Astronomische
Stätten in Lilienthal

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1782
begann Johann Hieronymus Schroeter, Oberamtmann zu Lilienthal,
mit der Errichtung einer ersten Sternwarte im Amtsgarten hinter
seinem noch aus der Klosterzeit stammenden Dienstgebäude an
der Wörpe. Nach und nach erbaute er sich vier weitere
Observatorien bis schließlich in einem der kleinsten
hannoverschen Ämter die größte Beobachtungsstätte
des europäischen Kontinents zur Verfügung stand. Für
alle Interessierten hat der Heimatverein eine Route
ausgearbeitet, die zu den wichtigsten Orten aus der Geschichte
der Lilienthaler Sternwarte führt.
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Eine Sternstunde der
Menschheit
- Portrait
Schroeters:
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- Ausgangspunkt dieser Exkursion ist der Amtsgarten hinter dem
neuen Lilienthaler Rathaus, Klosterstr. 16, das im Jahre 1978 auf
der Position des alten Schroeterschen Amtssitzes an der Wörpe
erbaut wurde.
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Daneben entstand auf den
Grundmauern einer Torfscheune, in welcher Schroeter seine
Teleskopspiegel fertigte und zugleich die erste Sternwarte im
Jahre 1782 einrichtete, das Heimatmuseum. Während der
Öffnungszeiten ( Sonntags von 11 - 12 Uhr sowie nach tel.
Vereinbarung unter 04298-4744 und 1044) können dort
Originalinstrumente der alten Sternwarte, alle Schriften
Schroeters und befreundeter Astronomen, deren Portraits sowie ein
Modell des großen 27-füßigen Lilienthaler
Teleskops nebst Zeichnungen und Briefen des großen
Astronomen besichtigt werden.
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 Der
Lilienthaler Amtsgarten hinter dem neuen Rathaus. -
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Neben weiteren
heimatgeschichtlichen Ausstellungsstücken ist auch das
umfangreich mit astronomischen Unterlagen ausgestattete
Schroeter-Archiv für Forschungszwecke kostenlos einzusehen.
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 Königlicher
Besuch bei den Astronomen der Lilienthaler Sternwarte.
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- Gleich rechts neben dem Heimatmuseum befindet sich der
Gedenkstein für den Standort des von Schroeter 1785
errichteten Hauptobservatoriums, das 8 m hoch und auf einer
Grundfläche von 5,1 x 5,1 m erbaut wurde. Neben dieser
Schaltstelle der Sternwarte wurden die beweglichen Fernrohre zu
Himmelsbeobachtungen eingesetzt. Als astronomische Position
werden auf der schwarzen Platte genannt: Polhöhe 53' 8' 2T
7"Länge 26' 34' 30". Letztere bezieht sich auf die
kanarische Insel Ferro (heute Hierro), die vor der Entdeckung
Amerikas den westlichsten Punkt der Alten Welt mit 0°
kennzeichnete, lange bevor 1884 Greenwich dazu bestimmt wurde.
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 Gedenkstein
für die Zentrale der Sternwarte, Uranienlust
genannt -
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- Ca. 40 Schritte weiter führt der Weg zum ehemaligen
Standort des großen 27-füßigen Lilienthaler
Teleskops, das über einen Metallspiegel von 51 cm
Durchmesser mit 8,23 m Brennweite verfügte und von Schroeter
1793 errichtet wurde. Es war das größte
Beobachtungsinstrument des europäischen Kontinents und durch
seine geniale Konstruktion mitverantwortlich für den
weltweiten Ruhm Schroeters.
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 Das
große 27-füßige Teleskop, als Modell. -
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Ausgerichtet auf den Ostgiebel
der Klosterkirche konnte der wichtige Polarstern im Norden noch
einwandfrei für Positionsbestimmungen am Himmel genutzt
werden. Der Drehkreis betrug 20 m im Durchmesser und die
Weiterführung war auf die Kraft einer Person ausgelegt.
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- 25 m weiter rechts hiervon befand sich vor dem jetzigen Ausgang
des neuen Rathauses ein weiteres großes Teleskop von 20 Fuß
Brennweite = 6, 10 m und einem Spiegel mit 31 cm freier Öffnung
(1807 von Schroeter erstellt) Die Konstruktion war ähnlich
der Herschelschen Fernrohre in England, verfügte jedoch über
eine geschlossene Beobachtungskabine.
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- Schon 1795 hatte der Lilienthaler Oberamtmann ein 5.
Sternwartengebäude, den sogenannten "Urania-Tempel",
noch etwa 20 m weiter entlang des Weges errichtet. Die
Konstruktion war einer heutigen Sternwarte ähnlich, verfügte
anstelle einer drehbaren Kuppel jedoch über 8 Klappen, die
einzeln geöffnet werden konnten und jeweils ein Sehfeld von
45' freigaben. Hier war die Position des 10-füßigen
parallaktisch montierten Dollonds, der Planetenbeobachtungen am
hellen Tage ermöglichte. Dieses Instrument sowie das
hervorragende 7-füßige Herschelsche Teleskop wurden
wegen der Ruhe und der gegen die Winde geschützten Loge
bevorzugt von Bessel zu Beobachtungen eingesetzt. Noch 1995 wird
der Heimatverein im Amtsgarten die alte Schroetersche Sonnenuhr
aus dem Jahre 1731 wieder aufstellen können.
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- Nunmehr folgen wir dem Weg im Amtsgarten zum Westgiebel der
Klosterkirche. Hier liegt vor der alten Kirchhofsmauer das Grab
Schroeters. Geboren am 30. August 1745 in Erfurt, verstarb der
Astronom am 29. August 1816 in Lilienthal und wurde am 6.
September zur letzten Ruhe gebettet.
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 Der
Grabstein Schroeters am Westeingang der Klosterkirche, errichtet
auf der genauen Grabposition.
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Errichtet als Familiengrab,
nahm es später auch seine Frau Ahlke Lankenau, seinen Sohn
Johann Friedrich und Frau Dorothea, Schroeters Schwester
Elisabeth sowie ein früh verstorbenes Enkelkind auf. Der
Heimatverein errichtete 1956 den neuen Gedenkstein.
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- Wir verlassen nun die Klosterkirche, deren erste Orgel
seinerzeit von Schroeter beschafft wurde und folgen der
gegenüberliegenden Sternwartestraße zum Konventshof.
Sie führt zur 1964 errichteten Schroeter-Schule.
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Deren südliche Giebelwand
ziert ein von Richard Eggers aus Jork geschaffenes Schroeters in
Sgraffito, das die astronomische Arbeit Schroeters würdigt.
Es zeigt vor einem Beobachter die Sonne mit den Planeten Merkur,
Venus, Mars und Saturn, die Erde mit ihrem Mond sowie die
Entstehung einer Sonnen- und Mondfinsternis.
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Das
Sgraffito über die Arbeiten Schroeters am Südgiebel der
Schroeter-Schule in Lilienthal am Konventshof.
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- Ein kurzer Abstecher zur Wörpe in Richtung Lilienthaler
Gehölz führt zum 1800 von Schroeter für das "Bad
Lilienthal errichteten Badehaus. 1804 wollte auch Goethe
hier eine Kur durchführen und dabei die große
Sternwarte besichtigen. Ein Lilienthaler Spiegelteleskop und das
große Mondwerk waren zuvor schon beschafft worden. Krieg
und nachfolgende Schließung der Einrichtung verhinderten
jedoch die Reise.
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- Weiter geht es jetzt, dem Konventshof folgend, zur Lilienthaler
Hauptstraße, die links an der Fußgängerampel
überquert wird und zum gegenüberliegenden
"Amtmann-Schroeter-Haus" führt. Der Astronom
errichtete es 1791 auf dem "Hohen Lande" für seine
Frau Ahlke, den 5-jährigen Sohn Johann Friedrich und seine
Schwester Elisabeth, die ihm auch im Amtshaus an der Wörpe,
seiner Dienstwohnung, den Haushalt führte. Die beiden
vorderen Fenster rechts kennzeichnen das Sterbezimmer des
Astronomen, an den auch eine Gedenktafel beim Eingang erinnert.
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Das alte Pfarrhaus in Trupe mit
dem Hinweis auf den Brand Lilienthals am 21. April 1813 und den
"Beamten H. Schroeter', unter dessen Leitung der
Wiederaufbau Lilienthals erfolgte.
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 Das
private Wohnhaus Schroeters in Lilienthal, Hauptstr. 63, genannt
Amtmann-Schroeter Haus -
 Gedenktafel
am Amtmann-Schroeter-Haus. -
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- Etwas außerhalb in Richtung Bremen, ist in etwa 500 m
Entfernung in Trupe das alte Lilienthaler Pfarrhaus zu erreichen.
Hier lebte Georg Tischbein, Schroeters Kupferstecher, der 1791
die Tochter des Pastoren Pfannkuche heiratete. Die Inschrift am
Giebelbalken erinnert an den großen Brand von Lilienthal,
das am 21. April 18 13 nahezu vollständig zerstört
wurde. Die große Sternwarte jedoch blieb verschont. Die
Inschrift weist auch den "Beamten J. H. Schroeter" als
Verantwortlichen für den Wiederaufbau im Jahre 1814 aus.
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 Das
alte Pfarrhaus in Trupe mit dem Hinweis auf den Brand Lilienthals
am 21. April 1813 und den Beamten J. H. Schroeter,
unter dessen Leitung der Wiederaufbau Lilienthals erfolgte.
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- Vom "Amtmann-Schroeter-Haus" folgen wir der
gegenüberliegenden Straße Im Bruch. Im
Hause Nummer 1 lebte der Zimmermeister Brüning, der auch in
der Inschrift erwähnt wird und für Schroeter die
Holzkonstruktion der großen Sternwarte erstellte. Daran
anschließend, schon wieder Klosterstraße 11, wohnte
der Landvermesser des Lilienthaler Oberamtmanns, der Geometer
Werner.
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- Die Straße in gerader Richtung überquerend folgen
wir nun dem "Arpsdamm", der zum Ende der Exkursion
wieder an die südliche Seite des Amtsgartens führt und
nach dem Bauern Arps benannt ist. Seine beiden Töchter
heirateten die Gehilfen Schroeters: den Amtsgärtner und
Spiegelschleifer Harm Gefken und den Amtskutscher und späteren
Kupferdrucker Arend Harjes. Beide erhielten neben der Sternwarte
ein Grundstück zum Hausbau und blieben daher jederzeit für
Schroeter erreichbar.
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 Das
Siegel der am 20. September 1800 auf der Lilienthaler Sternwarte
gegründeten ,Astronomischen Gesellschaft". -
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Auf der gegenüberliegenden
Wörpeseite befindet sich die in den 70er Jahren errichtete
Wohnsiedlung Butendiek, deren Straßen die Namen der mit
Lilienthal verbundenen Astronomen tragen: Schroeter, Hording,
Bessel, Olbers, Gauß, und auch die von Lichtenberg und J.
C. Findorff.
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Schließlich ist noch zu
erwähnen, daß im Foyer des Lilienthaler Rathauses das
vom Grasberger Maler H, . VV. Vogt-Vilseck geschaffene Gemälde
von der Gründung der "Astronomischen Gesellschaft"
am 20. September 1800 auf der Lilienthaler Sternwarte zu
besichtigen ist, und zugleich auch die Portraits der Lilienthaler
Astronomen Schroeter, Olbers, Hording und Bessel. Sie
dokumentieren die Blütezeit der Astronomie zwischen 1780 und
1850, die mit der in Lilienthal eingeleiteten Entdeckung der
Kleinen Planeten ihren Anfang nahm und 1846 zur Auffindung des
Großplaneten Neptun führte. Ebenso finden wir dort das
Siegel der ersten Astronomischen Gesellschaft, das
wie der Panetoidenstein beim Planetenlehrpfad in Hude von dieser
Arbeit Zeugnis ablegt. Von ihr schrieb Franz v. Zach 1799:
Herschels und Schroeters Namen werden wie Castor und Pollux
am Himmel glänzen, solange Sterne am Firmamente funkeln.
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Dieter Gerdes (Text und Photos)
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Weitere Auskünfte erteilen
Ihnen gern der Heimatverein Lilienthal e.V. unter Tel.: 0 42 98
-4744 und 10 44 sowie das Kultur- und Verkehrsamt der Gemeinde
Lilienthal unter Tel.: 042 98 - 92 9118

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Heimatmuseum 2 - Gedenkstein, 1785 3 - 27-füßiges
Teleskop 1793 4 - Teleskop (20 Fuß), 1807 5 -
Urania-Tempel, 1795 6 - Grab Schroeters, 1816 |
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- Sgraffito, 1964 8 - Ehem. Badehaus, 1800 9 -
Amtmann-Schroeter-Haus, 1791 10 - Pfarrhaus in
Trupe, 1814 11 - Zimmermeister und Geometer 12 - Harm Gefken
und Arend Hatjes
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