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Landschaftsverband Stade: Hier folgen Text, Bilder und (am Ende) ein Tourenplan des Faltblattes Nr. 24 aus unserer Reihe „Wege in die Kulturlandschaft zwischen Elbe und Weser“:


Denkmale der Frühzeit rund um Visselhövede


Die archäologische Forschung erschließt zunehmend auch Denkmale und Kulturhinterlassenschaften aus dem Mittelalter. Deshalb führt uns dieser Wegweiser in und um Visselhövede von den Grabhügeln der Bronzezeit bis zu den historischen Grenzsteinen des 16. Jahrhunderts nach Chr.

1 - Hügelgräber der Stein- und Bronzezeit


Unsere Landschaft ist seit dem Ende der Eiszeiten vor 16.000 bis 20.000 Jahren von Menschen besucht und bewohnt gewesen. Ausgrabungen und Bodenfunde bezeugen vor allem die letzten 10.000 Jahre der Vorgeschichte. Als sichtbare Zeugen vorgeschichtlicher Kulturen finden wir in nächster Nachbarschaft nur noch Hügelgräber. Neben verschiedenen einzelnen Grabhügeln, die sämtlich Überbleibsel größerer Hügelfriedhöfe sind, blieben in den Wäldern bei Drögenbostel, Hiddingen und Schwitschen mehrere zusammenhängende Gruppen erhalten. Jede Gruppe besteht aus großen und kleinen Hügeln, Man muß sich vorstellen, daß die heute flach auslaufenden Erdbuckel auseinander geflossen sind, ursprünglich also höher gewölbt waren

Aufbau eines mehrfach erweiterten Hügelgrabes, schematische Querschnittzeichnung.

Der äußere Rand war steil und wurde von Grassoden oder einem Ring aus Feldsteinen, teilweise auch von kleinen Feldsteintrockenmauern oder Holzwänden gehalten.

Lageplan der Hügelgräber auf der Gilkenheide und Standort der Erklärungstafel (+).

Aus einem Grobhügel auf der Gilkenheide stammen Funde der Bronzezeit ( 1100 v. Chr.). Die Bronzezeitkultur Norddeutschlands hat ihre Wurzeln schon im Ausgang der Jungsteinzeit. So hat man vielfach beobachtet, daß unter großen Grabhügeln die ältesten Bestattungen noch steinzeitliches Inventar haben. Darüber liegende Gräber enthalten oft Feuersteindolche, die Metalldolchen südlicher Kulturen nachgebildet sind. Manchmal finden sich im mehrfach vergrößerten Hügel noch Beisetzungen der Bronzezeit und nachträglich eingetiefte Urnen der jüngeren Bronzezeit. Da es sich zweifellos um Familiengrabstätten handelt, kann man in solchen Fällen die Kulturentwicklung von der Stein- zur Bronzezeit in wenigen Generationen verfolgen.

Man erreicht die Grabhügel am besten von Hiddingen über den Elmhorstberg und folgt dem Weg Richtung Eitze nach Osten etwa 1.800 m, bis rechts in einem Nebenweg die Erläuterungstafel vor den Hügelgräbern zu sehen ist. Die übrigen Grabhügel sind nach obenstehendem Lageplan leicht zu finden.


2 - Die Stadt Visselhövede


Sprachwissenschaftlich ist nicht geklärt, ob der Name der Stadt "Höfe an der Vissel` oder "Haupt der Vissel" bedeutet. Denn der Platz lag von Anbeginn dicht an der Quelle des Flusses. Vielleicht sind auch beide Deutungen schon im Milttelalter zusammengeflossen.


Der Name des Gewässers wird von einem germanischen Wort fiselo (= die langsam Fließende) abgeleitet. Diese Bezeichnung ist mit Sicherheit älter als mittelalterlich. Der Ort ist zwar erst 1148 zum ersten Mal schriftlich erwähnt, doch besaß er damals bereits eine Kirche. Im folgenden Jahrhundert wird der Ort als Sitz der Vogtei und Gohgrafschaft genannt. 1450 erhält Visselhövede Weichbildrechte (Vorstufe des Stadtrechts) und darf eine Stadtbefestigung bauen, die vermutlich aus einem holzgestützten Erdwall (Holz-Erde-Mauer) mit vorgelagertem Graben bestand.

Der älteste Stadtplan aus dem Jahre 1704 zeigt uns die Stadt mit dem Graben, der nur eine Straße mit 33 Grundstücken umschloß (Burgstraße). Die Kirche liegt außerhalb der Mauer an der Visselquelle. Diese topografische Situation deutet darauf, daß die Siedlung bereits bestand, als die Kirche gebaut wurde. Man errichtete sie seltsamerweise nicht mitten im Ort, sondern am Quellteich des Flusses. Vermutlich hat sich hier an der Quelle ein vorchristliches Heiligtum befunden; denn es gibt viele Beispiele für vor- und frühgeschichtliche Quellenverehrung. In karolingischer Zeit entstanden oft die ersten Kirchen unmittelbar an vorher heidnischen Kultplätzen und über Gräbern. Damit ließen sich die alten Glaubensvorstellungen leichter auf das Christentum umlenken. Daß unsere Kirche Johannes dem Täufer geweiht ist, spricht ebenfalls für eine frühe Taufkirche.

Romanischer Taufstein.

Um das Jahr 1200 wird der Kirchenbau erneuert. Aus dieser Zeit stammt noch ein Taufstein. Die Sonnenuhr mag wenige Jahrzehnte jünger sein.




3 - Die Landwehr


Von der Schützenstraße am Südrand der Stadt gelangt man noch 300 m Weg an den Landwehrwall. Die Anlage bestand ursprünglich aus einem langen Erdwall von 10 bis 12 m Breite und einem westlich davor liegenden breiten und östlich davor verlaufenden kleineren Graben. Beim Bau dieses Erdwerks entstanden die Gräben durch den Bodenaushub für die Aufschüttung des Walls. Die Gräben und der hohe, damals mit Schlehdorn, Weißdorn, Rosen und Brombeeren bepflanzte Wall bildeten ein unüberwindbares Hindernis. Landwehren dienten aber nicht der Verteidigung, sondern waren Wegsperren, die den Fuhrwerksverkehr hindern sollten. Hier zwang man den Ost-West-Verkehr auf der Verdener Seite der Landesgrenze durch den Ort Visselhövede. Vermutlich handelte es sich um eine Maßnahme des Bischofs zur Kontrolle des Verkehrs oder Erhebung einer Wegesteuer.

Ältere Luftaufnahme der Visselhöveder Landwehr.

Eine ähnliche Bedeutung wird auch der Landwehrwall zwischen Dreeßel und Jeddingen besessen haben, von dem noch Reste erhalten sind.

Querschnitt durch Wall und Graben der Landwehr.




4 - Der Burghügel bei Kettenburg


Im 12. und 13. Jahrhundert bestand der Vorläufer der Kettenburg nur aus einem Turm, der auf einem künstlichen Hügel errichtet war. Der Hügel ist bis heute vorhanden. Er liegt in der baumbewachsenen Niederung zwischen Dorf und Gut Kettenburg 60 m östlich der Lehrde und 50 m nördlich der Straße.

Schematische Zeichnung einer Turmhügel-Burg.

Als sich der Adel im Mittelalter immer mehr verselbständigte und keine militärische Besatzung für König oder Landesherrn mehr zu unterhalten hatte, entstand seit der Zeit um 1100 überall dieser neue Burgentyp, der die bis dahin üblichen Ringwallanlagen ablöste. Die neuen Burgen bestanden aus einem einzigen turmartigen Gebäude, das auf einem Hügel errichtet wurde. Meist standen sie in feuchten Niederungen und wurden von einem Wassergraben umgeben. Aus diesen Anlagen entwickelte sich später die typische mittelalterliche Burg mit dicht angebauten Nebengebäuden, umgeben von einer Mauer. Der Turmbau bestand als Bergfried fort.

Auf einem Bildteppich aus dem 12.Jahrhundert im Kloster Bayeux finden wir schematische Darstellungen von Turmhügelburgen. Auf diesem Ausschnitt (Bild unten) sieht man den von einer Holzpalisade umgebenen Turm auf dem Hügel:


Im Jahre 1148 wird für Rosebruch ebenfalls eine Burg erwähnt, von der jetzt nichts mehr vorhanden ist. jedoch ein Bild aus dem Jahre 1564 zeigt noch den Burghügel, der inselartig vom Bach umflossen war.

Im 14. und 15. Jahrhundert erscheint in den Urkunden mehrfach ein Rittergeschlecht von Vislohovede. Von seiner Burg sind bisher keine Spuren nachgewiesen. Doch der Name der Burgstraße in Visselhövede zeigt, daß die Burg im Ortsbereich gelegen hat.


5 - 6 -Historische Grenzsteine


Von Stellichte über den Königshof bei Bleckwedel, Kettenburg und Ottingen verlief im Mittelalter die Landesgrenze zwischen dem Bistum Verden und dem Herzogtum Lüneburg. Im Jahre 1576 ließ der Bischof Eberhard die vielfach umstrittene Grenze markieren. An jedem Punkt, an dem der Grenzverlauf einen Knick machte, wurde ein runder Erdhügel aufgeworfen. Auf jeden dritten oder vierten der Hügel setzte man große Grenzsteine aus Wesersandstein. Sie tragen auf der Lüneburger Seite das Löwenwappen der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg und auf der Verdener Seite das Wappen des Bistums mit dem Nagelkreuz. Nur wenige Originalsteine sind noch vorhanden. Bei Kettenburg und Ottingen sind deshalb originalgetreue Nachbildungen der alten Grenzsteine etwa an den ursprünglichen Plätzen aufgestellt und mit Erklärungstafeln versehen worden.

Text: Dr. Wolf-Dieter Tempel Zeichnungen: Roland Schneeweiß




1 - Hügelgräber in der Kilkenheide
2 - Visselquelle und Stadtkirche
3 - Landwehrwall
4 - Burghügel in Kettenburg
5 - Historischer Grenzstein in Kettenburg
6 - Historischer Grenzstein bei Ottingen




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