L A N D S C H A F T S V E R B A N D     S T A D E :   F A L T B L A T T    1 8


Landschaftsverband Stade: Hier folgen Text, Bilder und (am Ende) ein Tourenplan des Faltblattes Nr. 18 aus unserer Reihe „Wege in die Kulturlandschaft zwischen Elbe und Weser“:

Von Worpswede durch das Teufelsmoor


Einsam ragt der Weyerberg in Worpswede aus der Niederung des Teufelsmoores, dem größten Moorgebiet Nordwestdeutschlands, hervor. Wie aber kommt ein Berg ins Moor? Und warum ist das Teufelsmoor heute nicht mehr gefährlich und geheimnisvoll? Antworten auf diese und andere Fragen zur Landschaft und Geschichte bietet Ihnen eine abwechslungsreiche Radtour.

Bevor wir die Tour beginnen, ein paar Worte zur Entstehung dieser Landschaft am Ende der Saale Eiszeit vor ca. 100.000 Jahren.
Aus einem Gletschertor bei Gnarrenburg flossen gewaltige Schmelzwasserströme des Gletschers noch Süden hin ob. Sie spülten die sandigen Ablagerungen der vorangegangenen Eiszeit in das Weserurstromtal. So wurde die ehemals durchgehende Geestplatte zwischen den heutigen Orten Osterholz-Scharmbeck im Westen und Tarmstedt im Osten zerteilt.
Der Weyerberg blieb als Rest in der Mitte der Niederung stehen, weil er einen Kern aus Ton hat, der von den SchmeIzwasserströmen nicht abgetragen werden konnte.


Blick auf den Weyerberg.

Mit der Klimaerwärmung vor ca. 10.000 Jahren kehrten Pflanzen und Tiere zurück. Das Eis der Gletscher taute ab und der Meeresspiegel stieg an. Es kam immer häufiger zu einem Rückstau von Überschwemmungswasser in das Teufelsmoorbecken. Unter diesen wasserreichen Bedingungen konnten sich ab ca. 6000 v. Chr. zunächst Niedermoore in der Niederung ausbreiten. Dort, wo auch im Sommer das Wasser hoch stand, wuchsen Schilfröhrichte und Seggenrieder, am Rande der Überschwemmungsgebiete Bruchwälder. Die absterbenden Pflanzen fielen ins Wasser und wurden zu Torf. Um ca. 3000 v. Chr. war das ganze Tal von bis zu 2 m mächtigen Torfen bedeckt und wurde von Hamme, Wörpe und ihren zahllosen Nebenarmen und Seitenbächen durchflossen.
Erst mit einer leichten Klimaabkühlung und einem Nachlassen der Überschwemmungen wuchsen dann auf den flußfernen Flächen auch Hochmoore auf. Sie bildeten zunächst den stark zersetzten Schwarztorf der später als Brenntorf für die Menschen im Teufelsmoor wichtig wurde. Als das Großklima um 500 v. Chr. weiter abkühlte, gewannen die Torfmoose auf den Hochmooren die Oberhand und bildeten nun einen nur schwach zersetzten Torf, den Weißtorf. Insgesamt haben die Hochmoore bis zu 12 m mächtige Torfkörper aufgebaut. So entstand im Laufe der letzten 8000 Jahre zwischen Bremen und Bremervörde das größte zusammenhängende Moorgebiet Nordwestdeutschlands.

1. Unsere Tour startet auf dem Weyerberg. Hier wuchs vor der Besiedlung durch den Menschen ein Eichen-Mischwald mit Birken, Kiefern und teilweise auch mit Buchen. Durch Brenn- und Bauholznutzung, Waldweide und Rodung wurde der Wald auf dem Berg immer weiter aufgelichtet. Die Steuerlast im Dreißigjährigen Krieg ( 1618 - 48) zwang die Bauern, mehr als 4000 alte Eichen auf dem Weyerberg zu fällen und zu verkaufen. Anstelle des Waldes breitete sich die Heide immer weiter aus. Sie wurde beweidet und geplaggt, d.h. abgestochen, im Stall eingestreut und dann als Dünger auf die kleinen Äcker ausgebracht.
Die Marcusheide mitten im Ort Worpswede ist der letzte erhaltene Rest der Heide, die vor ca. 150 Jahren noch das gesamte Landschaftsbild bestimmte.


Die Marcusheide

2. Von der Marcusheide fahren wir durch die Straße „Im Schluh“, den „Ernst Licht Weg“ und den „Bergedorfer Utdamm“ den sanft abfallenden Hang des Berges hinunter, bis wir zur Ortschaft Bergedorf gelangen. Hier grenzt das Lange Moor an den Fuß des Weyerberges. Die Landschaftsbezeichnung "Moor" mag bei manchem Besucher falsche Erwartungen wecken, denn schwankende Torfmoosflächen sind hier nicht mehr zu finden. Das Lange Moor ist im biologischen Sinne kein Hochmoor mehr. Vom Hochmoor sind nur kleinste Teilflächen übrig geblieben, die alle mit Birken, Kiefern und Eichen zugewachsen sind. Über 80% der Moorfläche im Langen Moor sind heute Grünland.
Die riesigen unzugänglichen Moore widerstrebten lange Zeit der Nutzung durch den wirtschaftenden Menschen. Erst um 1751 begann die systematische Kolonisierung der gesamten Teufelsmoor - Niederung unter dem Moorkommissar Findorff (1720 - 92). In dieser Zeit sind die Ortschaften Bergedorf, Schlußdorf und Mevenstedt gegründet worden, die wir auf unserer Tour durchradeln. Unter Findorffs Anleitung wurden die Hauptentwässerungsgräben als Schifffahrtskanäle ausgebaut.


Jeder Kolonist bekam 13 Hektar Moorland zugeteilt. Der Torfabbau war für die Moorsiedler für lange Zeit die wichtigste Erwerbsquelle, denn die Erträge von kultiviertem Acker- und Grünland auf Hochmoorboden waren ohne systematische Düngung nicht ausreichend. Erst die gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte Deutsche Hochmoorkultur und die Mineraldüngung stellte den Moorbauern eine rentable Methode zur Grünlandnutzung zur Verfügung.
Die Findorff-Siedlungen stellen eine einzigartige Siedlungsstruktur dar, die ihren besonderen Reiz durch die von Birken und Schiffgräben gesäumten, schnurgeraden Dorfstraßen erhält. Durch unangepaßte Neubauten und Wirtschaftsgebäude verlieren diese Moordörfer allerdings immer mehr ihr historisches Gesicht.

Grünland und birkengesäumte Wege prägen des Bild des Langen Moores.

3. Die Geschichte der Torfschiffahrt ist in dem Torfschiffswerftmuseum in Schlußdorf sehr anschaulich dargestellt. Die Kanäle waren die ersten Verkehrswege im Hochmoorgebiet. In ihnen mußte das Wasser mit hölzernen Stauwehren gehalten werden, da es im Hochmoor keine Quellen gibt, die ständig Wasser nachliefern. Parallel zu den Kanälen wurden aus dem Aushub Dämme gebaut, die zum Ziehen der Kähne und zum Schieben von Handkarren ausreichend trittfest waren.

4. Nach dem Besuch des Museums fahren wir in Schlußdorf weiter, bis gegenüber von Hof Nr. 80 links ein Sandweg nach Winkelmoor abbiegt. Am Ende von Winkelmoor biegen wir in die Möwenstraße ein. Sie ist noch in der traditionellen Form mit Moorklinkern gepflastert, wie früher alle Straßen im Teufelsmoor. Der Ton für diese Klinker wurde am Weyerberg abgebaut. Die bekannteste Lehmkuhle ist der Teich mit der Insel am Barkenhoff.
Die Möwenstraße mit dem traditionellen Moorklinkerpflaster.
Die Pionierbrücke an der Mündung der Umbeck in die Hamme

Die Möwenstraße mit dem traditionellen Moorklinkerpflaster.

Am Ende der Möwenstraße erkennt man beim Überqueren des Mevenstedter Schiffgrabens noch den Treidelpfad zum Ziehen der Torfkähne am östlichen Ufer. Die Möwenstraße hat wie der Ort Mevenstedt ("Möwenstätte") ihren Namen von einem See, der hier im Moor log und als Quellsee die Um

5. Die Umbeck wurde bereits 1786 zum Schiffahrtskanal begradigt und ausgebaut und stellte die wichtigste Verbindung der Moordörfer östlich des Weyerberges zur Hamme dar. Entlang der Umbeck fahren wir aus dem Langen Moor in die Hammeniederung. Heute ist die Umbeck, wie fast alle ehemaligen Schiffgräben im Langen Moor, durch die intensive Landwirtschaft ein sehr stark verschmutzter Gewässerlauf. Über die Pionierbrücke schieben wir das Rad und gelangen auf die andere Seite der Hamme. Bald erreichen wir die Ortschaft Teufelsmoor, die der ganzen Niederung ihren Namen gegeben hat.


Die Pionierbrücke an der Mündung der Umbeck in die Hamme


6. Das Dorf Teufelsmoor ist eines der ältesten in der Niederung und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die Höfe wurden auf Wurten erbaut und werden heute von imposanten Eichen eingefaßt. Sie liegen am Rande des Überschwemmungsbereichs der Hamme. Von ihnen ging die Urbarmachung sowohl der flußnahen Niedermoore als auch der rückwärtig gelegenen Hochmoore aus.

Teufelsmoorhof.

Hinter dem Ort Teufelsmoor erstreckt sich bis zur Osterholzer Geest ein weiteres Hochmoorgebiet, das anders als das Lange Moor nicht vollständig kultiviert wurde. Noch heute ist über die Hälfte des Hochmoores ungenutzt mit Resten der hochmoortypischen, torfbildenden Pflanzengesellschaften. Mehrere Gebiete wurden bereits unter Schutz gestellt. Aufgrund seiner günstigen Lage zwischen den natürlichen Wasserwegen Hamme und Beek war der Ort Teufelsmoor über lange Zeit der wichtigste Torflieferant für die Stadt Bremen. Die Teufelsmoorstraße fahren wir bis hinter den Hof Nr.2 und biegen dort wieder noch links in einen Sandweg ein.

7. Das Niedermoor entlang der Hamme wurde weitgehend zu Grünland kultiviert. Der typische Charakter einer Flußniederung mit ausgedehnten Sümpfen und flachen Seen ist nur noch im Naturschutzgebiet „Breites Wasser“ erhalten. Im Winter treten Hamme und Beek regelmäßig über die Ufer und überschwemmen die Niederung auf bis zu 3.000 ha. Dann sammeln sich tausende von Schwänen, Gänsen und Enten auf diesem riesigen Flachwassersee. Sie machen hier Station auf dem Weg in die nordischen und arktischen Brutgebiete.


Balzende Zwergschwäne in der überschwemmten Hammeniederung.

Wenn im Frühjahr die Überschwemmungen zurückgehen, kommen die Wiesenvögel wie Kiebitz, Bekassine und Uferschnepfe und sind mit ihren Balzrufen weit in der Niederung zu hören. Greifvögel wie die Wiesenweihe segeln flach über die nassen Wiesen, auf denen Sumpfdotterblumen und Wiesenschaumkraut blühen. Doch diese Idylle ist trügerisch, denn durch die immer frühere Mond der Wiesen werden viele Bruten der Wiesenvögel zerstört. Seit einigen Jahren geht ihr Bestand drastisch zurück. Viele Feuchtwiesenpflanzen kommen nur noch an den Grabenrändern vor. Bei Neu Helgoland queren wir wieder die Hamme und erreichen über den Hammeweg Worpswede und den Weyerberg.


Eine alte Torfschiffergaststätte: Melcher's Hütte.

Dr. Hans-Gerhard Kulp (Biologische Station Osterholz)
Fotos: K. Finken, H.G. Kulp, E. Ludwig



1 - Die Marcusheide
2 - Das lange Moor
3 - Das Torfschiffswerftmuseum
4 - Die Moorklinkerstraße in .....Mevenstedt

5 - Die Umbeck
6 - Die Ortschaft Teufelsmoor

7 - Naturschutzgebiet „Breites Wasser“
P - Parkplatz und Information an der .....Bergstraße

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