2000 Jahre
Geschichte:
Der Galgenberg in
Cuxhaven

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Zu den eindrucksvollsten
archäologischen Fundplätzen in Cuxhaven zählt
zweifelsohne der Galgenberg bei Sahlenburg mit seiner
wechselvollen 2000-jährigen Geschichte als Bestattungs- und
Wehrplatz. Durch mehrjährige Ausgrabungen in der 1. Hälfte
unseres Jahrhunderts konnten vor allem Gräber aus der Zeit
des 5. Jhs. v. Chr. bis zum späten Mittelalter aufgedeckt
werden.
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Wir erreichen den Galgenberg,
wenn wir am Brockeswald vorbei über die Sahlenburger
Chaussee nach Sahlenburg fahren und hinter dem Ortseingang rechts
in den Karl-Waller-Weg einbiegen. Nach ca. 300 m erstreckt sich
zur linken Hand das Galgenberggelände mit den Resten des
Grabhügels und dem großen umschließenden Wall.
Hier stand einstmals ein größeres Grabhügelfeld,
von dem nur noch wenige Reste erhalten geblieben sind (Hügel
A-B). Im näheren und weiteren Umfeld des Galgenberges
erstrecken sich zahlreiche Friedhöfe der Vorrömischen
Eisenzeit (5. 1. Jh. v. Chr.), der römischen Kaiser-
und Völkerwanderungszeit (1. 5. Jh. n. Chr.) sowie
des Mittelalters (7. 8. Jh. n. Chr.). Der ursprüngliche
Grabhügel Galgenberg wurde im Mittelalter zu einer
Turmburg ausgebaut, indem man ihn erhöhte und
mit einem mächtigen Wall und Trockengraben umgab. Allen
Anschein nach stand auf dem Galgenberg eine Art Holzturm.
Seinen Namen erhielt der Berg übrigens von einer
Richtstätte, die man erst im 17. Jh. hier errichtete und die
bis in das 19. Jh. hinein bestand.
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 Übersichtsplan
vom Galgenberg und Silberberggelände mit den einzelnen
Friedhofsteilen.
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Wie beim Galgenberg selbst ist
auch bei den anderen Grabhügeln wenig über ihr Alter
bekannt. Gemeinsam ist allen, daß sie im Kern
Steinsetzungen erhielten, die in der älteren Bronzezeit (um
1500 v. Chr.) üblich waren. Eine 1906 durchgeführte
Grabung am Galgenberg erbrachte zudem auch einige Funde aus
dieser Zeit. Die vorgefundenen Steinsetzungen dienten vielfach
als Stützkonstruktion für niedergelegte
Baumsargbestattungen. Wenig später änderte sich die
Bestattungssitte: Die Verstorbenen wurden verbrannt und die Asche
in Urnen beigesetzt. Solche Urnenbestattungen fanden sich im
Mantel des Galgenberges, besonders zahlreich jedoch im weiteren
Umfeld. Mit dem Ende der älteren Bronzezeit (um 1200 v.
Chr.) scheint der Galgenberg vorläufig nicht weiter als
Bestattungsplatz genutzt worden zu sein. Was während der
jüngeren Bronzezeit (12 7. Jh. v. Chr.) hier geschah,
wissen wir nicht. Möglicherweise war die frühere
Bevölkerung abgewandert und hatte ihre Siedlungen
aufgegeben. Da jedoch der Galgenberg selbst wie auch das
umliegende Gelände nur in Teilen ausgegraben worden ist,
kann nicht ausgeschlossen werden, daß sich Grabanlagen der
jüngeren Bronzezeit in den noch nicht untersuchten Bereichen
befinden. Erst später, während der Vorrömischen
Eisenzeit, ging die einheimische Bevölkerung wieder dazu
über, das Galgenbergsgelände als Begräbnisstätte
zu nutzen. So konnten beispielsweise in den Suchschnitten der
Grabung 1906, die im Südosten des Galgenberges und in der
Nähe von Hügel A und B angelegt wurden, insgesamt 57
Urnengräber des 5. 1. Jh. v. Chr. nachgewiesen
werden. Hier wird deutlich, daß in den noch nicht
untersuchten Bereichen mit weiteren Gräbern zu rechnen ist.
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Auch während der Römischen
Kaiserzeit (1. 4. Jh. n. Chr.) bleibt die Urnenbestattung
die vorherrschende Grabform. Aus der näheren Umgebung des
Galgenberges sind zwei solcher Gräberfelder bekannt. Eines
befand sich im östlichen Vorfeld und wurde bei dem Abbau
einer Sandgrube entdeckt. Hier kamen neben Urnen des 3. 5.
Jhs. insgesamt 8 Brandbestattungen der älteren römischen
Kaiserzeit (1. 2. Jh. v. Chr.) zum Vorschein. Die zweite
Begräbnisstätte mit 15 Brandgräbern der älteren
römischen Kaiserzeit lag etwa 200 m südwestlich des
Galgenberges in der Umgebung des heute nicht mehr sichtbaren
bronzezeitlichen Grabhügels Silberberg. Die Bestattungen der
älteren Kaiserzeit sind möglicherweise den Chauken
zuzuweisen, einem germanischen Stamm, dessen Siedlungsgebiet nach
Auskunft römischer Schriftsteller an der Nordseeküste
zwischen Elbe und Ems gelegen haben soll.
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Mehr als 120 Urnen der jüngeren
Kaiser- und Völkerwanderungszeit (3. 5. Jh. n. Chr.)
konnten beim Galgenberg geborgen werden. Die meisten wurden in
den Jahren 1933 bis 1937 von Karl Waller ausgegraben. Jedoch
fanden bereits gegen Ende des vorigen Jahrhunderts mehrere
Raubgrabungen statt. Dabei wurden zahlreiche Urnen
planlos ausgegraben und an das Hamburger Museum für
Völkerkunde verkauft. Bedeutsam für die
Galgenberguntersuchungen ist zudem die Freilegung von 34
Körpergräbern des 4. und 5. nachchristlichen
Jahrhunderts. Urnenbestattungen und die Beisetzung des
unverbrannten Leichnams, also Körperbestattungen sind etwa
zwei Jahrhunderte lang nebeneinander auf demselben Friedhofsareal
erfolgt. Die Körpergräber waren mit einer Ausnahme alle
Süd-Nord ausgerichtet, d. h. der Kopf befand sich am Südende
der Grube. Die Beigaben in den Körpergräbern waren
gewöhnlich zahlreicher, und da sie nicht mit dem Feuer in
Berührung kamen, besser erhalten, als jene in den
Urnengräbern. Mit ihrer Hilfe konnten Männer- und
Frauengräber unterschieden werden.
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 Verschiedene
Urnengefäße des 1. - 4. Jhs. Aus den Brandgräbern
vom Galgenberg.
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Zu der Totenausstattung der
Frau gehörten verschieden gestaltete Gewandspangen,
Perlenketten und Ringe. Den Männern wurden manchmal auch
ihre Waffen (Schwert, Axt oder Lanze) mit ins Grab gelegt.
Häufiger fanden sich auch Gürtelbeschläge. Eine
besondere Grabausstattung fand sich im Grab 32. Dieses enthielt
eine bronzene Kerbschnittgarnitur, bestehend aus einer
zweiteiligen Gürtelplatte, zwei dazugehörigen
Beschlagplatten, einem Riemendurchzug, einer Riemenzunge und
mehreren Gürtelösen. Diese Kerbschnittgarnitur,
wahrscheinlich ein Erzeugnis einer spätantiken
nordgallischen Werkstatt, ist in das späte 4. Jh. zu
datieren. Es handelt sich um einen sogenannten Millitärgürtel,
deren einstiger Träger vielleicht als Söldner im
römischen Militärdienst gestanden haben wird. Nach
Abschluß seiner Dienstzeit wird er in seine Heimat nach
Sahlenburg zurückgekehrt sein.
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 Erhaltene
Reste des Militärgürtels
(Kerbschnittgarnitur) aus Grab 32 vom Galgenberg.
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Die letzten Bestattungen am
Galgenberg stammen aus dem 7. und 8. Jh. Körpergräberfelder
dieser Zeit konnten im Nordwesten Galgenberges und um den
Silberberg herum in Teilen erfaßt werden. Die 12 Gräber
vom Gelände um den Silberberg sind alle Süd-Nord
ausgerichtet. Eine Besonderheit der Befunde vom Silberberg stellt
die große Anzahl Pferdegräber dar. Mindestens vier der
Bestattungen erweisen sich als Beisetzungen von Pferden, die ohne
Beigaben oder Zaumzeug in die Grabgrube gelegt wurden. Auf dem
wesentlich größeren nordwestlich gelegenen Friedhof am
Galgenberg wurden ebenfalls zwei Pferdegräber aufgedeckt.
Eines der Pferde lag dabei zusammen mit dem menschlichen Leichnam
in dem selben Grab. Wurde hier ein Reiter mit seinem Pferd
beigesetzt? Anlaß zu einer solchen Vermutung gibt ein erst
1955 geborgenes, reich ausgestattetes Reitergrab, dessen genaue
Lage im Gelände nicht mehr feststellbar ist. Bei dem Toten
fand man zwei Steigbügel und die Reste vom Pferdezaumzeug,
außerdem befand sich am linken Fuß noch ein Sporn.
Auf der Brust des Toten lag ein zweischneidiges Schwert (Sparta),
darüber eine Flügellanze. Vom Schild blieb nur der
eiserne Buckel erhalten. Bemerkenswert ist die Auffindung eines
Pferdegrabes in nur 5 m Entfernung zu dem Grabfund von 1955. Es
liegt nahe, hier einen Zusammenhang zwischen Reiter- und
Pferdebestattung zu sehen.
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Das dem Galgenberg vorgelagerte
Gräberfeld bietet noch eine weitere Besonderheit. Es lassen
sich recht gut eine westliche und eine östliche Gräbergruppe
unterscheiden. Die Bestattungen der westlichen Gruppe sind
Süd-Nord ausgerichtet und weisen gewöhnlich einige
Beigaben wie Messer, Gürtelschnallen oder auch Perlen auf.
Die Ausstattung ist aber, ähnlich dem Gräberfeld beim
Silberberg, spärlicher als in den Gräbern des 4.
5. Jh.. Die West-Ost-gerichteten Gräber sind dagegen bis auf
eine Ausnahme immer beigabenlos.
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Diese Gruppe von Bestattungen
ist daher vermutlich christlich, während die
Süd-Nord-ausgerichteten Gräber heidnischen Charakter
zeigen. Auch die Pferdebestattungen, die alle Süd-Nord-gerichtet
sind, sind eindeutig dem heidnischen Totenkult zuzurechnen. Die
christlichen Bestattungen des ausgehenden 8. Jh. sind schließlich
auch die letzten Gräber in der Umgebung des Galgenberges.
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Andreas
Wendowski-Schünemann -
Literatur: -
H. W. Böhme, Germanische
Grabfunde des 4. bis 5. Jahrhunderts, München 1974
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F. Stein, Adelsgräber
des achten Jahrhunderts in Deutschland, Berlin 1967
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K.Waller, Der Galgenberg
bei Cuxhaven. Die Geschichte einer germanischen Grab- und
Wehrstätte, Leipzig 1938
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