L A N D S C H A F T S V E R B A N D     S T A D E :   F A L T B L A T T    2 6


Landschaftsverband Stade: Hier folgen Text, Bilder und (am Ende) ein Tourenplan des Faltblattes Nr. 26 aus unserer Reihe „Wege in die Kulturlandschaft zwischen Elbe und Weser“:





Bei unserem Rundgang werden Sie den Gegensatz vom “dunklen” Bauerndorf, das am Hang zum Urstromtal der Weser liegt, zur neuen, hellen und farbigen Stadt, die sich oben auf der Geesthochfläche befindet, kennenlernen. Beides liegt nahe beeinander, verzahnt sich und gibt der Stadt Achim so auch heute noch ein unverwechselbares Gesicht. Wir laden zum Spaziergang durch das Bauerndorf und die veränderte Innenstadt Achims ein. Die bauliche Erscheinung der Stadt Achim nach Stilepochen zu gliedern, gelingt nur schwer. Außer der Kirche sind nur vereinzelt Stilmerkmale an Gebäuden zu finden. Bei dem Rundgang aber wird auf noch erkennbare Baustile vergangener Zeiten besonders hingewiesen.

DAS BAUERNDORF ACHIM

Achim, ohne eine historisch gewachsene “Altstadt” wie die meisten Städte vergleichbarer Größe, hat sich aus einer bäuerlichen Gemeinde entwickelt.
Im Bauerndorf Achim ist die Bebauung weitläufig und locker, wie es für ein Haufendorf bezeichnend ist. Zuerst waren Häuser da, denen sich die Wege anpassen mußten. Der dörfliche Kern besteht aus einem sehr unregelmäßigen und winkligen Wegenetz.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war das Leben der Menschen im Dorf Achim ländlich bäuerlich bestimmt. Man baute niedersächsische Bauernhäuser, wie man es seit Jahrhunderten getan hatte. Füllte man die Fächer des Fachwerkhauses zunächst mit Lehm aus, ging man Anfang des 19. Jahrhunderts dazu über, dafür Ziegel zu verwenden. Bei den Dächern vollzog sich im gleichen Zeitraum ein Wandel vom Stroh zum Dachziegel.

HAUS CLÜVER

1 Dieses typische Zweiständer-Niedersachsenhaus ist das Haus eines wohlhabenden Bauern aus dem Jahre 1652. Es brannte 1823 ab und wurde im selben Jahr neu errichtet; diesmal mit Ziegelgefachen, einem Ziegeldach und einem Schornstein. Als das Haus zu verfallen drohte, kaufte es die Stadt Achim 1970 auf. In sechsjähriger Arbeit wurde es renoviert. Heute wird die untere Etage für Ausstellungen, Versammlungen und Empfänge genutzt. Im ersten Obergeschoß teilen sich den großen Raum die Geschichtswerkstatt Achim und der Heimatverein Achim.

Die Inschrift über der Dielentür lautet:

“Bewahre Herr das Vaterland vor Krieg und Landes-Plagen, schütze dieses Haus vor Sturm und Brand und segne was wir haben. Gib‘ Dein Gedeihen zur Kinderzucht und laß sie wohlgeraten, besegne auch des Viehesfruchtt, die Wiesen und die Saaten.
Franz Clüver und seine Ehefrau Metha Clüver geb. Wigmanns
Anno 26. Juni 1824.


Haus Clüver

HAUS MEISLAHN

2 Hier entsteht die alte früher an diesem Platz vorhandene Hofstelle nach den Vorstellungen des heutigen Besitzers neu. Die Scheune aus dem 18. Jahrhundert ist so hergerichtet worden, wie sie früher war. Die Gefache sind mit Staken und Weidengeflecht ausgefüllt. Daneben entsteht in traditioneller Fachwerkbauweise ein weiteres Gebäude.

ST. LAURENTIUS-KIRCHE

3 Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche ist im Jahr 1257. Die ältesten Teile der Außenmauer des Langhauses und das Untergeschoß des Turmes aus Feldsteinmauerwerk sind allerdings älter. Es ist ursprünglich eine romantische Backsteinkirche gewesen. Sie diente in Kriegszeiten und bei Bränden als Zufluchtsort.
In der Spätgotik (14. Jahrhundert) wurden neue Fenster aufgestemmt. Die vorhandene Flachdecke wurde durch ein Wulstrippengewölbe ersetzt. Ein Chorraum und zwei Kapellen wurden angebaut, um eine Kreuzform zu erreichen.

RIEKES HONIGKUCHENFABRIK

4 Die Obernstraße ist eine verhältnismäßig junge Straße. Eine regelmäßige Bebauung erfolgte Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts. Heute ist sie eine lebendige Fußgängerzone.
Die Häuser, nunmehr zweigeschossig, zeigen teilweise zahlreiche und vielgestaltige Verzierungen.
Als Beispiele für Gotik, Klassizismus und Jugendstil finden Sie u. a. Riekes Honigkuchenfabrik.

Riekes Honigkuchenfabrik.

Aus dem alten Teil der Stadt münden viele Straßen in die fast gradlinige Obernstraße, der früheren Hauptstraße. Insgesamt wirkt die “Neustadt” planvoll und durchdacht.


Teil der Fußgängerzone.

MARKTSCHULE

5 Beispjiel eines neugotischen Bauwerkes (1150 – 1500) (Orientierungsstufe).
Erbaut wurde die Marktschule 1894 als gotischer Backsteinbau von dem jungen Architekten Meislahn. Wie für die damalige Zeit üblich, wurden Bogen und Verzierungen an den Außenwänden angebracht.
Über der Eingangstür steht der Spruch:

„1894
Gott zur Ehr
Der Gemeinde zum Segen.“

Im Laufe der Jahre hat die Schule ihr Gesicht etwas verändert. Sie wurde aufgestockt, und die Fenster wurden vergrößert. Es folgten auch einige Anbauten. 1972 wurde das Gebäude an der West- und Südseite saniert. Es wurde neu verfugt, neue Backsteine wurden eingefügt und die alten, beschädigten entfernt.

OBERNSTRASSE 51

6 Obernstraße 51, (heutige Kreissparkasse), Beispiel eines Jugendstil-Baues (ca. 1896 – 1910).

Die Spar- und Leihkasse des Kreises Achim baute diesen funktionalen Verwaltungsbau am Marktplatz im Jahre 1891. In dem Gebäude befindet sich heute die Kreissparkasse Verden.

Es war ursprünglich ein Backsteingebäude und wurde später verputzt. Der jetzige weiß-rosa-graue Anstrich ist von 1995.

Im Jahre 1912 bekam das Haus einen Anbau im dem bisherigen Sommergarten des Hotels “Stadt Bremen”.

Das Gebäude rechts vom Eingang vereinigt zwei Baustile: Ganz rechts den Klassizismus mit Scheinsäulen, strenger Symmetrie, rechten Winkeln und Dreiecksformen, während der linke Teil ganz im Jugendstil gehalten ist. Der linke Teil vom Eingang zeigt dann wieder ein wenig Klassizismus.

OBERNSTRASSE 41

7 Obernstraße 41 (Goldschmiede Rumsfeld, Beispiel eines klassizistischen Hauses (ca. 1770 – 1830).

Der alte Stall, der dort einmal stand, ist abgerissen worden. Der Müller Weidenhöfer hat dann das Haus gebaut, um seine Malerzeugnisse in der Stadt Achim zu verkaufen.

Er war während der Franzosenzeit (1801 – 1815) Bürgermeister und ließ wahrscheinlich deshalb das Haus im Stil des französischen Klassizismus errichten in strenger Symmetrie, mit rechten Winkeln und Dreiecksformen.

Das Haus hatte anschließend verschiedene Nutzer. Heute sind dort Werkstatt und der Verkaufsraum eines Goldschmiedes untergebracht.

Goldschmiede Rumsfeld, Obernstraße 41.



1 - Haus Clüver
2 - Haus Meislahn
3 - St. Laurentius-Kirche (Abb. Ganz .....oben)
4 - Riekes Honigkuchenfabrik
5 - Marktschule (Neugotisches .....Bauwerk)
6 - Ehemaliges Kreishaus .....(Jugendstil/Klassizismus)
7 - Obernstraße 41 (Klassizismus)

a - „Hexentreppe“
b - Amtsgericht
c - Kulturhaus „Alter Schützenhof“
d - Rathaus (2. Abbildung von oben)
e - Speicher Scherf
f - „Alte Apotheke“

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