Historisches
Zentrum der Pferdezucht und des Pferdesports Verden (Aller)


Es kommt schon einmal
vor, daß ein Ortsunkundiger den Namen der norddeutschen
Kreisstadt mit PF statt mit V schreibt. So
eng ist die Verbindung Verdens zum Pferd nun doch nicht.
- Gleichwohl trägt
Verden den Beinamen Reiterstadt" keineswegs zu
Unrecht, wie sich an zahlreichen Ereignissen und Veranstaltungen
immer wieder Jahr für Jahr zeigt. Dieses Faltblatt möchte
Sie zu den markantesten Punkten der Pferde- und Reiterstadt
führen und dabei etwas über die Geschichte erzählen.
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Jeder Rundgang sollte an dem der Stadt gegenüberliegenden
Allerufer beginnen. Falls Sie mit dem PKW anreisen, bietet sich
der Parkplatz an der Reeperbahn an ("P2 - Zentrum" im
Parkleitsystem). Über die Südbrücke erreichen Sie
das gegenüberliegende Allerufer. Dort erschließt sich
die Altstadt in ihrer ganzen Länge mit den Türmen der
Johanniskirche, des Rathauses, des Doms und der Andreaskirche.
Davor erstreckt sich weites Grasland zwischen den beiden Armen
der Aller. In den Sommermonaten sind hier weidende Pferde zu
beobachten. Hier finden Sie den ersten Hinweis auf die besondere
Verbindung Verdens zum Pferd, es ist die naturräumliche Lage
der Stadt in dem fruchtbaren Marschgebiet der Aller und Weser.
Dieses Land ist wie geschaffen für die Pferdezucht, die hier
eine jahrhundertelange Tradition hat. Auf diesen Wiesen fanden im
19. Jahrhundert auch Pferderennen statt. Die Bahn wurde
abgesteckt, ein paar Zelte oder Buden wurden aufgeschlagen, eine
Militärkapelle spielte auf, und eine große Menge fand
sich zum Renntag ein, der damals krönender Abschluß
der Tierschau war.
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Wir nehmen den Weg über die schmale Südbrücke
zurück in die Altstadt, in das Fischerviertel mit seinen
kleinen Häusern und engen Gassen. In der Strukturstraße
stehen wir vor dem reich verzierten Ackerbürgerhaus von
1577, einem der schönsten Fachwerkhäuser Verdens. Hier
befindet sich eine Bibliothek mit etwa 13.000 Bänden,
teilweise uralt und - wie könnte es anders sein - nur über
Pferd und Reiterei.
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Für nahezu jede Frage, die
sich im Umgang m Pferden auftun kann, gibt es dort ein Buch; von
den "Enthüllten Geheimnissen der Pferdehändler und
Roßtäuscher' bis zur Anleitung zur Beurteilung des
Pferdeheus'. Wer besonderes Interesse hat, ode gar eine
wissenschaftliche Arbeit schreiben will oder muß, kann sich
telefonisch einen Termin geben lassen und diese Bibliothek
nutzen.
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 Ackerbürgerhaus,
Strukturstraße 7 Pferdekundliche Bibliothek -
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Die Bibliothek gehört zum Deutsche Pferdemuseum, welches wir
nach wenige Schritten die Strukturstraße hinauf
erreichen(Mittlerweile ist das Museum an den Holzmarkt, ganz in
der Nähe des Bahnhofs, siehe Karte unten, umgezogen). Das
Museum befand sich in einem großzügig angelegte
Beamten- und Offizierswohnhaus aus dem 18. Jahrhundert. Davor
jedoch ragte das lebensgroße Monument des Tempelhüter
empor. Er war ein bedeutender Zuchthengst im bekanntesten
deutschen Gestüt Trakehnen in Ostpreußen. 1932 wurde
die Originalskulptur vor dem dortigen Landstallmeisterschloß
aufgestellt. Der Verdener Tempelhüter ist der einzige
vorbildgetreue Abguß des seit 1945 in Moskau stehenden
Originals.
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 Ehemaliges
Deutsches Pferdemuseum mit Skulptur Tempelhüter. -
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Das Pferdemuseum ist
einzigartig in Deutschland. Sie erfahren dort etwas von der engen
und historisch hochbedeutsamen Beziehung des Menschen zum Pferd,
die sich in einer eigenen Kultur niederschlug und in vielen
Dingen -vom Gemälde bis zum kunstvoll gearbeiteten
Steigbügel - sichtbar wird. Die Ausstellung zeigt darüber
hinaus anhand historischer Objekte, Modelle und Dioramen die
Geschichte der Pferdezucht und des Pferdesports. Hierhin gehören
auch die großen Verdener Reitturniere der Zeit vor dem
Zweiten Weltkrieg. Verden stand damals nach Berlin und Aachen an
dritthöchster Stelle im Turnierkalender und entwickelte sich
zur Reiterstadt. Wir werden beim weiteren Stadtrundgang darauf
zurückkommen. Zunächst noch die Öffnungszeiten des
Deutschen Pferdemuseums: Dienstag bis Sonntag von 9.00 bis 16.00
Uhr.
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Nach einem Abstecher in den Dom
gehen wir durch die Fußgängerzone bis zum Rathaus und
von dort zurück zum Parkplatz an der Reeperbahn. In der
Fußgängerzone begegnen wir zwei "munteren"
Bronzefohlen, kein Denkmal, eher ein Symbol für die
Reiterstadt und beliebte Spielkameraden für die Kinder.
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 Reitschule
am Lönsweg. -
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Die nächste Station unseres Rundgangs ist die "alte
Niedersachsenhalle', die heutige Hannoversche Reit- und
Fahrschule. Deren Architektur - monumental in die Breite
ausladend und mit wuchtigem Mittelbau - gemahnt an die Zeit des
"Dritten Reichs''. In der Tat, zunächst entstand 1936
die dahinterliegende Viehhalle, dann 1938 der davorgelagerte
Empfangs- und Gaststättenkomplex. Ursprünglich sollte
das Gebäude als Stadthalle dienen. 1949 organisierte hier
Hans Joachim Köhler die erste hannoversche Elite-Auktion.
Damit beschritt er neue Wege der Pferdevermarktung, die den von
der Mechanisierung durch Auto und Traktor bedrohten Züchtern
ihr Auskommen sicherten. Das Neuartige daran war, daß die
Pferde nicht einfach vom Züchter angeliefert werden konnten,
sondern von einer Kommission nach strengen Qualitätsmaßstäben
ausgesucht wurden und anschließend zum vorbereitenden
Training in das Auktionszentrum kamen. Illustre Gäste wie
die Gebrüder Schockemöhle oder Josef Neckermann hielten
hier nach erfolgversprechenden Sportpferden Ausschau. Heute
bietet die Reit- und Fahrschule des Verbandes Hannoverscher
Warmblutzüchter ein umfangreiches Lehrgangsprogramm für
alle Ebenen reiterlicher Qualifikation.
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Auf dem Weg zum nächsten Ziel entdecken wir am Lönsweg
eine Besonderheit: Zwischen Baumreihen und Bürgersteig führt
ein mit Verkehrszeichen beschilderter Reitweg in den Stadtwald,
der hauptsächlich den Schülerinnen und Schülern
der Reit- und Fahrschule dient.
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In der (neuen)
Niedersachsenhalle befindet sich die Pferdeausbildungs- und
-absatzzentrale des Verbandes Hannoverscher Warmblutzüchter.
Bis zu 160 "Hannoveraner` können in den Ställen
untergebracht werden. Jährlich finden hier acht
Pferdeauktionen sowie weitere tierzüchterische
Veranstaltungen und ein großes Hallenreitturnier statt.
Herausragende Ereignisse sind die Eliteauktionen in jedem April
und Oktober. Ein besonderer Genuß für jeden
Pferdeliebhaber sind dabei die Gala-Abende vor dem Auktionstag,
ein in Verden "erfundenes", nunmehr anderswo oft
kopiertes Pferdeschauprogramm. Drei Wochen vor den Eliteauktionen
werden die jungen Spring- und Dressurtalente trainiert und
getestet, bevor sie vor den Kaufinteressenten aus aller Welt
versteigert werden. Während dieser Zeit können Sie sich
bei freiem Eintritt den Trainingsbetrieb ansehen. Besonders ist
der Besuch der Auktionen zu empfehlen, auch wenn Sie nicht
mitbieten wollen, oder leider das Sparbuch nicht genug hergeben
würde.
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 Auktion
in der Niedersachsenhalle.
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Erleben Sie die knisternde
Atmosphäre in der großen Halle wenn beim letzten
sechsstelligen Gebot der Hammer des Auktionators in der Luft
schwingt, dann regungslos in der Höhe bleibt; versetzen Sie
sich in die Loge des Bieters, der dann sicherlich einen
Stoßseufzer murmelt: "Nun schlagen Sie doch endlich
zu! "
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Zwischen den Stallgebäuden
und der Rennbahn finden Sie ein weiteres Pferdedenkmal, die
hannoversche Stute Dieta von Diskont mit einem Fohlen von
Garibaldi, geschaffen von dem Bildhauer Ulrich Conrad aus
Worpswede. Dieta steht als Dank der hannoverschen Züchter
für alle Stuten, denn im allgemeinen sind es die für
die Zucht bestimmenden Hengste, denen ein Denkmal gesetzt wird.
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Am Denkmal beginnt unser Rundgang auf der Rennbahn, nicht wie die
schnellen Galopper, sondern im gemütlichen Wanderschritt.
Die Flachbahn hat eine Länge von 1.500 m, ein "Rechtskurs",
wie die meisten Galopprennbahnen in der Bundesrepublik. Die
Diagonale mit den Hindernissen ist den Jagdreitern vorbehalten.
In Fachkreisen gilt die Verdener Anlage als eine der schönsten
Naturrennbahnen. Das Stadion entstand ab 1927 auf dem Gelände
einer Schutthalde, die Rennbahn folgte 1932/33. Die Tribünen
wurden 1934 und 1937 errichtet. Die Verdener Großturniere
erlebten ihre Blütezeit in den Jahren der NS-Diktatur, das
darf hier nicht unterschlagen werden. jedoch die
Nationalsozialisten hatten sie nicht aufgebaut, sie nutzten
vielmehr wieder geschickt das für ihre Zwecke um, was andere
bereits angelegt hatten. Die Anderen, das waren der seit etwa
1890 bestehende Rennverein und reitsportinteressierte Offiziere
der Verdener Garnison, allen voran Heinz Hamann. Dieser
begeisterte Pferdefreund und glänzende Organisator
veranstaltete bereits 1930 im noch unfertigen Stadion ein erstes
zehntägiges Turnier. In der Folgezeit verbreitete sich immer
dann großstädtisches Flair im damals etwa 12.000
Einwohner beherbergenden Verden, wenn sich die Reiter zum Turnier
versammelten, die Sonderzüge anrollten und Zehntausende die
Ränge des Stadions und das übrige Gelände
umsäumten.
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 Stadion
und Rennbahn während einer Pferdesportveranstaltung. -
 Sandsteinrelief
Gaudemus -
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Ein Tip am Schluß unseres
Rundgangs: Es gibt viele Gelegenheiten, Pferd und Sport in Verden
live zu erleben. Lassen Sie sich von der
TouristInformation, Ostertorstr. 7a, 27283 Verden (Aller), Tel.:
042 3 1/12 - 317, Termine und Programme geben. Das Leitmotiv
heißt Gaudemus Equis - wir haben Freude am Pferd!
Wir finden es auf einem Sandsteinrelief von 1815, ursprünglich
Zierde eines Verdener Bürgerhauses. Heute ist das Relief im
Deutschen Pferdemuseum zu sehen.
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Dietrich Fröba
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