Wege
in die Dörfer III: Rotenburg - Unterstedt-
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1974 wurden 4 Dörfer in
die Stadt Rotenburg eingemeindet: Borchel, Mulmshorn, Unterstedt
und Waffensen. Die ehemals selbständigen Gemeinden haben
ihre gewachsenen historischen Eigenheiten während der
20-jährigen Zugehörigkeit zur Stadt nicht aufgegeben.
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Unterstedt gehört zu den
Stadtteilen Rotenburgs, die älter sind als die Kernstadt.
Seit vorgeschichtlichen Zeiten leben Menschen in Unterstedt.
Gräberfelder und Reste einer Kapelle wurden ausgegraben und
sind in Fundberichten und Veröffentlichungen dokumentiert.
Im Mittelalter lagen beim Flurstück Schwedenskamp Höfe.
Sie wurden im 15. Jahrhundert aufgegeben. Andere Höfe des
mittelalterlichen Dorfes Unterstedt wurden verlegt. Der Flurname
Das alte Dorf erinnert an die ursprüngliche
Lage. Unterstedt gehörte zur Amtsvogtei Ahausen, die ein
Teil des Amtes Rotenburg war. In den frühneuzeitlichen
Abgaberegistern und auch im Jördebuch (1692/94) ist der Ort
erwähnt.
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1
Unterstedt ist vom Kern Rotenburgs gut mit dem Fahrrad zu
erreichen. Sie können deshalb Ihre Fahrt beim Rathaus in der
Großen Straße beginnen. Von hier fahren Sie über
die Mühlen- und Brauerstraße zum Grafeler Damm und
folgen diesem bis Grafel. Auf dem Weg dorthin kommen Sie an einer
Gasförderstation vorbei. Rotenburg und die umliegenden
Gemeinden liegen auf einem der größten Gasvorkommen in
Mitteleuropa. Ein ganzer Kranz von Gasförderstationen
umzieht Rotenburg. Bei der Rundfahrt durch Borchel ist darauf
schon hingewiesen.
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 Hof
Grafel in Unterstedt. -
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Grafel gehörte früher
zu Unterstedt. Der Hof wird seit mehreren Generationen von der
Familie Peters bewirtschaftet. Im Jördebuch von 1692/94 wird
ein Johann Peters, der Schäfer zu Grafel
erwähnt. Grafel ist wie fast die gesamte Umgebung von
Rotenburg von Wald umgeben, bzw. liegt mitten im Wald. Am
Hof Grafel fahren Sie vorbei. Folgen Sie dem Schild Unterstedt.
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Auf dem Waldweg kommen Sie
zunächst an der Försterei, etwas später an einem
früher militärisch genutzten Grundstück, das auf
dem Stadtplan nicht verzeichnet ist, vorbei. Nach diesem macht
der Weg einen Knick nach rechts. Kurz danach führt ein nicht
leicht befahrbarer Ackerrainweg am Rande des Waldes nach links.
Folgen Sie diesem bis es wieder rechts geht. Fahren Sie
einige Meter, bis Sie an einen Waldrand kommen. In diesem können
Sie vom Weg aus leichte Erhöhungen erkennen. Hier liegen
Hügelgräber, ein ganzes Gräberfeld.
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2
Von der Höhe des Hempberges aus haben Sie einen guten Blick
auf Unterstedt. Der Ort ist in der Wümmeniederung angelegt.
Daher stammt wohl auch der Name Unterstedt.
Linkerhand sehen Sie ein Neubaugebiet. Neubaugebiete prägen
die Entwicklung der Dörfer in den letzten Jahren mit. Darauf
wurde auch schon bei der Rundfahrt durch Mulmshorn verwiesen.
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 Neubaugebiet
in Unterstedt. -
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Sie fahren weiter in Richtung
Bundesstraße 215 und überqueren diese. An der
Voßstraße steht der Speicher, den Sie als Titelbild
dieses Faltblattes sehen können. Hier hat der Heimatverein
sein Domizil. Vereine gehören auch in den dörflichen
Stadtteilen zum geselligen und kulturellen Leben. Sie bestimmen
die dörfliche Öffentlichkeit entscheidend mit. Die
meisten Einwohner gehören Vereinen an.
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 Einer
der alten Bauernhöfe an der Dorfstraße. -
3
Weiter geht es zur Dorfstraße. Hier stoßen Sie auf
die alten Bauernhöfe. Nach der Verlegung des Dorfes standen
hier die drei ältesten Vollhöfe. Aus ihnen entwickelten
sich durch Teilung weitere je nach Größe als Halb- und
Drittelhöfe zu bezeichnende Bauernstellen.
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Die Landwirtschaft bestimmt noch immer den Kern des Dorfes, wenn
auch die Vollerwerbshöfe zurückgehen. Inmitten des
Dorfes liegen Wiesen und es findet sich umfangreicher Wald. Eine
Möglichkeit, das Überleben der Höfe zu sichern,
ist die Direktvermarktung. Ein Beispiel finden Sie hier.
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 Direktverkauf
im Bauernladen. -
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Fahren Sie weiter auf der
Dorfstraße nach Westen. Noch einmal können Sie Am
Brinkhof einen mächtigen Hof hinter gewaltigen
Kastanienbäumen bewundern. Die Säulen vor dem Eingang
zeigen uns, daß die Landwirte immer wieder ihre Häuser
verschönern und sich dabei durchaus an den Vorbildern, die
in den Städten entwickelt wurden, orientiert haben. Die
Vorstellung, ein einmal errichtetes Gebäude immer in seinem
ursprünglichen Zustand zu erhalten, um seinen
kulturgeschichtlichen Wert zu dokumentieren, ist erst jüngeren
Datums. Die Menschen machten Geschichte, indem sie ihre Häuser
ihren Bedürfnissen anpaßten. Dies gilt auch für
die Bauernhäuser im alten Kern, bei denen Veränderungen
zu sehen sind. (vgl. Bild bei Nr. 3)
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5
Auf der Straße Am Brinkhof fahren Sie weiter
und unterqueren die Eisenbahnlinie Rotenburg Verden. Diese
1926 eingeweihte Strecke wird von Güter- und Personenzügen
befahren und verbindet Rotenburg mit dem Ruhrgebiet und den
Bahnen in Richtung Süden, zu denen man in Verden oder
Nienburg zusteigen kann.
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 Weide
im Westermoor. -
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Gleich hinter der Bahn
im Westermoor breitet sich eine weite landwirtschaftliche
Fläche aus.
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Bei der ersten Kreuzung biegen
Sie rechts ab. Linkerhand liegt der Kirchberg. Auf diesem wurden
ein Gräberfeld und die Grundrisse einer frühchristlichen
Kapelle ausgegraben. Die dazugehörende Siedlung lag etwa 500
m weiter westlich. Nach den archäologischen Untersuchungen
war dieser Platz vom 4. bis 9. Jahrhundert besiedelt, also schon
zu einem Zeitpunkt, bevor die Sachsen nach England zogen. Einige
Gräber verliefen in Süd-Nord-Richtung, die meisten in
West-Ost-Richtung. Die Christen begruben in West-Ost-Richtung,
die vorchristlichen Sachsen in Nord-Süd-Richtung. Weil der
Hügel schon vor der archäologischen Untersuchung zur
Sandentnahme angeschnitten war, ist nicht genau zu sagen,
wieviele Gräber der einzelnen Perioden sich hier
ursprünglich befunden haben.
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Vom Kirchberg geht es über die Straße Am
Westermoor am Bahnhof vorbei über die Bahnstrecke in
die Straße Buschenstücken und zum
Sportplatz. Das Mehrzweckgebäude beherbergt eine
Schießanlage, die Feuerwehr und dient auch den
Fußballspielern und weiteren Sportlern.
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 Mehrzweckgebäude
und Sportplatz. -
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Auf der B 215 wenden Sie sich
nach links und folgen ihr bis zum Schwedenkamp. Auf
dieser Straße fahren Sie in Richtung Grafel. Kurz bevor Sie
den Wald erreichten, sollten Sie noch einmal anhalten. Links von
dem Wald lag die 4 Höfe umfassende Siedlung Grafel. Sie
wurde im 15. Jahrhundert aufgegeben. Die Wüstwerdung dieser
Siedlung hat wohl mehrere Gründe. Die Kriege und Fehden, die
Pest und größeren Freiheiten im Flecken Rotenburg
dürften zu dem Verlassen des Ortes geführt haben. Die
Bauern zogen nach Rotenburg aber auch nach Unterstedt. Um
Rotenburg herum können Sie eine ganze Reihe von Wüstungen
finden.
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Einige hundert Meter weiter
treffen Sie auf den Weg, der Sie in die Kernstadt zurückführt.
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Wenn Sie wieder beim Rathaus
sind, haben Sie gut 20 km zurückgelegt. Zu erwähnen ist
noch, daß Sie in Unterstedt mehrere Gaststätten
finden, in denen Sie sich während der Fahrt erholen können.
Zum Schluß ein Hinweis: Sollte Ihnen die Fahrt durch
Unterstedt so gut gefallen haben, daß Sie mehr über
diesen Ort, die Ausgrabungen oder die alten Siedlungsstrukturen
wissen wollen, wenden Sie sich an das Stadtarchiv. Wir können
Ihnen sicherlich helfen.
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Dietmar Kohlrausch,
Stadtarchiv Rotenburg
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