L A N D S C H A F T S V E R B A N D     S T A D E :   F A L T B L A T T    2 7


Landschaftsverband Stade: Hier folgen Text, Bilder und (am Ende) ein Tourenplan des Faltblattes Nr. 27 aus unserer Reihe „Wege in die Kulturlandschaft zwischen Elbe und Weser“:


Wege in die Dörfer III:
Rotenburg - Unterstedt

1974 wurden 4 Dörfer in die Stadt Rotenburg eingemeindet: Borchel, Mulmshorn, Unterstedt und Waffensen. Die ehemals selbständigen Gemeinden haben ihre gewachsenen historischen Eigenheiten während der 20-jährigen Zugehörigkeit zur Stadt nicht aufgegeben.
Unterstedt gehört zu den Stadtteilen Rotenburgs, die älter sind als die Kernstadt. Seit vorgeschichtlichen Zeiten leben Menschen in Unterstedt. Gräberfelder und Reste einer Kapelle wurden ausgegraben und sind in Fundberichten und Veröffentlichungen dokumentiert. Im Mittelalter lagen beim Flurstück Schwedenskamp Höfe. Sie wurden im 15. Jahrhundert aufgegeben. Andere Höfe des mittelalterlichen Dorfes Unterstedt wurden verlegt. Der Flurname “Das alte Dorf” erinnert an die ursprüngliche Lage. Unterstedt gehörte zur Amtsvogtei Ahausen, die ein Teil des Amtes Rotenburg war. In den frühneuzeitlichen Abgaberegistern und auch im Jördebuch (1692/94) ist der Ort erwähnt.

1 Unterstedt ist vom Kern Rotenburgs gut mit dem Fahrrad zu erreichen. Sie können deshalb Ihre Fahrt beim Rathaus in der Großen Straße beginnen. Von hier fahren Sie über die Mühlen- und Brauerstraße zum Grafeler Damm und folgen diesem bis Grafel. Auf dem Weg dorthin kommen Sie an einer Gasförderstation vorbei. Rotenburg und die umliegenden Gemeinden liegen auf einem der größten Gasvorkommen in Mitteleuropa. Ein ganzer Kranz von Gasförderstationen umzieht Rotenburg. Bei der Rundfahrt durch Borchel ist darauf schon hingewiesen.

„Hof Grafel“ in Unterstedt.

Grafel gehörte früher zu Unterstedt. Der Hof wird seit mehreren Generationen von der Familie Peters bewirtschaftet. Im Jördebuch von 1692/94 wird ein “Johann Peters, der Schäfer zu Grafel” erwähnt. Grafel ist – wie fast die gesamte Umgebung von Rotenburg – von Wald umgeben, bzw. liegt mitten im Wald. Am Hof Grafel fahren Sie vorbei. Folgen Sie dem Schild “Unterstedt”.
Auf dem Waldweg kommen Sie zunächst an der Försterei, etwas später an einem früher militärisch genutzten Grundstück, das auf dem Stadtplan nicht verzeichnet ist, vorbei. Nach diesem macht der Weg einen Knick nach rechts. Kurz danach führt ein nicht leicht befahrbarer Ackerrainweg am Rande des Waldes nach links. Folgen Sie diesem – bis es wieder rechts geht. Fahren Sie einige Meter, bis Sie an einen Waldrand kommen. In diesem können Sie vom Weg aus leichte Erhöhungen erkennen. Hier liegen Hügelgräber, ein ganzes Gräberfeld.

2 Von der Höhe des Hempberges aus haben Sie einen guten Blick auf Unterstedt. Der Ort ist in der Wümmeniederung angelegt. Daher stammt wohl auch der Name “Unter”stedt. Linkerhand sehen Sie ein Neubaugebiet. Neubaugebiete prägen die Entwicklung der Dörfer in den letzten Jahren mit. Darauf wurde auch schon bei der Rundfahrt durch Mulmshorn verwiesen.

Neubaugebiet in Unterstedt.

Sie fahren weiter in Richtung Bundesstraße 215 und überqueren diese. An der Voßstraße steht der Speicher, den Sie als Titelbild dieses Faltblattes sehen können. Hier hat der Heimatverein sein Domizil. Vereine gehören auch in den dörflichen Stadtteilen zum geselligen und kulturellen Leben. Sie bestimmen die dörfliche Öffentlichkeit entscheidend mit. Die meisten Einwohner gehören Vereinen an.


Einer der alten Bauernhöfe an der Dorfstraße.
3 Weiter geht es zur Dorfstraße. Hier stoßen Sie auf die alten Bauernhöfe. Nach der Verlegung des Dorfes standen hier die drei ältesten Vollhöfe. Aus ihnen entwickelten sich durch Teilung weitere je nach Größe als Halb- und Drittelhöfe zu bezeichnende Bauernstellen.

4 Die Landwirtschaft bestimmt noch immer den Kern des Dorfes, wenn auch die Vollerwerbshöfe zurückgehen. Inmitten des Dorfes liegen Wiesen und es findet sich umfangreicher Wald. Eine Möglichkeit, das Überleben der Höfe zu sichern, ist die Direktvermarktung. Ein Beispiel finden Sie hier.

Direktverkauf im „Bauernladen“.

Fahren Sie weiter auf der Dorfstraße nach Westen. Noch einmal können Sie “Am Brinkhof” einen mächtigen Hof hinter gewaltigen Kastanienbäumen bewundern. Die Säulen vor dem Eingang zeigen uns, daß die Landwirte immer wieder ihre Häuser verschönern und sich dabei durchaus an den Vorbildern, die in den Städten entwickelt wurden, orientiert haben. Die Vorstellung, ein einmal errichtetes Gebäude immer in seinem ursprünglichen Zustand zu erhalten, um seinen kulturgeschichtlichen Wert zu dokumentieren, ist erst jüngeren Datums. Die Menschen machten Geschichte, indem sie ihre Häuser ihren Bedürfnissen anpaßten. Dies gilt auch für die Bauernhäuser im alten Kern, bei denen Veränderungen zu sehen sind. (vgl. Bild bei Nr. 3)

5 Auf der Straße “Am Brinkhof” fahren Sie weiter und unterqueren die Eisenbahnlinie Rotenburg – Verden. Diese 1926 eingeweihte Strecke wird von Güter- und Personenzügen befahren und verbindet Rotenburg mit dem Ruhrgebiet und den Bahnen in Richtung Süden, zu denen man in Verden oder Nienburg zusteigen kann.

Weide im Westermoor.

Gleich hinter der Bahn – im Westermoor – breitet sich eine weite landwirtschaftliche Fläche aus.
Bei der ersten Kreuzung biegen Sie rechts ab. Linkerhand liegt der Kirchberg. Auf diesem wurden ein Gräberfeld und die Grundrisse einer frühchristlichen Kapelle ausgegraben. Die dazugehörende Siedlung lag etwa 500 m weiter westlich. Nach den archäologischen Untersuchungen war dieser Platz vom 4. bis 9. Jahrhundert besiedelt, also schon zu einem Zeitpunkt, bevor die Sachsen nach England zogen. Einige Gräber verliefen in Süd-Nord-Richtung, die meisten in West-Ost-Richtung. Die Christen begruben in West-Ost-Richtung, die vorchristlichen Sachsen in Nord-Süd-Richtung. Weil der Hügel schon vor der archäologischen Untersuchung zur Sandentnahme angeschnitten war, ist nicht genau zu sagen, wieviele Gräber der einzelnen Perioden sich hier ursprünglich befunden haben.

6 Vom Kirchberg geht es über die Straße “Am Westermoor” am Bahnhof vorbei über die Bahnstrecke in die Straße “Buschenstücken” und zum Sportplatz. Das Mehrzweckgebäude beherbergt eine Schießanlage, die Feuerwehr und dient auch den Fußballspielern und weiteren Sportlern.

Mehrzweckgebäude und Sportplatz.

Auf der B 215 wenden Sie sich nach links und folgen ihr bis zum “Schwedenkamp”. Auf dieser Straße fahren Sie in Richtung Grafel. Kurz bevor Sie den Wald erreichten, sollten Sie noch einmal anhalten. Links von dem Wald lag die 4 Höfe umfassende Siedlung Grafel. Sie wurde im 15. Jahrhundert aufgegeben. Die Wüstwerdung dieser Siedlung hat wohl mehrere Gründe. Die Kriege und Fehden, die Pest und größeren Freiheiten im Flecken Rotenburg dürften zu dem Verlassen des Ortes geführt haben. Die Bauern zogen nach Rotenburg – aber auch nach Unterstedt. Um Rotenburg herum können Sie eine ganze Reihe von Wüstungen finden.
Einige hundert Meter weiter treffen Sie auf den Weg, der Sie in die Kernstadt zurückführt.
Wenn Sie wieder beim Rathaus sind, haben Sie gut 20 km zurückgelegt. Zu erwähnen ist noch, daß Sie in Unterstedt mehrere Gaststätten finden, in denen Sie sich während der Fahrt erholen können. Zum Schluß ein Hinweis: Sollte Ihnen die Fahrt durch Unterstedt so gut gefallen haben, daß Sie mehr über diesen Ort, die Ausgrabungen oder die alten Siedlungsstrukturen wissen wollen, wenden Sie sich an das Stadtarchiv. Wir können Ihnen sicherlich helfen.

Dietmar Kohlrausch, Stadtarchiv Rotenburg




1 - Der Hof „Grafel“
2 - Neubaugebiet
3 - Dorfstraße mit alten Bauernhäusern

4 - Der „Bauernladen“
5 - Landwirtschaftliche Fläche
6 - Mehrzweckgebäude und Sportplatz

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