- 1974 wurden 4 Dörfer
in die Stadt Rotenburg eingemeindet: Borchel, Mulmshorn,
Unterstedt, Waffensen. Die ehemals selbständigen Gemeinden
haben ihre gewachsenen historischen Eigenheiten während der
über 20-jährigen Zugehörigkeit zur Stadt nicht
aufgegeben.
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Wege in
die Dörfer IV: Rotenburg - Waffensen
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Waffensen ist ein altes
Bauerndorf, das seinen bäuerlichen Charakter trotz der
Neubausiedlungen und der Handwerksbetriebe bis heute erhalten
hat. Weitgehend um einen Mittelpunkt gruppiert, bestimmen große
Bauernhöfe mit hofnahen Feldern, mächtige Eichen, aber
auch weite Flächen das Bild des Dorfes. Der Ort strahlt auf
den ersten Blick eine vorindustrielle Behäbigkeit aus, die
jedoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, daß
Waffensen ein lebendiger Ort ist, wie die Erfolge im Wettbewerb
Unser Dorf soll schöner werden zeigen. Der Name
Waffensen wird auf einen Personennamen und die Endung heim
zurückgeführt. Dies deutet auf eine mittelalterliche
Gruppensiedlung hin, die auch durch siedlungsgeographische und
historische Forschung bestätigt worden ist. Die erste
Erwähnung des Dorfes wird auf das Jahr 1320 datiert. Das
alte Dorf und sein heutiger Kern liegen in einer Talsenke, die
von einem in der Gemarkung Bötersen entspringenden Bach
durchflossen wird bzw. wurde. Die Lage des Ortes erlaubte den
ersten Bewohnern den direkten Zugang zu dem lebensnotwendigen
Wasser und den Rückzug auf die Höhe, wenn dieses
lebensbedrohend werden sollte. Die Geest in der Gemarkung
Waffensen reicht bis auf 40 Meter, das heutige Dorf liegt auf
einer Höhe von durchschnittlich 20 Metern.
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1
Die Fahrt nach Waffensen können Sie gut am Rathaus in
Rotenburg beginnen. Von dort fahren Sie in die Ahe, entweder an
der Wümme entlang oder direkt auf der Straße in
der Ahe. Waffensen erreichen Sie auf der Straße Zur
Ahe. Links von der Straße liegt ein Neubaugebiet, wie
es für alle Bauerndörfer typisch ist. Mit einem kleinen
Schwenk durch die Straßen Auf den Spitzen - zum
Glockenturm können Sie es sich näher ansehen.
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Den Kern des Ortes erreichen
Sie am Ende der Straße bei dem Kreisverkehr. Hier sollten
Sie anhalten, um sich den Platz mit seiner Tafel zur Geschichte
des Ortes und die umliegenden Bauernhäuser anzusehen. Sie
liegen zum Teil versteckt hinter engen, baumumkränzten
Zufahrtswegen.
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 Der
Kern des Ortes (Kreisverkehr). -
2
Die Häuser spiegeln die unterschiedlichen
Epochen der Bebauung wider. Einige Bauernhäuser sind im
Fachwerkstil mit Ausfachung aus Flechtwerk und Lehm gebaut, bei
manchen ist die Ausfachung aus Stein, und manche sind nur aus
Stein, ohne Fachwerk.
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 Mit
Stein ausgefachtes Bauernhaus (19. Jh.). -
3
Vom Ortszentrum können Sie auch ein mehrstöckiges Haus
sehen, das auch Fachwerk enthält. Die unterschiedliche
Bauweise verweist auf verschiedene Zimmerleute und verschiedene
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 Bauernhaus
mit eingesetztem Vorbau und Fachwerk als Zierelement (Anf. 20.
Jh.). -
Entstehungszeiten. Typisch
für die Entwicklung der Dörfer sind auch die in den
Nachkriegsjahren , zwischen 1950 und 1955, errichteten
Nebenerwerbsbetriebe. Die Neusiedler sollten einen Teil ihres
Lebensunterhalts durch bäuerlichen Nebenerwerb erarbeiten
und nicht vollständig auf abhängige Arbeit angewiesen
sein. Die Nebenerwerbsbetriebe erkennen Sie daran, daß
neben den Wohnhäusern kleinere Gebäude stehen. Sie
dienten früher als Ställe und sind heute meistens zu
Garagen umgebaut. Sie sollten sich anschließend nach rechts
wenden und die Straße Waffensener Dorfstraße
in Richtung Bundesstraße fahren. Am Ende der Bebauung, kurz
vor der Bundesstraße, steht neben der Straße der
Findling, der an die Erfolge des Ortes im Wettbewerb Unser
Dorf soll schöner werden erinnert.
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Von diesem Punkt aus fahren Sie
die Straße wieder zurück. Linkerhand werden Sie auf
einen Malerbetrieb stoßen. Der ehemalige Betreiber
Friedrich Leefers sen. Hat ein kleines, aber den Besuch lohnendes
Malermuseum eingerichtet. Sie können es nach einer
Voranmeldung besichtigen.
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4
Von der Waffensener Dorfstraße fahren Sie in
die Straße Hinter den Höfen bis zur Straße
unter den Eichen. Sie umfahren auf dieser Route einen
Teil des Dorfes. Damit haben Sie einen rückseitigen Blick
auf den Ort und erfahren den bäuerlichen Charakter des
Dorfes. Zugleich sehen Sie, wie der Kern des Ortes leicht
ansteigend aus der Marsch sich hervorhebt. Am Ende dieses
Abschnitts steht eines jener modernen Gebäude, die die
Weiterentwicklung des Dorfes zu Wohnsiedlungen andeuten. Wenn
auch noch knapp zehn bäuerliche Betriebe existieren, die,
wie auch in den anderen Dörfern, die Selbstvermarktung ihrer
Produkte betreiben, so ist doch abzusehen, daß zunehmend
Wohnhäuser in Dörfern entstehen.
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 Wohnhaus
der 90er Jahre im Friesenstil.
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5
Auf der Straße Unter den Eichen finden Sie
rechts ein Bauernhaus vom Ende des 19. Jahrhunderts. Auf diesem
Hof befindet sich eine Deckstation. Die Grundstruktur eines
niedersächsischen Bauernhauses blieb erhalten, es wurde aber
ganz zeitgemäß - damals modern - nicht mehr als
Fachwerk gebaut. An dieser Entwicklung zeigt sich die
Lebendigkeit eines Ortes.
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Von der Straße Unter
den Eichen fahren Sie in die Straße Am
Bullenberg. Beachten Sie den großen Sportplatz, der
den Kindern zur Verfügung steht.
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 Deckstation -
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Fahren Sie weiter auf dieser
Straße und besuchen Sie einen typischen dorffriedhof.
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Von diesem Ort fahren Sie
zurück auf der Straße Unter den Eichen.
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Hier im Ort finden Sie eine von mehreren Streuobstwiesen.
Streuobstwiesen sind mit Obstbäumen bepflanzt und dienen als
Weide für Kühe und Schweine. Sie wurden in der Regel
nahe beim Bauernhof angelegt. Sie stellen ein Kulturdenkmal dar -
sind Relikt einer traditionellen Landwirtschaft.
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Gegenüber dieser Wiese
steht das alte Feuerwehrgebäude mit seinem Schlauchturm.
Freiwillige Feuerwehren sind bis heute ein wesentlicher
Bestandteil des gesellschaftlichen und geselligen Lebens im Dorf.
Sie verbinden die Hilfe für die Dorfgemeinschaft mit dem
Zusammengehörigkeitsgefühlt der Menschen.
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Ein kleines
kulturgeschichtliches Kuriosum finden Sie bei dem Platz neben dem
Feuerwehrhaus: ein Denkmal für die Gefallenen aus den
Kriegen 1866 und 1870/71, errichtet im Jahre 1902.
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1866 köpften die
Hannoveraner zusammen mit den Österreichern gegen die
Preußen und verloren den Krieg und ihre Selbständigkeit.
Dies konnten die Hannoveraner - die Welfen - den Preußen
nicht verzeihen. 1871 kämpften alle deutschen Staaten gegen
Frankreich.
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 Streuobstwiese -
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Am Ende stand die Gründung
des deutschen Kaiserreiches. Das Denkmal kann nun entweder als
ein Dokument welfischer Unabhängigkeit oder als Zeichen des
Einverständnisses mit dem deutschen Kaiserreich unter
Wilhelm II. Aufgefaßt werden. So oder so dokumentiert das
Denkmal die Schwierigkeiten der Deutschen bei der Errichtung
eines Nationalstaates.
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Fahren Sie weiter auf den
Straßen Unter den Eichen, Zum
Glockenturm.
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Sie werden auf engem Raum eine
lebendige bäuerliche Kultur erleben. Den ursprünglichen
Charakter von Waffensen als Haufendorf können Sie hier am
besten erkennen. An der Kreuzung Glockenturm/Ackerweg
steht ein schönes, durch Feuer teilweise zerstörtes
Bauernhaus. In diesem befand sich früher die Dorfschule. Sie
wurde von den Bauern des dorfes selbständig aufgebaut, und
ihre Initialen sind auf dem Balken über der großen Tür
eingeschnitzt.
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Von der alten Schule nehmen Sie die Straßen Zum
Glockenturm, Kienmoor und Zur Ahe.
So erreichen Sie wieder den Kreisverkehr. Von diesem Punkt aus
treten Sie die Rückfahrt an.
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Für diese können Sie
einen anderen Weg wählen. Auf den Straße Zum
Kesselhof - Kesselhofskamp und am Everinghausen-Scheeßeler
Kanal entlang erreichen Sie die Bremer Straße.
Diese Route ist etwas anstrengender als der Weg durch die Ahe. Es
geht bergauf, und schattenspendende Bäume fehlen. Wenn Sie
wieder in Rotenburg sind, haben Sie knapp 20 km zurückgelegt.
Mit einer Besichtigung und Pausen ist die Fahrt in 4 Stunden gut
zu bewältigen. Falls Sie weitere Informationen wünschen,
wenden Sie sich bitte an das Stadtarchiv Rotenburg (Telefon:
04261/71149).
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Dr. Dietmar Kohlrausch,
Stadtarchiv
 Moderne
WohnsiedlungZur Ahe. |