Wege in die Dörfer:
Rotenburg - Mulmshorn
 1974
wurden 4 Dörfer in die Stadt Rotenburg eingemeindet: Borchel,
Mulmshorn, Unterstedt, Waffensen. Die ehemals selbständigen
Gemeinden haben ihre gewachsenen historischen Eigenheiten während
der 20jährigen Zugehörigkeit zur Stadt nicht aufgegeben.
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Mulmshorn ist in wesentlichen Teilen ein
Bauerndorf geblieben. An einige Straßen, insbesondere
östlich der B 75, stehen allerdings Siedlungshäuser der
Nachkriegsjahre und moderne Einfamilien-häuser. Der Ort ist
länger besiedelt als Rotenburg. Reste einer
vorgeschichtlichen Burg sind gefunden und dokumentiert. Die erste
urkundliche Erwähnung wird auf das Jahr 1320 datiert. Der
Ortsname lautete in ollerdeshorn. Er wandelte sich zu
tom ulmes Horn, zum Ulmeßhorn, zum
Mulmeshorn zur heutigen Bezeichnung Mulmshorn. Der Ortsname
läßt darauf schließen, daß die
ursprüngliche Siedlung in einem Geländewinkel, einem
Horn, lag. Erkennbar ist dieser noch heute an dem Zusammenfluß
der Wieste und des Glindbaches. In der frühen Neuzeit befand
sich in Mulmshorn ein Gut, das zum bischöflichen Besitz
gehörte. Der Bischof Eberhard von Holle (1566-1586) soll
sich dort oft aufgehalten haben. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts
wurde das Gut an vier Bauern verkauft und seine Fläche
aufgeteilt.
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1.
Die Rundfahrt durch Mulmshorn beginnen Sie beim Bahnhof. Wenn Sie
von Rotenburg kommen, können Sie die ca. 12 km schon mit dem
Fahrrad fahren. Es bietet sich der Weg durch Borchel (über
den Ortsteil Littjes Dörp) an. Vom Bahnhof Mulmshorn fahren
Sie in den Hesedorfer Weg und folgen diesem bis nach der
Eisenbahnüberquerung links ein Weg (Glindsdamm)
abgeht. Auf dem Weg dorthin kommen Sie an der
Tierkörperverwertungsanstalt vorbei. Die Mulmshorner haben
diesen Betrieb etwas außerhalb der Siedlung angelegt. Wenn
es wirklich mal ein wenig riecht, weht der Wind den Geruch in
Richtung Hesedorf. Auf dem Glindsdamm fahren Sie
durch ein Naturschutzgebiet. Hier sollten Sie eine kleine Pause
einlegen und sich die Landschaft mit den Wiesen, Bäumen,
Sträuchern, Gräsern und Blumen ansehen. Sie ist typisch
für den Ortsrand eines Bauerndorfes.
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 Die
wunderschöne - unter Naturschutz stehende - Landschaft am
'Glindsdamm'. -
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Folgen Sie dem Weg, wie er auf der Karte
eingezeichnet ist. Er führt Sie durch die Felder der
Mulmshorner Landwirte. Kurz vor dem neuen Sportplatz erreichen
Sie eine kleine Anhöhe. Die Geest hat auch hier ihre Spuren
hinterlassen. Wenn Sie von dort in Richtung Westen blicken, sehen
Sie wie das Gelände bis zum Zusammenfluß von Wieste
und Glindbach abfällt. Eine ideale Lage, um eine Siedlung
anzulegen. Nach Norden zu beginnt schon vor der A 1 die
Samtgemeinde Zeven, zu der auch das Gewerbegebiet gehört.
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2.
Sie fahren ein kleines Stück auf der Bundesstraße in
Richtung Zeven bis zur Abzweigung nach Horstedt und dann
auf dem Horstedter Weg bis zum Friedhof. Hier sollten Sie die
Räder abstellen und sich diesen typischen Dorffriedhof
ansehen. Die gestalteten und gepflegten Gräber und die
geharkten Wege sind Ausdruck deutscher Friedhofskultur.
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 Typischer
Dorffriedhof. -
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Hinter dem Friedhof können Sie die
Reste des alten Walles sehen. (Links neben der Kapelle finden Sie
eine kleine Pforte). Die Wehranlage war offensichtlich nur an
einer Seite geschützt. Auf der anderen Seite verlief das
durch die Wieste und den Glindbach gespeiste Sumpfgebiet, das
hinreichenden Schutz bot. Sie sollten den Wall und den Graben,
die ein Kulturdenkmal darstellen, nicht betreten. So schützen
Sie dieses vor weiterer Zerstörung.
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3.
Vom Friedhof geht es ein Stück zurück bis zum Dieckweg.
Fahren Sie bis zur Brücke über den Glindbach. Hier
können Sie einen noch nicht begradigten Bachverlauf
genießen. Insbesondere bei sonnigem Wetter lädt diese
schattige Stelle ein wenig zum Verweilen ein. Hier finden Sie,
was die Fremdenverkehrsexperten gerne als Natur pur
verkaufen wollen. Beachten Sie aber auch das Bauernhaus, das am
Dieckweg liegt. Am Ende des Dieckweges biegen Sie rechts in die
Straße Zur Wieste. Mehrere imposante
Bauernhäuser stehen hier im Zentrum des alten Ortes. Das
Bauernhaus am Ende der Straße wird langsam verfallen. Es
ist Ausdruck des wirtschaftlichen Wandels in einem alten
Bauerndorf. Die Vollerwerbshöfe gehen zurück. In
Mulmshorn gibt es nur noch eine Handvoll. Die anderen Betriebe
werden im Nebenerwerb unterhalten oder ganz aufgegeben. Nur so
kann der Lebensunterhalt der Familien gesichert werden. Die
Gesetze der Marktwirtschaft machen auch vor den kleinen
Bauerndörfern nicht halt.
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 Imposante
Bauernhäuser an der Straße 'Zur Wieste'. -
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4.
Fahren Sie wieder zurück und biegen nach rechts in den
Sottrumer Weg ein. Nach einigen Metern liegt links
das Gelände, auf dem die Mulmshorner Sandbahnrennen
durchgeführt werden. Hier trifft sich alljährlich die
Weltelite der Sandbahnfahrer, um Wettkämpfe zur
Weltmeisterschaft auszutragen. Mulmshorn ist nicht überall
ein altes Bauerndorf.
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 Mulmshorn:
Austragungsort internationaler Sandbahnrennen.
5.
Jetzt geht es in Richtung B 71 auf der Sottrumer Straße.
Auf halbem Wege finden Sie links ein Bauernhaus, das ganz aus
Steinen ohne Fachwerk gebaut ist. Die Landwirte
haben ihre Häuser immer dem jeweiligen technischen
Entwicklungsstand angepaßt und so gebaut, wie es ihnen am
nützlichsten erschien. Denkmalschutz und Schutz alter Gebäude
sind eine Entdeckung der Städter, die auf dem Lande eine
vermeintlich heile Welt suchten. Sie werden auch bei anderen
Bauernhöfen leicht feststellen, daß Anbauten und
Wohnhäuser auf dem Hofgelände nicht unter Aspekten der
Denkmalpflege errichtet wurden. Heute ist das sicherlich in
einigen Punkten anders.
 Bauernhaus
an der 'Sottrumer Straße'.-
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An der Ecke Sottrumer Straße
und Rotenburger Straße finden Sie den
Dorfladen. Er hat sich den modernen Einflüssen nicht
entziehen können, wenn auch sein Sortiment auf den
alltäglichen Bedarf der Mulmshorner Kundschaft ausgerichtet
ist. Frühe Öffnungszeiten ermöglichen es, schon
auf dem Weg zur Arbeit Zeitung und Brötchen zu haben.
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Wenn Sie die Bundesstraße überqueren
und in die Straße Im Mull fahren, erreichen Sie
den moderneren Teil Mulmshorns. Hier entstehen mehr und mehr
Einfamilienhäuser, die Stück für Stück das
historisch gewachsene Bauerndorf verändern und vielleicht
verdrängen. Durch die Ausweisung von Baugebieten wird sich
das Dorf weiter verändern.
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Eine frühere Phase der Bebauung, die
auch schon den Charakter des Bauerndorfes veränderte,
erreichen Sie im Dammweg. Hier stehen Siedlungshäuser
aus der Nachkriegszeit. In ihnen siedelten Flüchtlinge und
Vertriebene. Die Häuser sind so gebaut, daß ihre
Bewohner einen geringen landwirtschaftlichen Nebenerwerb
betreiben konnten. Sie sollten einen Teil der Grundnahrungsmittel
in Selbstversorgung erwirtschaften.
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Vom Dammweg aus fahren Sie
wieder zum Bahnhof, dem Ausgangspunkt, zurück.
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Sie haben auf dem Weg durch
Mulmshorn unterschiedliche Phasen eines Dorfes wahrnehmen können.
Die Landschaft ist weitgehend bäuerlich geprägt. Das
Ortsbild bestimmen noch große Bauernhäuser,
insbesondere im westlichen Teil. Die Aufgabe einzelner Gebäude
markiert den Wandel der Landwirtschaft. Die Siedlungs- und
Einfamilienhäuser zeigen eine mögliche Zukunft des
Dorfes als Wohnort für Menschen, die an anderer Stelle
arbeiten. Die überlieferte Einheit von Wohn- und Arbeitsort,
die für vorindustrielle Lebensweisen typisch ist und sich auf
dem Lande noch erhalten hat, würde aufgelöst werden.
Neben der Landwirtschaft gibt es kaum andere Beschäftigung.
Einige Gasthöfe und Autowerkstätten, Tankstellen und
kleine Betriebe bilden das nicht landwirtschaftliche Gewerbe. Die
Bahnstation an der Strecke von Rotenburg nach Zeven/ Bremervörde
wird gegenwärtig nicht genutzt. Die Strecke ist aber
funktionsfähig. Insgesamt erweist sich Mulmshorn zwar noch
als eine landwirtschaftlich geprägte Siedlung, aber die
anderen Entwicklungsmöglichkeiten sind im Kern schon
erkennbar.
Dietmar Kohlrausch
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