L A N D S C H A F T S V E R B A N D     S T A D E :   F A L T B L A T T    3 3


Landschaftsverband Stade: Hier folgt der Text des augenblicklich vergriffenen Faltblattes Nr. 33 aus unserer Reihe „Wege in die Kulturlandschaft zwischen Elbe und Weser“:

Der Landkreis Verden lädt Sie ganz herzlich zu einer Reise in die Vergangenheit durch eine reizvolle Landschaft ein. Sie können sie mit dem Fahrrad oder auch mit dem Auto unternehmen, oder Sie nutzen die vom Landkreis Verden angebotenen Busreisen, auf die rechtzeitig in den Tageszeitungen aufmerksam gemacht wird. Wollen Sie das eine oder andere Baudenkmal von innen sehen, so rufen Sie den Landkreis Verden als „Untere Denkmalschutzbehörde“ (Tel. 04231/15330) an.

Die Schwedenschanze bei Klein Hutbergen

1 Die Allermündung bei Klein Hutbergen wurde kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) von den Schweden mit einer sternförmigen Schanze befestigt. Der Grundriß des fünfeckigen Sterns ist noch gut in der Wiese zu erkennen.

Das Hellweger Moor

2 Das ehemalige Hochmoor im Raum Posthausen - Hellweger Moor füllt eine eiszeitliche Schmelzwasserrinne aus. Seine planmäßige Kultivierung begann im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts durch den Moorkolonisator Jürgen Christian Findorff. !790 wurden vom Staat 1800 Hektar Moor erworben und 10 Dörfer mit 131 Anbauerstellen errichtet. Die Siedler waren meist Bauernsöhne und Häuslinge aus der Umgebung. Sie lebten anfangs vom Torfstich und von der Schaf- und Bienenzucht. Der Torf wurde mit Kähnen nach Bremen transportiert und dort als Brennmaterial verkauft, aber auch an die Marschendörfer und Ziegeleien geliefert. An beidseitig von Birken gesäumten Straßen reihten sich die Häuser mit Nebengebäuden in ca. 200 m Abstand kilometerlang auf. Besonders gut erhalten sind diese alten Strukturen in Allerdorf, Hitzendorf und Stellenfelde.

Amtshof Ottersberg

3 In strategisch günstiger Lage in der sumpfigen, von zahlreichen Flußarmen durchzogenen Wümme-Niederung erheben Schanze und Amtshof von Ottersberg. Von der sternförmigen Schanze sind noch eine Teil der Wallanlage und drei Seiten der Graft vorhanden. Von den ursprünglichen Gebäuden im Inneren steht nur noch der Amtshof. Er erhielt seine heutige Gestalt im Jahr 1585. Die Jahreszahl 1619 über dem Reaissance-Protal weist darauf hin, daß auch später noch kleinere Bauarbeiten vorgenommen wurden. Die Anlage ist eines der eltzten Baudenkmale von etwa 20 Grenzburgen, die das Erzstift Bremen umgaben. Seit 1963 ist der Amtshof im Besitz der Rudolf-Steiner-Schule.

Amtshof Ottersberg
Fischerhude

4 - Das „Inseldorf“ Fischerhude, auch bekannt als „Dorf der Bauern und Künstler“, liegt auf einem langen Dünenzug zwischen den Wümme-Armen. Angezogen vom besonderen Reiz des Bauern- und Fischerortes ließen sich hier von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart zahlreiche Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Musiker und Kunsthandwerker nieder. Die Ortschaft hat ihren ländlichen, urwüchsigen Charakter bewahrt. Kopfsteingeplasterte Straßen führen an historischen Bauernhäusern unter hohen Eichen vorbei. Einen eindrucksvollen Einblick in die Lebensverhältnisse unserer Vorfahren vermittelt das Heimathaus Irmintraut, ein ca. 400 Jahre altes niederdeutsches Hallenhaus.

Fischerhude
Stadt Achim mit historischer Windmühle

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Achim hat sich aus einer bäuerlichen Gemeinde am historischen Handelsweg zwischen Bremen und Hannover zu einer Stadt mit modernem städtebaulichem Charme entwickelt. Bei einem Spaziergang durch das Bauernviertel mit seinen imposanten Hofanlagen ist der Ursprung der Stadt auch heute noch ablesbar. „Haus Clüver“, ein saniertes niederdeutsches Hallenhaus aus dem Jahre 1823 und die Galerie-Holländerwindmühle mit Müllerhaus am Weserhang bilden einen historischen Schwerpunkt der Stadt.






Windmühle Achim
Gut Önigstedt

a6 Auf der Strecke zwischen Thedinghausen und Riede liegt, von mächtigen alten Eichen umgeben, das Gut Önigstedt. Nachdem das alte Gutshaus im Dreißigjährigen Krieg abgebrannt war, lag der Gutshof 50 Jahre lang brach. Erst 1702/03 wurde das zweistöckige Herrenhaus erbaut. Das zweite, rechtwinklig daneben stehende Herrenhaus wurde erst 1840 errichtet. Im jahr 1908 stieg der Prinzregent von Braunschweig, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, mit seinem Gefolge hier für zwei Nächte ab.

b6 200 Meter vom Gut entfernt liegt die Önigstedter Motte, eine mittelalterliche Turmhügelburg. Auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel, der Motte, befand sich ein hölzerner Turm. Damit entstand ein ganz neuer Burgentyp: der befestigte Wohnsitz einer adeligen Familie. Motten gab es vom 11. bis zum 15. Jahrhundert in fast ganz Europa. In diesemn Zeitraum wird auch die Motte von Önigstedt gehören.

St. Andreas-Kirche in Riede

7 Einen Besuch wert ist die ca. 700 Jahre alte Andreaskirche in Riede, vor allem auch wegen ihrer farbenprächtigen Fresken aus dem 15. Jahrhundert, die ein unbekannter Künstler in italienischem Stil schuf. Nach der Wiederentdeckung unter einer Tüncheschicht wurden die Gemälde restauriert.

St. Andreas-Kirche.
Der Erbhof in Thedinghausen

8 Das um 1620 für den Bremer Erzbischof Johann Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf errichtete Herrenhaus des Erbhofes in Thedinghausen im Landkreis Verden gehört zu einer Gruppe von Bauten im Weserraum, die zwischen 1520 und 1640 entstanden und aufgrund ihrer gemeinsamen Merkmale der sogenannten Weserrenaissance zugerechnet werden. Die ersten 300 Jahre seines Bestehens überdauerte das Gebäude ohne Schaden. Dann führten Flußregulierungen an Weser und Eyter zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels. Die Eichenpfahlgründung unter den Fundamenten fiel trocken und vermoderte. Schwere Setzungsschäden waren die Folge. Mitte der 80er Jahre wurde die Gründung des Erbhofes in einem dreistufigen Verfahren umfassend restauriert.

Erbhof Thedinghausen.
Eine Burg an der alten Aller bei Hagen - Grinden

9 Die Burgen in der norddeutschen Tiefebene haben mit unseren Vorstellungen vom Aussehen einer Burg nichts gemein: sie trugen weder Zinnen noch mächtige Türme und waren auch keine imposanten Steinbauten. Stattdessen handelte es sich um einfache Holzbauten, befestigt mit Wassergräben, Erdwällen und Palisadenzäunen. Die Burg bei Hagen - Grinden besteht aus einer rechteckigen erhöhten Innenfläche von 25 mal 15 Metern, zur Landseite hin geschützt von einem höheren Innen- und einem flacheren Außenwall mit zwei Gräben. Über das Alter lassen sich nur Vermutungen anstellen. Vielleicht gehört die Burg ins 11./12. Jahrhundert. In der Nähe sind bei Baggerarbeiten in der Alten Aller Eichenpfähle gefunden worden. Möglicherweise handelt es sich um Überreste einer Flußsperre, die durch die Burg gesichert wurde.

Die Hühnenburg in Achim - Baden

10 Direkt über dem Steilufer zur Weser liegt die Hünenburg von Achim-Baden, ein halbovalförmiger mächtiger Wall, der heute noch 4,5 Meter hoch ist, mit einem vorgelagerten Graben. Er umschließt eine ausgesprochen kleine Innenfläche von nur 80 mal 35 Metern. Vermutlich gehörte die Burg im 11. Jahrhundert Erzbischof Adalbert von Bremen. Sie besitzt eine hervorragende strategische Lage. Während man früher annahm, die Hälfte des Walles sei den Steilhang hinabgestürzt, geht man heute davon aus, daß die jetzige Form der ursprünglichen entspricht. Im Inneren des Walls liegt heute das „Haus Hünenburg“, ein regionales Tagungszentrum und Treffpunkt der heimischen Wirtschaft.

Plan der Hünenburg.
Schloß Etelsen

11 In einem weitläufigen Parkgelände am Rande des Urstromtals der Alten Aller und unmittelbar neben der alten Handelsstraße zwischen Verden und Bremen liegt das prachtvolle Schloß Etelsen. Die Gebrüder von Heimbruch ließen das Schloß 1885 - 1887 durch Karl Hantelmann in historistischem Stil errichten. Der Stil der Renaissance ist vorherrschend, aber es sind auch barocke Elemente erkennbar. Das Schloß ist als Rechteck von 22 mal 35 Metern angelegt, hat zwei Vollgeschosse, ein hochgelegenes Kellergeschoß und ein Mansardengeschoß. Die nach Osten zugewandte Hauptfront mit überdachtem Eingang ist im Stil der französischen Hochrenaissance gegliedert und durch vorspringende Gebäudeteile (Risalite) aufgelockert. Der Mittelrisalit wird von einer Kuppel bekrönt. Davor befinden sich zwei Putten mit Flügeln, die das Wappen der Schloßerbauer halten. Dem Mittelrisalit vorgesetzt ist das Portal, die Säulen tragen einen Balkon (Söller). Darüber ist die die Brüder Heimbruch als Bauherren ausweisende Inschrift zu lesen: MDCCCLXXXVI - FRATRES NOBILES DE HEIMBRUCH EXST“. Zur Vielfalt der Fassade tragen die unterschiedlichen Fensterfronten bei. Im Erdgeschoß dominieren Rundbogenfenster, das Obergeschoß zieren eckige Fenster mit Dreiecksgiebel, währen die Mansarde halbrunde Fenster mit Segmentgiebel trägt. Die Orientierung des Gebäudes auf den Park und die Landschaft erinnern an französische Schloßarchitektur des 17. Jahrhunderts 1981 - 1983 ließ der Landkreis Verden das Gebäude umfassend restaurieren und modernisieren. Schloß Etelsen dient seither als Erwachsenenbildungsstätte sowie als Rahmen kultureller Veranstaltungen.

Schloß Etelsen.



1 - Schanze bei Klein Hutbergen
2 - Hellweger Moor
3 - Amtshof Ottersberg
4 - Fischerhude
5 - Windmühle Achim
6 - Gut Önigstedt
7 - St. Andreaskirche, Riede
8 - Erbhof Thedinghausen
9 - Burg bei Hagen-Grinden
10 - Hünenburg in Achim-Baden
11 - Schloß Etelsen


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