren. Viele sind verweht. Sie sind zur Spurensuche eingeladen, beginnend an der Seefahrtsschule, entlang des Wassers bis zum Steubenhöft. Entdecken Sie die Zeugnisse menschlichen Wirkens an der hier fast 20 km breiten Elbe.
1. Sie stehen auf dem Deich gegenüber dem Fährhafen. Linker Hand erstreckt sich die Grimmershörnbucht bis zur Kugelbake. Der Name Grimmershörn geht auf den Bauern Grimmer zurück, der auf der hornartig vorspringenden Landzunge sein Vieh weidete. Das friedliche Aussehen von Deich und Vorland läßt die dramatisch ablaufende Entwicklung kaum ahnen. Durch die Verdriftung der Elbe nach Norden wuchs hier bis um 1600 fast 3 km Vorland an. Der Ritzebütteler Amtmann Schafshausen sorgte 1618 für die Eindeichung.


Grimmershörnburcht mit Kugelbake im Hintergrund.

Der Strom verdriftete aber bereits nach Süden. In rund 100 Jahren ging das Land stückweise wieder verloren, z. T. bei Sturmfluten. Ab 1720 begannen steinerne Stackbauten. Der neue Deich verband die Hauptbollwerke Alte Liebe und Kugelbake. Ein letzter sichelförmiger Einbruch ergab 1744 die heutige Deichlinie. Die Kugelbake ergänzte ab etwa 1700 die Roßbake am Hafen. Sie kennzeichnet die Mündung der über 1100 km langen Elbe und ziert unser Stadtwappen.
Im Fährhafen vor Ihnen liegt der Seenotrettungskreuzer „Herrmann Helms“, rund um die Uhr einsatzbereit. Bereits 1862 existierte in Cuxhaven eine Rettungsstation, seit 1865 die „Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“.
Die sich hinter Ihrem Rücken befindliche Seefahrtschule, bestand schon um 1800 als Privatinstitut. Nautiker waren damals Mangelware, die Ausbildung teuer.
Der Weg führt uns nun weiter auf dem Deich in Richtung Hafen.
2. Bald sehen Sie auf der rechten Seite einen langgestreckten Holzbau, die sogenannte „Bretterkaserne“. 1893 zog hier die erste Garnison der Marine-Artillerie ein. Bis 1918 genutzt, diente sie dann als Wohnraum für sozial Schwache. Ab 1945 fanden hier Ostvertriebene eine Bleibe. Kleine und große Wetternkaserne dahinter entstanden. 10 Jahre später, das imposante Stabsgebäude linker Hand 1911. Der Marinestützpunkt Cuxhaven wurde 1991 aufgelöst. Das Ensemble steht unter Denkmalschutz.
An der nächsten Treppe verlassen Sie den Deich und gehen zum Wasser.
3. Auf der Rasenfläche der jetzt aufgespülten Bucht begann einst das Cuxhavener Badeleben. Wo heute das Hotel „Seepavillon“ steht, gründete Amtmann Abendroth 1816 das Seebad Cuxhaven.
Wenden Sie sich hinter dem Seepavillon zum Leuchtturm, von da links zur „Alten Liebe“.


Badehaus um 1820.
4. Der zylindrische Backstein-Leuchtturm ist der älteste an der deutschen Nordseeküste. Er ersetzte die Roßbake und einen Leuchtenpfahl. Eine neuartige Argandsche Lampe englischer Bauart sorgte für Sichtweiten bis 30 km. Dafür mußte der Wärter gegen das Verrußen und Beschlagen ständig Scheiben putzen und heizen. Stets auf dem neuesten Stand der Technik gehalten, dient er heute als Quermarke beim Kurswechsel. 104 Stufen führen auf 23 m Höhe, 5 m Durchmesser hat die achtzehneckige Laterne. Nach Rüböl und Petroleum brannte ab 1903 Gas und ab 1913 elektrisches Licht.
Auf dem Weg zur Alten Liebe befindet sich linker Hand das Minensucher-Ehrenmal von 1935, das Cuxhavens lange Tradition als Minensucherhafen ab 1905 – 1968 dokumentiert.
Wenige Schritte weiter ragt das Semaphor (Zeichenträger) auf und dokumentiert frühere Nachrichtentechnik. 1884 gebaut, erforderten Sturmschäden 1904 den Neubau. Die Zeichen „B“ und „H“ stehen für Borkum und Helgoland, jeder Arm bedeutet 2 Windstärken, die Pfeile zeigen die Windrichtung.
Sie erreichen nun Cuxhavens symbolträchtiges Bollwerk, die „Alte Liebe“. Seit Baubeginn nach 1720, dient es der Sicherung der Küste und der Hafeneinfahrt. Die Basis bilden unter Wasser drei versenkte Schiffswracks, von denen das größte „Liebe“, „Olive“ oder Olivia“ geheißen haben soll. Eine Verballhornung über „Ole Leev“ führte wohl zum heutigen Namen.
Folgen Sie nun dem Alten Hafen landeinwärts.
Mit Hafenbauversuchen taucht um 1570 erstmalig der Name Kuckshaven ungeklärter Herkuntt auf. Er war Nothafen, Lotsen- und Bergungsstation. Seit dem 17. Jahrhundert gibt es Rettungsanweisungen für gestrandete Schiffe.


Cuxhavener Leuchtturm von 1803. Im Hintergrund das Semaphor, das Minensucherehrenmal und die Alte Liebe.

Zunächst betrieben die Werften das Rettungsgeschäft. Dampfschlepper ab 1850 ließen spezielle Bergungsunternehmen wie die Bugsierreederei im Klinkerbau von 1923/24 rechts entstehen.
Parallel zur Straße „Am Alten Hafen“ wandern Sie auf dem Deich weiter bis auf die Slippenbrücke.
5. Ein Slippen ist ein Deichdurchlaß, der bei Hochwasser geschlossen wird. Die Klappbrücke löste eine Drehbrücke ab und verbindet Alt-Cuxhaven mit der früheren Ostseite und dem Alten Fischereihafen.


Feuerschiff „Elbe 1“

Im Hafenbecken vor der Marina, einer modernen Wohnbebauung am Wasser, sehen Sie das legendäre ehemalige Feuerschiff „Elbe 1“. Dieses letzte bemannte Feuerschiff der Elbmündung, mit dem Namen „Bürgermeister O’Swald“ lag von 1948 bis 1988 auf der Position „Elbe 1“. Das anerkannte, fahrbereite Baudenkmal ist jetzt Museum. Feuerschiffe gehörten wie auch Bojen und Tonnen zu den schwimmenden Seezeichen und hatten die Aufgabe, die Seefahrer vor Untiefen und Gefahren im Fahrwasser zu warnen. Oft waren Feuerschiffe auch die letzte Rettung für Schiffbrüchige.
Die auf dem Deich befindliche Mauer wurde als Deicherhöhung nach der Februarflut 1962 aufgesetzt. Auf breiter Front lief damals das Wasser über den Deich. Jenseits des Deiches und der Fluttore blicken Sie auf den ältesten Teil Alt-Cuxhavens.
Wenden Sie sich nun zurück und passieren die Klappbrücke. Biegen Sie vor der Eimerkette des abgewrackten Baggers „Ritzebüttel“ durch das Fluttor links ein.
6. Hier am Brunsbüttelhöft finden Sie einen der beiden weltgrößten, 6 t schweren Stockanker. Rundum begann einstmals die Cuxhavener Hochseefischerei. Nach unbedeutenden Verkäufen von Elbheringen ab etwa 1800 gelang erst 1908 nach einigen Anläufen die Gründung des Fischmarktes. Der Fischereihafen lag auf dem Gebiet der damaligen Spülschleuse und des Quarantänehafens. Bei der Verlängerung nach Süden 1922 verschwand der Quarantänefriedhof. Überwiegend ruhten dort Cholera-Opfer. Von den Seucheschiffen durfte niemand an Land.
7. Vom Hafenende gönnen Sie sich einen Abstecher zur Konrad-Adenauer-Allee. An der Ecke finden Sie ein grünes Hafeneinfahrtsfeuer, eine Schiffsschraube und einen Duckdalben, benannt nach dem spanischen Duc (Herzog) Alba, der diese Anleger erfunden haben soll.

Jenseits der Straße am Schleusenpriel befindet sich, eingebettet in „Rasen-Wellen“ der letzte hölzerne Hamburger Gaffelschoner „Hermine“. Unter verschiedenen Eignern, Namen und Flaggen war er von 1904 bis in die vierziger Jahre als Frachtschiff in Fahrt.


Gaffelschoner „Hermine“

8. Zurück zum Hafen, folgen Sie dem Dugekai, benannt noch dem 1 . Fischereiinspektor Cuxhavens. Vor den zwischen 1910 und 1922 gebauten Fischhollen III bis VI benutzen Sie den Weg am Wasser bis zum Hallendurchgang zur Präsident-Herwig-Stroße.

Die Hallen stehen unter Denkmalschutz, an der Wasserseite wurde der Fisch versteigert, an der Straßenseite verarbeitet und verpackt. 1991 brannte ein Teil ab.


Fischhallen III bis VI

Schwenken Sie cm Hallendurchgang links ein und überqueren Sie am Ende der Straße die Schleuse des tideunabhängigen Neuen Fischereihafens.

9. Vor Ihnen liegen nun die HAPAG-Hallen. Als die großen Passagierdampfer der „Hamburg-Amerikanischen-Packetfahrt Actiengesellschaft“ unter Ballin wegen ihres Tiefganges Hamburg nicht erreichten, kam der Bau eines tiefen Hafens in Cuxhaven voran. Ab 1889 fertigte man Überseeschiffe auf der Cuxhavener Reede ab. 1902 wurde der Backsteinbau im Stil der Zeit fertig. Aus den großen Hallen durch den langen Gang zum Steubenhöft verließen Reisende und unzählige Auswanderer über den „Bahnhof der Tränen“ die Heimat. Das von Historikern als einmalig geschützte, in seiner ursprünglichen Einheit erhaltene Ensemble steht unter Denkmalschutz.


Die Hapag-Hallen, erbaut 1902

10. Steigen Sie nun auf die Aussichtsgalerie im 2. Stock des Steubenhöftes (nach Friedrich Wilhelm von Steuben, 1730-1794, amerikanischer General deutscher Herkunft). Im Treppenhaus erwarten Sie Bilder aus der Geschichte der Cuxhavener Passagierschiffahrt von der berühmten „lmperator“-Klasse bis zur „Hanseatic“. Von oben haben Sie einen umfassenden Überblick über den Amerikahafen und die Anlagen Humberkai und Europakai. Auf diesem Areal lag der Minensucherhafen. 1897 eröffnete der Schnelldampfer „Fürst Bismarck“ den Betrieb am Lentzkai. Ein Unfall durch Orkan gab 1903 schließlich den Ausschlag zum Bau des Anlegers am Strom. 1910 legte die „Auguste Viktoria“ am Steubenhöft an.

Damit ist der maritime Spaziergang beendet.

Auf dem Spaziergang nicht erreichbare, aber lohnenswerte Ziele sind außerdem:



1 . Das Stadtmuseum, Südersteinstr. 38,

2. Das Fort Kugelbake, Tel.: 0 47 21/4 08-1 88

3. Der Leuchtturm „Dicke Berta", Tel.: 0 47 22/7 58

4. Das Wrackmuseum, Stickenbüttel, Dorfstr. 80

5. Das U-Boot-Archiv, Tel.: 0 47 22/3 22



Gerhard Wurche




1 - Fährhafen
2 - Grimmershörn Kaserne
3 - Seglerhafen
4 - Alte Liebe
5 - Slippenbrücke

SEITENANFANG

6 - Brunsbüttelhöft
7 - Schleusenpriel
8 - Fischereihafen
9 - Hapag-Hallen
10 - Steubenhöft

SEITE SCHLIESSEN