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Eine Rundwanderung in Scheeßel
führt uns zu markanten Punkten, die als Spuren der
Vergangenheit einen Bezug zur geschichtlichen Entwicklung dieses
Orts noch heute herstellen.
- Sechs Eichenblätter zieren
das Wappen Scheeßels, sie sollen die sechs Höfe
symbolisieren, die vor mehr als 1.000 Jahren die Keimzelle der
inzwischen auf 11.000 Einwohner gewachsene Gemeinde bildeten.
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WANDERN UND ENTDECKEN
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1.
Wir beginnen unsere Wanderung auf dem Meyerhof, der zweifellos zu
den ältesten Höfen des Ortes zählt. Hierbei
handelt es sich um einen ehemaligen Vollhof, der im Mittelalter
vom Verwalter des Grundherrn, dem Meyer, bewirtschaftet wurde.
Dieser hatte einerseits die Aufgabe, die Natural- und Geldabgaben
von den Nebenhöfen einzuziehen, unterlag aber andererseits
auch selbst der Pflicht, Abgaben für die Nutzung des
Meyerhofes zu leisten. Heute dient diese malerisch schöne
Hofanlage mit ihren sieben Fachwerkgebäuden als Kultur- und
Begegnungsstätte und ist außerdem Teil des
Heimatmuseums Scheeßel.
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2.
Um 1200 war Scheeßel Sitz eines Archidiakonats des Bistums
Verden. Der Archidiakon als Vertreter des Bischofs in
verwaltender und richterlicher Funktion bestrafte bei geringen
Verstößen gegen die Rechtsordnung, indem Verurteilte
an das Halseisen des Schandpfahles gekettet wurden. Auf dem
Kirchenvorplatz umschreiten wir die 500jährige
Gerichtslinde, die als Naturdenkmal unter Schutz steht.
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Seit alters her war Scheeßel
Kreuzungspunkt wichtiger Handelsstraßen, auf denen aber
auch Heerscharen daherzogen und den Ort durch ihre kriegerischen
Auseinandersetzungen stark in Mitleidenschaft zogen. Im
30jährigen Krieg wurden der Kirchturm, das Pfarrhaus und
mehrere Gehöfte niedergebrannt.
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 Links:
St. Lukas-Kirche, Scheeßel. -
Rechts:
Kanzelaltar im Inneren der St. Lukas-Kirche mit barocken
Ornamenten.
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Die heutige St. Lukas-Kirche wurde 1755
1757 im Bauernbarockstil errichtet. Der mächtige Kanzelaltar
mit seinen barocken Ornamenten prägt das Innere der Kirche.
In dem aus Felssteinen erbauten monumentalen Kirchturm befinden
sich Glocken aus dem Jahre 1646 und 1652.
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3.
Wir biegen in die Kirchstraße ein und erreichen nach
wenigen Schritten in der Mühlenstraße die alte
Amtsvogtei. Dieses in einem Park gelegene Fachwerkgebäude
wurde 1816 gebaut und als Dienstsitz der Amtsvögte genutzt.
Als die Funktion der Amtsvögte, richterliche Untersuchungen
in Zivil- und Strafsachen sowie Verhängung von Geldbußen
bei geringeren Vergehen vorzunehmen, aufgehoben wurde, gingen
1882 Gebäude sowie Grund und Boden in Privatbesitz über.
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1977 wurde die ehemalige Amtsvogtei samt
Park von der Gemeinde Scheeßel erworben. Das
denkmalgeschützte Gebäude konnte restauriert werden und
ist Sitz der Gemeindewerke, die einige Räume auch für
eine öffentliche Nutzung vorgesehen haben.
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 Die
Amtsvogtei.
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4.
Geht man durch den Amtsvogteipark in Richtung Bundesstraße,
so findet man dort ein bronzezeitliches Hügelgrab mit einem
mehrperiodischen Aufbau und Bestattungen vom Ende der jüngeren
Steinzeit und der Bronzezeit (1700-700 v. Chr.).
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5.
Die Scheeßeler Mühle wurde von einem Verdener Bischof
angelegt und ist zu den ältesten unserer Gegend zu rechnen.
Ursprünglich soll sie an der Beeke unterhalb der Kirche
gestanden haben, von wo sie 1503 an den heutigen Platz an der
Wümme verlegt wurde. Die Mühle befindet sich seit 1607
nachweislich im Besitz der Familie Müller-Scheeßel.
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 Das
Malzhaus bei der Scheeßeler Mühle. -
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Gegenüber dem im Stil der
Jahrhundertwende errichteten Herrenhaus des Anwesens befindet
sich das Malzhaus, ein denkmalgeschütztes und restaurierter
Fachwerkbau, erbaut um 1700, in dem einst das Getreide für
die Kornbrennerei lagerte und das heute als Wohnhaus genutzt
wird. Erwähnenswert ist auch die mächtige ca.
300jährige Eiche, die ebenfalls unter Denkmalschutz steht.
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Wir
überqueren die Wümme in Richtung Jeersdorf, wo sich uns
ein herrlicher Blick über die Schilfniederung bietet, und
gehen durch die Straße Inn Dörp,
eine von Gehöftanlagen gesäumte Eichenallee, die als
eine der schönsten des Landkreises Rotenburg gilt, in
Richtung Scheeßel, wo wir erneut die Wümme überqueren
und am Ortseingang das Heimatmuseum, eine Hofanlage mit sechs
Fachwerkgebäuden, erreichen.
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(Für weitere Entdeckungen der Umgebung
von Scheeßel ist eine Wanderkarte mit Wegebeschreibungen
beim Verkehrsamt oder beim Heimatverein erhältlich).
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TRADITION UND BRAUCHTUM
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6.
Das mächtige reetgedeckte niederdeutsche Hallenhaus wurde
schon 1913 aus der Ortsmitte Scheeßels zum heutigen
Standort versetzt, um als Museum künftigen Generationen
Zeugnis zu geben vom kargen Leben unserer Vorfahren. Nach seiner
Konstruktion wird das Heimathaus auch als Zweiständerhaus
bezeichnet. Seine Eigenart besteht darin, dass die Dachlast nicht
von den Außenwänden, sondern von einem inneren Gerüst
getragen wird, das gleichzeitig auch die Last der auf den Boden
gestapelten Ernte aufnimmt.
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Der Funktion nach ist es als ein sog.
Einhaus anzusprechen, das als Hauptaufgabe die Vereinigung
bäuerlichen Lebens und Wirtschaftens, nämlich das
Wohnen, das Viehaufstallen, das Erntebergen und die Ausführung
der wichtigen Binnenarbeiten ermöglichte. In der
hallenartigen Raumweite des Hauses, in dem Bauer, Gesinde und
Vieh unter einem Dach lebten, bildete das offene Herdfeuer auf
dem Flett den Mittelpunkt. Gleichzeitig traf man sich hier nicht
nur zum Klönsnack, sondern am Herdfeuer wurden auch wichtige
Abmachungen, wie das Aushandeln von Mitgift und Altenteil sowie
Verdingung von Gesinde durch Berühren des Kesselhakens
besiegelt.
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Auf dem Dachboden wurden Erntestapel
gelagert, auf die der Herdrauch vom Flett nutzbringend einwirkte,
er trocknete das Getreide; beizte das Korn, vertrieb Ungeziefer
und konservierte das Holz. Gleichzeitig wurden die im Wiemen
aufgehängten Würste und Schinken geräuchert. Mit
Fleiß und Können wurde für die Selbstversorgung
mit Nahrung und Kleidung gearbeitet.
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Früher
trug man die Scheeßeler Tracht, die heute von den
Scheeßeler Trachtengruppen gepflegt wird und nur noch bei
den Vorführungen der Scheeßeler Bunten, einem
Vier-Paar-Tanz, oder in der Schauvitrine auf dem Heimathausboden
zu sehen ist.
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Die Nebengebäude des Heimathausgeländes
wurden auf verschienen Höfen der näheren Umgebung
Scheeßels abgetragen und hier wieder aufgebaut.
Wagenscheune, Speicher, Backhaus, Schaf- und Schweinestall legen
zusammen mit dem niederdeutschen Hallenhaus Zeugnis ab vom kargen
Leben der bäuerlichen Bevölkerung im 19. Jahrhundert.
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 Heimathausgelände
mit Honigspeicher und Schafstall. -
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7.
Wir benutzen einen Fußpfad, überqueren die Beeke kurz
vor ihrer Mündung in die Wümme und stehen auf dem
unteren Wiesenteil des Meyerhofes, gehen am Schafstall vorbei und
können im Häuslingshaus Gerätschaften fast
vergessener Berufe betrachten. Häuslingen wurden Unterkunft,
Garten und Ländereien zur unentgeltlichen Nutzung
überlassen. Als Gegenleistung musste die gesamte Familie auf
dem Hof arbeiten und sich den Anweisungen des Bauern fügen.
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 Scheeßeler
Handblaudruck. -
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Ein ehemaliger Kornspeicher wurde mit einer
umfangreichen Sammlung wertvoller alter Druckstöcke und
anderer Gerätschaften einer noch bis 1950 in Scheeßel
ansässigen Werkstatt als Blaudruckerei ausgebaut. Hier
werden nach altüberliefertem Verfahren Stoffe für den
Eigenbedarf des Heimatvereins und der Trachtengruppe bedruckt und
gefärbt.
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Sehenswert ist auch die mit z.T. mehr als
300 Jahren alten Bauernwebstühlen für die Herstellung
von Stoffen eingerichtete Weberei, die in einem ehemaligen
Landarbeiterhaus untergebracht ist. Hier wird in Kursen das
Spinnen, das Weben und das Klöppeln gelehrt.
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 Meyerhofgelände
mit Kunstgewerbehaus. -
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Während auf dem Heimathausgelände
ein großes Kachelbild an den aus Scheeßel gebürtigen
niederdeutschen Maler Prof. Ernst Müller-Scheeßel
(1863-1936) erinnert, finden wir hier ein Zimmer, das seinem
Wirken gewidmet ist. Er, der sein Atelier in der Böttcherstraße
in Bremen hatte, war 1905 Mitbegründer des Scheeßeler
Heimatvereins, nachdem schon 1904 das erste große
Niedersächsische Trachtenfest in Scheeßel
stattgefunden hatte.
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Für den Zusammenschluß der
Scheeßeler Tischler entwarf Ernst Müller-Scheeßel
Zimmereinrichtungen, die ab 1908 im Kunstgewerbehaus auf dem
Meyerhof gezeigt und verkauft wurden. Das Kunstgewerbehaus
Scheeßel, vermutlich handelt es sich um einen ehemaligen
Hofschafstall, wurde 1976 vom Heimatverein wiedereröffnet und
zeigt seitdem wechselnde Ausstellungen.

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