L A N D S C H A F T S V E R B A N D     S T A D E :   F A L T B L A T T    1 4


Landschaftsverband Stade: Hier folgen Text, Bilder und (am Ende) ein Tourenplan des Faltblattes Nr. 14 aus unserer Reihe „Wege in die Kulturlandschaft zwischen Elbe und Weser“:


Was steht denn da? Moderne Skulpturen in Zeven





Spätestens seit dem Bildhauersymposium 1993 finden wir in Zeven eine Vielzahl unterschiedlichster moderner Skulpturen. Sie sind herzlich eingeladen, mit mir diese Kunstwerke zu erkunden und kennenzulernen. Auch kleine Abstecher mit Hinweisen auf Geschichtliches und Sehenswürdiges sind eingeplant.


1 Wir beginnen bei Zevens Finanzamt an der Labestraße, den Parkplatz finden wir hinter dem Haus. In der Mitte des runden gepflasterten Vorplatzes steht eine über 4m hohe Metallskulptur „Der Zehnt“. Sie stammt von Horst Rellecke aus Möhnesee und wurde 1990 vor dem fertigen Neubau aufgestellt. Das Windspiel aus Edelstahl versinnbildlicht die Aufgaben des Finanzamts, die darin besteht, einen Teil des erwirtschafteten Einkommens für die Allgemeinheit einzubehalten. Die konzentrischen Ringe, klein, mittel und groß, stellen die Gesamtmenge der Einkünfte dar. Der herausgeschnittene Keil die Abgaben, die Steuern oder wie es früher hieß: „Der Zehnt“.

2 Nach ca. 10 Minuten Fußweg Richtung Stadtmitte sehen wir bereits links vor uns den schönen Stadtpark und dahinter das Museum Kloster Zeven und den St. Viti-Kirchturm. Ein schöner Wanderweg, auch ‚Philosophenweg’ oder ‚Kußallee’ genannt, geht direkt vor der Brücke links der Mehde entlang. Wer diesen Abschnitt mit dem Auto zurücklegen möchte, parkt am besten auf dem Parkplatz direkt vor der St. Viti-Kirche und Museum, Rest eines Benediktinerinnenklosters um 1141, sind eigentlich einen Besuch für sich wert. Die Öffnungszeiten finden Sie im Anhang. Doch auch zur Kunst gibt es hier etwas zu entdecken: Die bronzenen Türgriffe Taube, Löwe und Fisch an den drei Eingängen des Museums wurden 1988 durch den Hamburger Bildhauer Klaus Luckey gefertigt. Im Innenraum stehen direkt im Eingangsbereich noch die ‚Drei Singenden Nonnen’, eine ca,. 70m hohe Terracotta-Plastik, ebenfalls von Klaus Luckey, die an den klösterlichen Ursprung des Gebäudes erinnern soll.

3 Gehen wir jetzt in den Stadtpark, sehen wir in dessen Mitte zwei große keilförmige Sandsteine liegen. Es ist das ‚Ungleiche Paar’, das die Jorker Künstlerin Barbara Uebel während der ‚Kunst-Werk-Schau’, dem Bildhauersymposium 1993, hier an Ort und Stelle anfertigte. Die Arbeiten der weiteren 6 Künstler des Symposiums werden wir nachher im Skulpturengarten sehen. Die Komposition als große klare Form bildet einen optischen Mittelpunkt und ist von weither sichtbar. Sie lädt ein zum Hingehen, zum Herumgehen, Anfassen, Durchschreiten oder Anlehnen.

4 Überqueren wir die Bäckerstraße, dann stehen wir bereits vor dem Rathaus, auf dessen Vorplatz die ‚Pferdehändler’ per Handschlag ihren Handel besiegeln. Sie erinnern sozusagen ‚illustrativ und dekorativ’ an den hier ursprünglich stattfindenden Viehmarkt, der damals regionale Bedeutung hatte. Die bronzene Figurengruppe mit kleinem Brunnen von dem Bremer Bildhauer Claus Hornfeld wurde gemeinsam durch die Samtgemeinde und die Sparkasse beim Neubau des Rathauses 1982 aufgestellt. Fohlen und Hund laden die Kinder zum ‚Daraufsitzen’ ein.


5 Wenn Sie möchten, machen Sie von hier einen kleinen Abstecher: Sie überqueren die Lange Straße und gehen gleich die nächste Straße links in den ‚Kattrepel’ hinein. Auf einem Sockel vor dem Fernmeldeamt ist eine leicht abstrahierte ‚Liegende Kuh’ aus Bronze zu sehen. Sie wurde bereits 1966 durch Alice Peters aus Bremen für den damaligen Neubau geschaffen. Vertreter der Stadt wählten das Motiv als besonders passendes Symbol für die ‚Milchstadt Zeven’ aus, eine Anspielung, die sich auf das in Zeven ansässige Unternehmen der ‚Nordmilch’ bezog. Rechts neben dem Fernmeldeamt geht ein Durchgang zurück zur Langen Straße. Falls Sie eine kleine Pause einlegen möchten, sollten Sie das jetzt tun, z.B. mit Kaffee und Zevener Himmelstorte.

6 Über die Schulstraße gelangen wir zum Christinenhaus, dessen roten Backsteingiebel wir bereits von dieser Fußgängerzone aus sehen. Hier gibt es viel zu sehen:


    1. Auf dem gepflasterten Vorplatz treffen wir zunächst auf die gut 2m hohe Bronze-Plastik ‚Großer Hephaistos’ von Waldemar Otto aus Worpswede. Der mit seinem Klumpfuss geborene Hephaistos, Schutzpatron der Handwerker und Künstler, kann als ein wichtiges und charakteristisches Werk des Künstlers angesehen werden, welches vor dem Christinenhaus einen geeigneten Platz hat und gleichzeitig dem Vorplatz seine eigentliche Raumwirkung verleiht.


    Das Christinenhaus wurde um 1650 erbaut und beherbergt heute außer den historischen Räumen und einem kleinen Veranstaltungssaal die städtische Galerie. Hier finden seit 1986 ständig wechselnde Kunstausstellungen statt, schwerpunktmäßig zur modernen Kunst des Elbe-Weser-Raumes. Die Öffnungszeiten finden Sie im Anhang.



    2. Auf der kleinen Mauer direkt vor dem Haus steht noch eine kleine Bronzefigur des Hamburger Künstlers Klaus Luckey. Sie wurde nach dem Umbau des Hauses 1986 platziert. Es ist die schwedische Königin Christine, zu deren Besitz dieses Hauses zählte und die auf ihrer Reise nach Rom hier genächtigt haben soll.


7 Die Gartenanlage hinter dem Haus wurde ebenfalls 1986 in Anklang an einen barocken Hausgarten neu angelegt, wobei bald die Idee entstand, auch Skulpturen aufzustellen:


    1 Die Keramikkünstlerin Edith Loef-Langer aus Seedorf machte einen symbolischen Anfang des Skulpturengartens, als sie 1988 der Stadt Zeven die Plastik ‚Die Kraftvolle’, einen ca. 35cm großen expressiven weiblichen Torso schenkte. Die weiteren hier aufgestellten Werke entstanden bei der ‚Kunst-Werk-Schau’ 1993.

    2 Das ‚Herzstück’ bildet das farbenfrohe, etwa 5m hohe ‚Bewegliche Objekt’ (siehe Titelfoto) aus Metall inmitten des Teiches von Gudrun Fischer aus Fischerhude. Es bezieht sich auf den ganzen Umraum und nimmt dessen Formensprache auf, einerseits als ein fast vegetatives pflanzliches Gebilde, andererseits durch die Grundform des Kreises und ihre spielerische Abwandlung, wie wir sie auch in der barocken Anlage finden.

    3 Ein kleines Stückchen weiter steht der 3,60m hohe ‚Thorwagen’ aus Eichenholz. Hierbei bezieht der Künstler, Oliver Voigt-Wendelstein aus Otterstedt, sich vor allem auf das historische Umfeld des Christinenhauses.


    In einer bewussten Spannung zu der christlichen Geschichte des Hauses setzt der Künstler in die Natur des grünen Gartens den ursprünglich hier und in nordischen Gefilden beheimateten germanischen Donnergott auf einem Streitwagen: wild, roh, kraftvoll steht er in seiner gekippten Stellung ‚in gefährdeter Position’.

    4 Auf seiner Rasenfläche im Durchgang zur Rhalandstraße steht die 2m hohe Sandsteinskulptur ‚Kain und Abel’ von Holger Voigts aus Bassen. Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien veranlasste den Künstler, das alte biblische Thema des Brudermordes aufzugreifen. Schräg gegenüber steht ein Gedenkstein ‚...für die Opfer der Gewalt...’.

    5 Auf dem weiteren Rundgang durch den Garten treffen wir als nächstes auf die 1,60m hohe abstrakte ‚Artemis’ von Siegfried Stolle aus Worpswede. ‚Vegetatives’, ‚Fruchtbarkeit’ und ‚Weibliches’ sind Stichworte, die uns bei der Betrachtung durch den Kopf gehen könnten. Der edle weiße griechische Marmor schafft einen hellen leuchtenden Punkt im hinteren Teil des Gartens.

    6 Zwei Meter hoch aus hellgrauem Sandstein ist die ‚Stele’, die der Bremer Künstler Thomas Kaufold anfertigte. Schlicht und einfach, sich selbst genügend, steht sie frei im Raum. Der subtile Reiz der leisen Töne und eine unerwartete Vielfalt der Formensprache erschließen sich erst bei näherer Betrachtung des Werkes.

    7 Eberhard Szejstecki, ebenfalls aus Bremen, schuf aus Sandstein den 1,45m hohen ‚Reitertorso’ für diesen Garten. Zuvor beschäftigte er sich mit klassischen ‚Denkmälern’ und typischen ‚Reiterstandbildern’, die heroischpatriarchaisch neben den wichtigen Gebäuden in den verschiedenen Städten zu stehen pflegen. In seiner etwas grotesken oder lustigtiefsinnigen Umsetzung dieses Themas blieb vom wichtig-gewichtigen Reiter nur der alles beherrschende Kopf, vom Pferde nur dessen Torso.


8 Weitere Skulpturen in Zeven finden Sie noch an folgenden Stellen:



1 Ecke Berliner Straße/Breslauer Straße, eine über Metallskulptur ‚Aufwärts, voran!’







2 Vor der Janusz Korczak Schule, Scheeßeler Straße, ‚Zwei Kinder mit Luftballons’, 1975 von Claus Hornfeld geschaffen.











3 Berufsbildende Schulen, Dammackerweg, Wand-Relief, aus Kunststoff, 1974, von Adrian v.d. Ende.

4 Vor dem St. Viti-Gymnasium, Bahnhofstraße, ‚Findlinge’, 1979, Gemeinschaftsarbeit der Kunsterzieher Friedel Terbüsch (Bildhauer), Klaus Bierkardt und Knut Kaufmann.






Im Rathausfoyer befindet sich die Touristeninformation: Rathaus, Am Markt 4, 27404 Zeven, Tel. 04282/716-0.

Im Rathaus, im Museum Kloster Zeven oder Christinenhaus sind u. a. folgende Schriften zu bekommen:

1.) Katalog der ‚Kunst-Werk-Schau’, Entstehung des Skulpturengartens, 1993

2.) ‚Streifzug durch die Geschichte Zevens’, Museum Kloster Zeven und Christinenhaus, mit Museumsführer.


Öffnungszeiten:
Museum Kloster Zeven, Klostergang 3,
27404 Zeven und Christinenhaus mit städtischer Galerie, Lindenstr. 11, 27404 Zeven
DO 14.00-17.30 Uhr, SO 15.00-17.00 Uhr
Eintritt frei, Führungen und Gruppen n.V.
Tel. 04281/716-159

Feuerwehrmuseum Zeven e.V., Meyerhöfen 7, 27404 Zeven, el. 04281/2376 und 6109
SO 14.00-17.00 Uhr oder n.V.





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