L A N D S C H A F T S V E R B A N D     S T A D E :   F A L T B L A T T    1 9


Landschaftsverband Stade: Hier folgen Text, Bilder und (am Ende) ein Tourenplan des Faltblattes Nr. 19 aus unserer Reihe „Wege in die Kulturlandschaft zwischen Elbe und Weser“:






Die Mitte des Landkreises Rotenburg birgt viele archäologische, Denkmale von der Steinzeit bis zum Mittelalter. In der historschen Reihenfolge bietet sich dem interessierten Besucher eine Tagesfahrt mit Fahrrad oder Auto von Steinfeld Über Oldendorf Zeven bis noch Sittensen an.


Groß-Steingrab im Steinfelder Holz


1. Im Dorfe Steinfeld führt ein Wegweiser zum ersten urgeschichtlichen Steingrab. Die aus gewaltigen Findlingen errichtete Grabkammer zeigt eine Besonderheit: Sie erstreckt sich in Nord Südrichtung und besitzt einen Eingang auf der Westseite. Sämtliche sonst bekannten Megalithgräber haben den Eingang auf der Südseite und sind überwiegend in Ost-Westrichtung angelegt. Wer die Steine genauer betrachtet, erkennt, daß es die steinzeitlichen Erbauer vor 4000 bis 5000 Jahren nicht nur verstanden, die Findlinge zu transportieren und übereinander zu legen, sondern auch zu spalten und die Form zurechtzuschlagen.

Bau eines Megalithgrabes

Die Innenseiten der senkrecht stehenden Wandsteine zeigen Spaltflächen und Bearbeitungsspuren. Aus einem Stein ist vielleicht zufällig ein rechter Winkel herausgeschlagen. Ein Zwischenmauerwerk aus gebrochenen Granitquadern und -platten verschloß sämtliche Lücken zwischen den großen Steinen.
Ursprünglich war die gesamte Anlage von außen mit Lehm verstrichen und von einem Erdhügel überwölbt. Ein Kriechgang führte von außen durch den Hügel in die Kammer. Ausgrabungen an anderen Orten zeigten, daß in den Megalith- oder Großsteingräbern mehrere oder viele Bestattungen vorgenommen wurden. Es handelte sich also um regelrechte Gruften In den durchlässigen, vielfach sauren Sandböden unseres Raums haben Gebeine nicht überdauert. Lediglich wenige Tonscherben mit sogenannter Tiefstichverzierung waren von den Grabbeigaben erhalten. Die archäologische Untersuchung erbrachte den Nachweis eines runden, leicht ovalen Grabhügels, der von einer Findlingsmauer eingefaßt war, wie sie bei unserem zweiten Besuchsobjekt noch erhalten ist.


Groß-Steingrab Spachelsberg

2. Wir kehren zurück in das Dorf und folgen der Landstraße Richtung Zeven, Genau nach 1000 m Fahrt sehen wir das zweite Großsteingrab unmittelbar rechts neben der Straße in einem kleinen Wäldchen, Die Findlinge der Grabkammer weisen eine geringere Größe auf als die der Anlage im Steinfelder Holz. Auf 10 Trägersteinen ruhten 4 große Findlinge als Decksteine, von denen einer völlig fehlt, während von einem weiteren nur zerschlagene Bruchstücke vorhanden sind.

Grundriß eines Steingrabes.

Die Gruft ist von einem Erdhügel umgeben, der ursprünglich die ganze Anlage kuppelförmig überwölbt hat. Vorhanden sind auch noch 2 Steine eines Gangs, der von außen durch den Erdhügel in das Innere führt. Aus der Steinzeit stammen ebenso noch die untersten Schichten des ZwickeImauerwerks zwischen den Tragsteinen der Grabkammer.
Eine Mauer aus zwei Meter hohen Findlingen, jeweils mit einer flachen Seite außen, umgibt den Grabhügel. Da nicht mehr alle Decksteine der Grabkammer erhalten sind, besitzt der Hügel anstelle der gewölbten Kuppe eine Mulde, durch die man von oben auf die Gruft schauen kann. Jeder Besucher kann sich leicht vorstellen, wie gewaltig der Hügel gewirkt haben muß, wenn der Betrachter vor einer übermannshohen Mauer stand und sich darüber noch die halbkugelige Kuppe wölbte.

Querschnitt eines Steingrabes.

Die Steingräber wurden von den Menschen errichtet, die in Norddeutschland als erste Ackerbau und Viehhaltung übernahmen. Von jener Zeit (in war die bäuerliche Wirtschaftsweise durch sämtliche Epochen bis zum Beginn des Industriezeitalters vor 150 Jahren die Lebensgrundlage der meisten Menschen. Noch der typischen Keramikform nennt man die Epoche der Steingräberzeit Trichterbecherkultur.

Trichterbecher.

Die Steinalkenheide

3. Wir fahren die Straße weiter in Richtung Zeven durch das Hemelsmoor und biegen in Brümmerhof links ab Richtung Oldendorf. In Oldendorf folgen wir gleich nach dem Ortsschild dem ersten Weg links, bis er am Ende links abbiegt. Wir folgen der Biegung und erreichen nach 750 m das vom Landkreis gepachtete Denkmal- und Landschaftsschutzgebiet Steinalkenheide.
Alken nennt man in verschiedenen Teilen Niedersachsens gelegentlich zwergenhafte Geister. Dabei sind meistens vorgeschichtliche Gräber in unmittelbarer Nachbarschaft solcher Überlieferung vorhanden. Deshalb mag der Name Alken ursprünglich einmal die verstorbenen Ahnen oder Seelen der Toten bezeichnet haben. Hier zwischen 0ldendorf und Badenstedt finden wir neben den Überresten eines Großsteingrabes noch 74 Hügelgräber unterschiedlicher Größe.

Gräberfeld auf der Steinalkenheide.

Es handelt sich um den größten erhaltenen Hügelfriedhof im Landkreis Rotenburg. Vermutlich haben wir es nur mit dem kleinen Rest einer ehemals vielfach größeren Anzahl zu tun.
Grabhügel unterschiedlicher Formen und Ausmaße vom jungsteinzeitlichen Steingrab, einem Steinkistengrab aus dem Übergang von Jungsteinzeit zu Bronzezeit und Hügeln der Bronze- und Eisenzeit zeigen, daß sich an diesem Platz mehr als 1000 Jahre Besiedlung nachweisen läßt. Zwei Erklärungstafeln geben dem Besucher nähere Hinweise.


Kloster Zeven

4. Von der Steinalkenheide geht es denselben Weg zurück bis Oldendorf. Dann folgen wir der Straße durch das Dorf und erreichen auf der Bundesstraße die Stadt Zeven, bis 1932 Sitz des ehemaligen Landkreises Zeven. In der Stadtmitte liegt in einer Grünanlage am Bachlauf der Ahe oder Mehde die heutige Pfarrkirche und frühere Klosterkirche St. Viti. Um 1141 oder wenige Jahre später wurde das Kloster von Heeslingen hierher verlegt.

Im letzten Gebäude des früheren Klosters finden wir das Kloster- und Heimatmuseum. Bedeutsam sind spärliche Reste von Wandbemalung aus der Klosterzeit (um 1623). Eine kleine Ausstellung ur- und frühgeschichtlicher Funde ist vor allem für den Besuch von Schulklassen gestaltet.

Im Obergeschoß zeigt eine besondere Abteilung Werk und Wirken des bedeutenden Künstlers, Fotografen und Altertumsforschers Hans Müller-Brauel (1867 - 1940). Der vielseitige Autodidakt hat als erster Forscher Holzeinbauten und hölzerne Einfassungen an und um Hügelgräber entdeckt. Er war auch der erste, der erkannte, daß zwei archäologisch erfaßbare Kulturgruppen - nämlich die der Großsteingräber und die der Schnurkeramik (Einzelgrabkultur) - in der Bronzezeit verschmolzen und daraus die germanische Kultur entstanden sein muß.

Der Heimat- und Altertumsforscher Hans Müller-Brauel

Hügelgräber bei Offensen

5. Bringen wir genügend Zeit mit, fahren wir auf der Bundesstraße 71 nach Norden und biegen gleich nach der Oste-Brücke rechts ab Richtung Offensen - Heeslingen. 150 m noch dem Ortsausgang von Offensen fahren wir hinter einem kleinen Waldstück rechts ob und finden rechts in diesem Wald einen Hügelgräberfriedhof der Bronzezeit, zu dem eine Erklärungstafel vor Ort nähere Auskünfte gibt.

Die Heilsburg bei Heeslingen

6. Unsere Fahrt führt weiter über Heeslingen noch Weertzen. In Heeslingen stand einst das Benediktinerinnenkloster, das um 1141 nach Zeven verlegt wurde. Nach unsicherer Überlieferung soll ein Graf Haddo oder Hed das Kloster gegründet haben. Die Heeslinger Kirche (vgl. Titelbild oben), aus Findlingssteinen erbaut, zeigt noch in wesentlichen Teilen romanischen Stil. Um das Jahr 973 wurde die erste steinerne Kirche anstelle einer älteren Holzkirche in Heeslingen erbaut.

Kirche in Heeslingen, Querschnitt.


Die Burg des Adligen

7. Die Burg des Adligen dürfen wir in dem erhaltenen Burgwall “Heilsburg” vermuten, der zwischen Heeslingen und Weertzen neben dem Gutshof Adiek am Röhrsbach liegt. Der eindrucksvolle Burgwall liegt halbkreisförmig am Rande des Bachtals, wobei das Steilufer im Norden Wall und Graben ersetzt. Einen Teil des südlichen Halbrunds umschließen noch zwei Wälle und zwei Gräben von immer noch beeindruckender Tiefe. Diese sonst ungewöhnliche Doppelbefestigung finden wir noch gewaltiger nur bei der Monsilienburg im Landkreis Cuxhaven.

Von der Heilsburg sind leider große Abschnitte der Befestigung eingeebnet. Die gesamte Anlage bedeckt dichter Wald. Das Naturschutzgebiet hat keine Zuwegung. Geländeerprobte Wanderer erreichen die Burg von Weertzen aus. Man folgt der Straße westlich der Oste - Brücke parallel zum Fluß nach Norden sowie der Fortsetzung als Feldweg. Am Ende des Weges geht man auf ungebahntem Gelände auf der Böschung des Flußufers.


Loge der Heilsburg und der historischen Stätten um Heeslingen.

Der Burgwall beim Königshof in Sittensen

8. Einfacher ist der nächste Burgwall bei Sittensen zu erreichen. Im Ort folgen wir der Königshofallee bis zum Ende. Der große Bauernhof führt seit dem Mittelalter den Namen Königshof. Der Name und die unmittelbare Nahe zum Burgwall deuten auf einen frühen Stützpunkt und Verwaltung für die königlichen Besitzungen. Urkunden über die Besitzverhältnisse vor dem 13. Jahrhundert liegen nicht vor. Der später durch Sittensen führende Fernverkehrsweg laßt vermuten, daß auch schon Karl der Große auf dem Weg nach Hollenstedt hier die Oste überquerte, wo bereits um Christi Geburt beiderseits des Flusses in geringer Entfernung voneinander drei germanische Dorfsiedlungen bestanden.


Burgwall beim Königshof.

Der nur teilweise erhaltene Ringwall lag ähnlich wie die Heilsburg halbkreisförmig am Oste- Ufer. Der Halbkreis zeigt in beiden Fällen eher eine U-Form, fast ein Rechteck mit abgerundeten Ecken. Die Maße des lnnenraums betragen ungefähr 75 x 120 m.

Dr. Wolf -Dieter Tempel





1 - Großsteingrab im Steinfelder Holz
2 - Großsteingrab im Spachelsberg bei .....Steinfeld
3 - Vorgeschichtlichliches Gräberfeld
4 - Museum Kloster Zeven

5 - Hügelgräber bei Offensen
6 - Romanische Feldsteinkirche in .....Heeslingen

7 - Burgwall Heilsburg
8 - Burgwall beim Königshof in .....Sittensen


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