L A N D S C H A F T S V E R B A N D     S T A D E :   F A L T B L A T T    3 2


Landschaftsverband Stade: Hier folgen Text, Bilder und (am Ende) ein Tourenplan des Faltblattes Nr. 32 aus unserer Reihe „Wege in die Kulturlandschaft zwischen Elbe und Weser“:

Lilienthal – gelegen im Dreieck Bremen – Fischerhude – Worpswede – lädt Sie ein, die spannende Beziehung von Kunst und Landschaft kennenzulernen.


A – Lilienthal – Zentrum


Den Ausgangspunkt der Kulturwanderung bildet die kulturelle Begegnungsstätte „Murkens Hof“ in Lilienthal, Klosterstr. 25. In „Murkens Hof“ finden Ausstellungen zeitgenössischer Kunst statt.
Links neben dem Gebäude steht die aus Eiche geschlagene Skulptur “Beziehungs-Los” von dem Achimer Künstler Bernhard Hanzal (1). Das geflämmte Schwarz deutet auf die schmerzhaften Prozesse und Probleme im Miteinander der Menschen hin. Unser Weg führt uns, durch den Torbogen kommend, über die Klosterstraße zum Rathaus.

Links sehen wir den Rathausvorplatz mit dem bronzenen Skulpturenpaar “Jan und Lilly” der Künstlerin Ingeborg Ahner-Siese (2). Die jungen Menschen studieren die Karte Europas.
Auf derselben Seite vor der Klosterkirche steht der aus Oberkirchener Sandstein gearbeitete Abtissinnen-Brunnen, ebenfalls eine Arbeit der Künstlerin Ingeborg Ahner-Siese (3). Dieser Brunnen stellt eine Erinnerung an das ehemalige Zisterzienser Kloster Lilienthal, welches 1232 durch den Erzbischof Gerhard II aus Bremen gestiftet wurde, dar.
Schräg gegenüber vom Rathaus auf der rechten Seite befindet sich das “Alte Amtsgericht” mit dem sich anschließenden Skulpturengarten. Der Skulpturengarten wird begrenzt durch den hölzernen Künstlerzaun von Alfons Nebmaier (4)

Künstlerzaun von Alfons Nebmaier.

Nebmaier hat eine Werk minimalistischer, mehrfarbiger Plastik geschaffen. In Volumen und Ausrichtung identische Elemente werden rhythmisch so organisiert, daß sich übergeordnete Superzeichen, Elementargefüge, wie Dreieck, Rombus und Raute, leicht erkennen lassen.
Im Garten wird unsere Aufmerksamkeit auf die Skulptur “Durchflußsperre” von Hans-Georg Filipschack (5)gelenkt. Die Edelstahl-Skulptur erinnert an die durch die Mauer getrennte Beziehung zwischen Ost- und Westdeutschland.
Die von Nicola Dormagen geschaffene Stele (6) ist aus einem “reinen” Stamm gehauen, geschnitzt, gesägt und später geschwärzt worden. Die Stele symbolisiert die Verbindung zwischen Himmel und Erde.
Wir verlassen den Skulpturengarten und fahren rechts wieder auf die Klosterstraße, an der Kreissparkasse vorbei bis zur Hauptstraße, in die wir links einbiegen. Rechter Hand an der Ampelanlage sehen wir den von Udo Rolf Gerdes gestalteten Marktplatz mit dem integrierten Mühlsteinbrunnen (7), der mit seinem rauschenden Wasser und den Mühlsteinen zum Verweilen, Meditieren und Nachdenken einlädt. Die Mühlsteine erinnern an die Zeit der Wassermühle in Lilienthal.
Wir setzen die Fahrt entlang der Hauptstraße fort und biegen die nächste Straße links in den Fritz-Gagelmann-Weg ein, überqueren die kleine Wörpebrücke, halten uns dann links auf dem Mehlandsdeich bis zur Lake. Von der Lake biegen wir links in die Klosterstraße.
Unmittelbar an der Wörpe-Brücke steht das Werk “Die Fontäne” des niederländischen Künstlers Ralph Müller (8). Die große “Schwester” steht in unserer Partnergemeinde Stadskanaal. Die farbige, stählerne Figur wurde anläßlich des 20jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Lilienthal von der Gemeinde Stadskanaal geschenkt. Sie symbolisiert die Fontäne, die Wasser in hohem Bogen in die Wörpe sprüht.
Auf der anderen Brückenseite vor Murkens Hof erblicken wir die minimalistische Eisenkonstruktion von Marcel Heisterhagen (9). Die sich durchdringenden Elemente stellen die Vereinigung von Yin und Yang, männlichen und weiblichen Aspekten dar.

B – Mühlendeich

Wir überqueren die Klosterstraße, fahren den schmalen Pfad am Wasser entlang, dann links über die kleine Wörpebrücke auf den Mühlendeich, rechts weiter bis wir im Lilienthaler Gehölz linker Hand den “Ort der Besinnung” des Bildhauers Hans-Georg Filipschack (10) sehen.









Mit dem “Ort der Besinnung” will der Künstler auf die Vergänglichkeit hinweisen, das Waldsterben thematisieren und gleichzeitig dem Sterben das Sinnbild der Erneuerung entgegensetzen.


Weiter geht die Fahrt am Mühlendeich entlang bis zum Restaurant “Zur Wörpe”. Hier begegnet uns “Jan Torf”, Malzkaffee trinkend, vom Bremer Künstler Claus Homfeld (11) geschaffen. Der bronzene “Jan Torf” erinnert an die Zeiten, wo die Wörpe mit Torfschiffen befahren wurde und die Schiffer und Bauern hier Rast machten.

C – Falkenberg

Weiter geht die Fahrt entlang des Mühlendeiches bis wir nach ca. 500 m links in den Brauereiweg einbiegen, dann wieder links in die Königsberger Straße und rechts in die Tilsiter Straße. An der Ecke Tilsiter Straße/Falkenberger Straße sitzt auf einer langen Bank die “Wartende”, im Volksmund auch “Die dicke Sophie” genannt. Diese Bronzefigur von Ingeborg Ahner-Siese (12) gehört zum Zyklus “Das Lebensalter” und zeigt eine Frau, alleinsitzend, die Geldtasche, das Hab und Gut in der Hand.

D – Trupermoor

Jetzt fahren wir rechts die Falkenberger Landstraße entlang bis der Jan-Reiners-Weg, die ehemalige Bahnlinie, kreuzt. Hier biegen wir links in den Jan-Reiners-Weg, fahren durch Wiesen und Felder bis die Viehreihe kreuzt. Wir biegen links in die Viehreihe ein bis wir zur Straße Am Staugraben gelangen. Hier biegen wir links ein und sehen an der Ecke Staugraben/Erlenweg auf der rechten Seite ein buntes Haus mit einer Eule. An der Giebelseite hat der Maler Rainer Ludwigs ein Dali-Bild nachempfunden. Vor dem Haus steht der “Eulenmann” mit einer Eule.


Diese bronzene Figur wurde von Christoph Fischer (13) entworfen und symbolisiert die Einheit von Mensch und Natur und weist gleichzeitig durch die venizianische Maske auf den theaterbegeisterten Hausbesitzer hin.

E – WORPHAUSEN

Wir fahren weiter bis zur Viehreihe, setzen unseren Weg linker Hand fort bis wir die Trupermoorer Landstraße überqueren und dann in den Richtpad einbiegen. Wir fahren bis zur Landwehrstraße. Dort biegen wir nach links, folgen der Straße durch Felder und Wiesen bis wir nach ca. 1 km den Graspad erreichen, in den wir rechts einbiegen. Der Graspad mündet auf die Worphauser Landstraße, der wir links folgen. An der Worphauser Landstraße liegt die Kath. Heimvolkshochschule und Akademie Niels-Stensen-Haus.

(Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle ist dieses Faltblatt nicht mehr aktuell, die Stiftung Leben und Arbeiten hat 2007 das Niels-Stensen-Haus erworben und zum Lebensort für Menschen mit einer geistigen Behinderung umgestaltet. Die katholische Kirche als damaliger Besitzer hat beim Umzug die ganzen Kunstgegenstände von Herrn Krautwald aus der Kapelle entfernt. Die Stiftung Leben und Arbeiten hat dann im Zuge der Umgestaltung die Skulptur mit dem Niels-Stensen-Relief von ihrem Platz entfernt und sie zwischengelagert)

Folgen Sie der Beschilderung und biegen Sie nach rechts von der Hauptstraße ab. Vor dem Haupteingang des Niels-Stensen-Hauses befindet sich eine Stele (14) mit dem dem Portrait des dänischen Naturwissenschaftlers und Theologen Niels Stensen (1638 – 1886). Die Stele ist aus grünem Sandstein gefertigt. Das aufgesetzte Niels-Stensen-Relief ist aus Bronze. Der Entwurf des Objektes stammt von Prof. Hans Wienhausen aus Münster.


Portrait des dänischen Naturwissenschaftlers und Theologen Niels Stensen (1638 - 1686) von Hans Wienhausen.

Als Haus der Erwachsenenbildung beheimatet das Niels-Stensen-Haus auch eine kleine Kapelle. Die Architektur dieser Kirche hat sich an Zisterzienser-Baukunst orientiert. Die heutige Ausgestaltung wurde im Jahre 1978 durch den westfälischen Künstler Josef Krautwald vorgenommen. Die Bildnisse der “Emmaus-Jünger” und “Heilige Familie” sowie Altar, Tabernakel und Ambo sind aus verzinktem Aluminium gefertigt und prägen den Chorraum der Kirche. Beachtenswert sind die farbigen Fenster des rückseitigen Giebels. Im Atrium des Niels-Stensen-Hauses befinden sich einige Außenplastiken des Bildhauers Hans-Georg Filipschack.


Brunnen von Hans Etzhold.

Die Innenhöfe des Niels-Stensen-Hauses sind klösterlichen Kreuzgängen nachempfunden. In einem dieser Höfe befindet sich der Brunnen des Lilienthaler Bildhauers Hans Etzold (15).


Wir kehren zurück zur Worphauser Landstraße, überqueren diese und kommen zur Bauernhofanlage Lilienhof. Es handelt sich um alte, wieder rekonstruierte Abbruchhäuser der Umgebung, die hier zu einem Ensemble aufgebaut wurden. Auf einer Bank links neben dem Bauernhaus sitzt das ältere bronzene Ehepaar, - “Feierabend” – von Ingeborg Ahner-Siese (16).

„Feierabend“ von Ingeborg Ahner-Siese.

Diese Figurengruppe gehört zum Figurenzyklus “Lebensalter” und wurde speziell für diesen Platz in Antragtechnik mit Marmorkörnung und Zement hergestellt und ist ein Unikat. Mann und Frau sind am Ende ihres Lebens angekommen, sitzen auf der Bank und reden miteinander.

Wir fahren den kleinen Sandweg am Sportplatz zurück, biegen in die Gartenstraße und stoßen auf die Querreihe, in die wir links abbiegen. Gleich rechter Hand folgen wir einem schmalen Pfad, der an einem Sportplatz vorbei auf den Schulhof der Grundschule Worphausen führt. Diesen überqueren wir und erblicken hinter dem Schulgebäude im Gras sitzend die Bronzefigur “Lautenspielerin”, diese wurde 1953 von Ingeborg Ahner-Siese (17) geschaffen und symbolisiert in ihrer Versunkenheit beim Lautenspiel die Einheit zwischen Mensch und Musik.
Wir setzen den Weg fort und kommen zur Lüninghauser Landstraße, in die wir links einbiegen. Dieser Straße folgen wir ca. 3 km bis wir zur alten Mühle kommen. Hier biegen wir in die Straße rechts Hinter dem Berg ein, die einen kleinen Bogen um den Berg macht. Wir überqueren die Frankenburg und kommen in die Straße Auf der Frankenburg. Rechter Hand sehen wir die Erhebung Höge mit der Freilichtbühne.

F – Moorhausen

Wir führen unseren Weg weiter fort, befahren den Speckendamm, der später zur Klosterweide wird. Die Klosterweide mündet in die Moorhauser Landstraße, in die wir rechts einbiegen. Nach ca. 200 m sehen wir auf der rechten Seite das Gelände des Evangelischen Hospitals mit dem Mensingstift. Hier biegen wir rechts ein bis wir zu der kleinen Martinskirche kommen. An dieser Kirche ist ein Sandsteinrelief (20) des Worpsweder Künstlers Ulrich Conrad, das den Heiligen Martin mit seinem Pferd darstellt. Im Innern der Kirche sehen wir einen aus Stein gemeißelten Altartisch. Dieser ist wie auch das Diakoniekreuz (21) am Martinskrankenhaus und die “Auffliegenden Vögel(22) am Therapiezentrum, stammen vom Worpsweder Künstler Ulrich Conrad.
Wir fahren zurück zur Moorhauser Landstraße und setzen den Weg nach rechts fort bis nach wenigen Metern der Jan-Reiners-Weg kreuzt. Der Jan-Reiners-Weg wurde früher von der Eisenbahn Jan Reiners befahren; heute von Radfahrern und Fußgängern genutzt. Wir überqueren die Moorhauser Landstraße und biegen links in den Jan-Reiners-Weg ein bis nach ca. 100 m auf der rechten Seite nach dem Supermarkt eine Verbindungsstraße erscheint. Diese biegen wir rechts ein bis wir zur Falkenberger Landstraße kommen. Schräg gegenüber ist der Friedhof. Wir überqueren die Falkenberger Landstraße.
Am Friedhof ist ein “Piktogramm” des niederländischen Künstlers Arjen Boerstra (23), der im Jahre 1993 anläßlich eines Bildhauersymposiums die vielen Schilder in Lilienthal aufgenommen hat und zu neuen Piktogrammen verarbeitet hat. Aus diesem Piktogramm können wir Haus, Behausung in Grau/Weiß/Schwarz herauslesen.

Unser Weg führt links die Hauptstraße entlang bis zum Gehölz. In der Mitte des Fahrradweges am Gehölz sehen wir ein weiteres “Piktogramm(24) des niederländischen Künstlers Arjen Boerstra. Diesmal greift er die Umgebung Wald auf und setzt sie in seine eigene künstlerische Sprache um.

Am Ende des Wäldchens biegen wir links in den Wald hinein, durchqueren diesen bis wir zur Wörpe kommen, wo unser Weg rechts bis zur Murkens Hof führt, wo unsere Rad-Wanderung begann.
Konzeption: Kulturamt Lilienthal
Antke Bornemann, in Kooperation mit dem Niels-Stensen-Haus
Burckhard Rehage
Fotos: Roger Bartsch
Auskünfte: Kulturamt 042 98/929 118








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