Wege in die Dörfer: Rotenburg - Borchel
1974
wurden 4 Dörfer in die Stadt Rotenburg eingemeindet: Borchel,
Mulmshorn, Unterstedt, Waffensen. Die ehemals selbständigen
Gemeinden haben ihre gewachsenen historischen Eigenheiten während
der 20jährigen Zugehörigkeit zur Stadt nicht aufgegeben.
In Borchel können die Besucher auch heute die Struktur der
Moorkolonie erkennen. Sie bestimmt weitgehend das Aussehen des
Dorfes, wird aber durch weitere dörfliche Elemente ergänzt.
Das Dorf, seine Kulturlandschaft und seine Natur sollen Sie mit
der Rundfahrt erfahren.
 1.
Vom Rathaus fahren Sie über die Nöden, unter der
Eisenbahnbrücke durch, ein kleines Stück parallel zur
Bahn, halten sich dann rechts und folgen dem Radweg nach
Scheeßel/Hamburg über die B 75. Nach deren Überquerung
fahren Sie in nördliche Richtung in den Weichel.
-
Der Weichel besteht in
Eichen- und Büchenholz, hält im Umkreis ungefähr 1
Stunde Gehens, und können bei voller Mast bis 45 Stück
Schweine darauf gefeißet werden, zu Hut und Weide
prätendieren die Eingesessenen des Fleckens Rotenburg mit
ihrem Hornvieh darauf berechtigt zu sein, so aber in ermangelnder
Registratur bis anhero noch nicht ausgemacht, heißt
es in einer Amtsbeschreibung vom Beginn des 18. Jahrhunderts. Vom
12. bis 14. Jahrhundert befand sich im Weichel eine kleine
Siedlung. Wölbäcker wurden entdeckt. Durch Weichel und
Eichhop fahren Sie zum ersten Haltepunkt. An dieser Stelle stand
vor rund 100 Jahren ein Torfwerk und lange Zeit ein
Torfarbeiterhaus. Reste eines Gartens und die Kulturfolgepflanze
Brennessel sind zu sehen.
-
-
2.
Weiter geht es zu den Fischteichen. Sie werden nicht gewerblich
genutzt, sondern dienen der Tierwelt als Nahrungsreservoir.
-
 Fischteiche -
 Weg
im Moor (bei Stellmoor) -
-
3.
Bei der Weiterfahrt nach Stellmoor beachten Sie bitte die
Landschaft. Der Weg führt Sie durch einen Erlenbruch, durch
ein Gebiet, das nach dem Torfabbau von der Landwirtschaft genutzt
wird. Sie können die Viehhaltung sehen, aber auch
Landstücke, auf denen Binsenkraut wächst, was auf einen
sauren Boden hinweist. Landwirtschaft im Moor war ohne künstliche
Unterstützung kaum möglich. Die sauren Böden
wurden mit Kalk versetzt. Sie fahren auf einem typischen Sandweg,
der birkenbestanden ist. Vor der Asphaltierung sahen fast alle
Wege ins Moor so aus, wie dieser Sandweg. Ihr nächster
Haltepunkt ist die Siedlung Stellmoor, ein Teil des Dorfes
Borchel. Hier können Sie einen alten Bauerngarten von der
Straße aus sehen (rechts).
-
 Bauerngarten -
-
4.
Die Weiterfahrt führt uns an die Straße, die von
Rotenburg nach Borchel und weiter nach Abbendorf verläuft.
Auch diese ist ein Ergebnis der Moorkolonisation Borchels. Vor
150 Jahren existierte diese Straße noch nicht. Auf der
Weiterfahrt sehen Sie linker Hand die moderne Technik, die ein
altes Produkt fördert: Eine Gaspumpstation erinnert uns
daran, daß unter Rotenburg und seiner Umgebung eines der
größten Gasvorkommen Mitteleuropas liegt.
-
 Gasförderstation -
-
Vorbei am Dorfgemeinschaftshaus
fahren wir auf dem Moordamm in Richtung Borchel. Wer etwas mehr
Zeit investieren will, kann beim Dorfgemeinschaftshaus einen
Abstecher in die Siedlung des Dorfes Littjes Dörp
unternehmen.
-
-
5.
Die Hauptroute verläuft auf dem Borcheler Damm. Nach einigen
100m erreichen Sie eine Kreuzung. Sie fahren links in die Straße
Lahend. Zu beiden Seiten der Straße liegen die Bauernhöfe.
Trotz des Rückganges ist die Landwirtschaft in Borchel auch
heute vorherrschend. Sie finden in Borchel schöne alte und
auch große niedersächsische Bauernhäuser im
Fachwerkstil. Oft liegen diese versteckt hinter langen
Zufahrtswegen, die vom Hauptdamm zu den einzelnen Gehöften
führen.
-
 Hof
in Borchel -
-
Bei der Kolonisation wurde
zunächst das Stück zwischen Damm und Bauernhaus
kultiviert. Vorherrschend ist die Viehwirtschaft geblieben.
Während der Fahrt können Sie die Landschaft beobachten.
Durch den Torfabbau wurde diese umgestaltet. Höhenunterschiede
zwischen abgetorften und nicht abgetorften Gebieten sind leicht
zu erkennen. Die geraden Abzugsgräben grenzen die einzelnen
Felder ein. Auf einigen Feldern können Sie wieder
Binsenkraut entdecken. An manchen Stellen ist auch brauner
Torfboden zu sehen. Genießen Sie die Fahrt und machen Sie
Pause, wann immer Sie dazu Lust haben. Am Ende der Straße,
wenn Sie alle Bauernhäuser hinter sich gelassen haben,
können Sie vielleicht eine kleine Rast machen. Danach müssen
Sie zurück zum Borcheler Damm.
-
-
6.
Auf dem Borcheler Damm fahren Sie in nördlicher Richtung bis
zum Schild Borchelhof. Hier biegen Sie links ab und fahren auf
der leicht ansteigenden Straße nach Borchelhof. Borchelhof
ist wohl der älteste Teil des heutigen Dorfes Borchel.
Vorgeschichtliche Siedlungsreste sind gefunden. Im Mittelalter
wird Borchelhof erwähnt. Früher war Borchelhof ganz
nach Gyhum hin ausgerichtet. Noch heute gehören einige
Bewohner zur Kirchengemeinde Gyhum und auch die Telefonanschlüsse
für Borchelhof laufen über Gyhum. Ein Blick in die
Landschaft läßt uns erkennen, warum dies so war.
Zwischen Borchelhof und Rotenburg lag bis vor 150 Jahren das
Moor. Wo Sie heute grüne Wiesen sehen, entwickelte sich
damals ein undurchdringliches Moor. Erst mit der Kultivierung des
Moores wurde die Gemeinde Borchel geschaffen und ihre Ausrichtung
in das nahegelegene Rotenburg möglich und durchgesetzt.
-
 Blick
von Borchelhof -
-
Borchelhof liegt 5-10m über
dem anderen Grund des Dorfes. Es ist eine typische Geestinsel,
wie sie häufig im Moor liegen.
-
 Graben
bei Borcheldorf -
-
Von Borchelhof geht es zurück
auf dem Borcheler Damm in Richtung Süden bis zur Kreuzung
Lahend/ Kattensteert. Sie fahren die Straße Kattensteert in
Richtung Emmer Damm, vorbei am Golfplatz bis zu einer
freistehenden Buche. Dieser Ort bietet sich für eine letzte
Rast an. Genießen Sie den Blick von der Höhe in das
Wümmetal und auf Rotenburg. Stellen Sie sich vor, daß
ein Großteil des Gebietes, auf das Sie hinabblicken, lange
Zeit undurchdringliches Moor gewesen ist. Nach der Rast rollen
Sie auf dem Emmer Damm abwärts nach Westerholz. In
Westerholz fahren Sie rechts in Richtung Rotenburg. Werfen Sie
einen Blick auf die Struktur des Dorfes. Vergleichen Sie diese
mit der Moorkolonie Borchel. Beachten Sie danach, wie die
Landschaft von der Geest zum Moor hin abfällt. Sobald Sie
den Wald, den Weichel, erreicht haben (direkt bei einer
Gasförderstation), biegen Sie rechts ab und fahren durch den
Wald in Richtung Rotenburg. Nach einigen 100m werden Sie auf die
Kreuzung treffen, an der Sie beim Beginn unserer Rundfahrt links
abgebogen sind. Jetzt fahren Sie in Richtung Rathaus Rotenburg.
Damit ist die Rundfahrt in das Dorf Borchel beendet. Den Rest des
Weges kennen Sie und werden leicht zum Rathaus zurückfinden
oder wohin sonst Sie in Rotenburg wollen. Wenn Sie wieder beim
Rathaus sind, haben Sie ca. 25 km bewältigt.
-
-
Dietmar Kohlrausch
-
|